Indikator 1.4 - Familienstand und Haushaltsgrößen

Zielbeschreibung

Familienstand

Der Indikator weist u. a. darauf hin, ob im Haushalt ein familiäres Unterstützungs- oder Pflegepotenzial zur Verfügung steht oder ob die Person allein lebt und somit eher auf Hilfe von außen angewiesen ist.

Dieser Indikator kann auch Auskunft darüber geben, inwieweit von einer potenziellen Isolierungsgefahr älterer Menschen auszugehen ist, wenn es keine außerfamiliären Netzwerke gibt.

Aktuell ist der Großteil der Älterer verheiratet. Bei den Hochaltrigen ist dagegen der Anteil der Verwitweten am höchsten. Durch gesellschaftliche Veränderungen wird allerdings auch der Anteil der ledigen oder geschiedenen Älteren zunehmen.

Andererseits kann das Engagementpotenzial älterer, gesunder Alleinlebender von großer Bedeutung sein. Wenn es gelingt, diesen Personenkreis zum bürgerschaftlichen Engagement zu motivieren, kann die Lebenszufriedenheit und auch die Gesundheit aller Beteiligten gefördert werden.

bis Die meisten 60- bis 80-Jährigen leben in einer Partnerschaft, wobei der Anteil der Verwitweten mit steigendem Alter zunimmt und der Anteil der verwitweten Frauen wesentlich höher ist. Dagegen ist der Anteil der Geschiedenen in der älteren Bevölkerung derzeit noch vergleichsweise gering, weist aber eine steigende Tendenz auf. Ältere leben noch eher selten in einer nichtehelichen oder gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft.

bis Die prognostizierten Familienstandsstrukturen bis zum Jahr 2030 zeigen steigende Anteile der Ledigen in allen angegebenen Altersgruppen, bei den Männern sogar verdoppelnde bis verdreifachende Werte. Zunehmen werden auch die Anteile der Geschiedenen und die nichtehelichen Lebensgemeinschaften.

Haushaltsgrößen

Haushaltsgrößen geben Auskunft über Möglichkeiten für Sozialkontakte sowie informelle Hilfspotenziale. Eine hohe Anzahl an Ein- und Zweipersonenhaushalten unter der Wohnbevölkerung kann z. B. auf die mögliche Gefahr der Vereinsamung sowie auf etwaigen Bedarf an informellen (Freunde und Bekannte) wie professionellen Hilfeleistungen hinweisen. Die Zunahme von Einpersonenhaushalten ist ein Indiz für die fortschreitende Singularisierung des Alters. Insbesondere hochaltrige, verwitwete Frauen leben vielfach in Single-Haushalten.

Für Planungszwecke sind insbesondere die Einpersonenhaushalte näher zu betrachten. So kann ein hoher Anteil an Einpersonenhaushalten bei über 50-Jährigen ein Indiz dafür sein, dass die Gefahr einer Vereinsamung oder ein reduziertes Hilfepotenzial besteht.

bis Dieser Indikator kann aufzeigen, in welchen Quartieren welche Angebote benötigt werden.

bis Die Gruppe der älteren „Singles“ ist darüber hinaus im positiven Sinne von Bedeutung, besteht hier doch ein großes Potenzial für die Gewinnung bürgerschaftlichen Engagements. Es sollten Ideen entwickelt werden, um diesen Personenkreis aktiv zur gesellschaftlichen Partizipation zu motivieren: Studien zeigen, dass die sozialen Ressourcen dieser wachsenden Gruppe noch nicht erschöpfend genutzt werden.

bis Ein hoher Anteil an Ein- und Zweiparteienhäuser ist darüber hinaus als Kennzeichen für eine hohe Eigentümerquote in einem Stadtteil zu bewerten, was wiederum Merkmal für eine gute Einkommenssituation der dort lebenden Bürger sein kann.

bis Ein hoher Anteil an Mehrparteienhäusern in einem Viertel kann dagegen bei der Einrichtung von Nachbarschaftshilfen/ -netzwerken von Vorteil sein. Hier ist auch an die Schaffung von generationenübergreifenden Initiativen zu denken.

bis In Deutschland steigt seit Jahren die Anzahl der Haushalte, was auf die Zunahme der Einpersonen- und Zweipersonenhaushalte zurückzuführen ist.

bis Die Verkleinerung der Haushalte wird auch in Zukunft weiter zunehmen und ist bedingt durch Kinderlosigkeit, Scheidungsraten sowie durch altersstrukturelle Veränderungen.

bis Mit der wachsenden Zahl von Alleinlebenden über alle Altersstufen hinweg wird sich der Bedarf an geeignetem Wohnraum verändern. Deshalb sollte beim Um- bzw. Neubau von Wohnungen entsprechend auf den Ausbau kleinerer Wohneinheiten geachtet werden.

 

Informationsquellen


Einheit

absolute Anzahl und Anteil in %

 

Erhebungsinhalte und/oder Berechnung

Familienstand

nach Altersgruppen (60-69; 70-79; 80-89 und über 90 Jahre) und Geschlecht:
bis differenziert nach: 

  • ledig
  • verheiratet
  • geschieden
  • verwitwet

Hinweis: Differenzierungen wie „mit Partner/in zusammenlebend“ oder „verheiratet, aber getrennt lebend“ können in der Regel nur durch Eigenerhebungen ermittelt werden.

Haushaltsgrößen

  • Anzahl der Ein-, Zwei- oder Mehrpersonenhaushalte nach Alter und Geschlecht
  • oder: Anzahl der Personen (1, 2, 3, 4 und mehr Personen), die im Haushalt leben
  • Einpersonenhaushalte/ Anzahl der Gesamthaushalte x 100 = Anteil in %

 

Erhebungshäufigkeit

jährlich, bei Haushaltsgrößen alle 5 Jahre aktualisieren

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten

  • Hauptinteresse gilt Integration der älteren Singles, um Unterstützungspotenzial zu schaffen und Vereinsamung entgegenzuwirken
  • Analyse bestehender Angebote in den Quartieren
  • Ergebnisse des Indikators sind eine erste Basis für weitere Informationen (z. B. Prognosen) und Maßnahmen (zum Beispiel Seniorenbefragungen)
  • Vergleich der bestehenden Angebote mit dem Bedarf, z. B. auch im Rahmen von seniorenpolitischen Workshops
  • hier ein Beispiel, wo die Ergebnisse einer Seniorenbefragung zur Erstellung eines seniorenpolitischen Konzeptes genutzt wurde

 

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