Indikator 5.7 - Ärztliche Versorgung

Zielbeschreibung

Der Indikator gibt Aufschluss über die medizinische Versorgung der über 60-Jährigen durch Hausärzte und Fachärzte vor Ort. Dabei geht es insbesondere auch um eine möglichst fußläufige Erreichbarkeit der Arztpraxen.

Für die Seniorenplanung ist darüber hinaus die Facharztquote (z. B. Internisten, Neurologen) bedeutsam, da Fachärzte z. B. bei einer frühzeitigen Diagnose demenzieller Erkrankungen entsprechende Maßnahmen einleiten können. Zumindest in größeren Kommunen oder Stadtteilen bzw. gemeindeübergreifend sollte eine entsprechende Versorgung mit qualifizierten Fachärzten gewährleistet sein.

Ärzte sind außerdem in ihrer Funktion als Multiplikatoren und Berater für die Versorgung bei Hilfe- und Unterstützungsbedarf von Interesse.

Auch bei den Ärzten zeigt sich der demografische Wandel mit einem deutlich steigenden Durchschnittsalter. Das Durchschnittsalter aller Kassenärzte stieg im Zeitraum 1993 bis 2012 von 46,6 Jahren auf 53,7 Jahre an und das Durchschnittsalter der Hausärzte beträgt inzwischen über 55 Jahre (Quelle: Ärztestatistik des Bundesärztekammer vom 31.12.2016). 

In Deutschland gab es 2015 nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 48.198 Hausärzte, verglichen mit 53.255 im Jahr 2005. Damit ist die Anzahl in zehn Jahren um fast zehn Prozent zurückgegangen.

Ein großer Teil der Ärzte wird altersbedingt in den nächsten Jahren seine Tätigkeit einstellen, deshalb sind auch hier kommunale Erhebungen auf Quartiersebene wichtig. Gerade die für ältere Menschen wichtigen Facharztgruppen (Neurologen, Internisten, Psychotherapeuten oder Augenärzte) zeigen schon jetzt ein Durchschnittsalter von über 50 Jahren.

Jede Woche schließen derzeit in Deutschland etwa zehn Hausarztpraxen. In den nächsten zehn Jahre wird die Hälfte der praktizierenden Hausärzte das Rentenalter erreicht haben und nur ein Bruchteil von ihnen wird einen Praxisnachfolger gefunden haben.

Warnsignale, die auf einen drohenden oder bereits bestehenden Ärztemangel in einer Kommune hinweisen: 

  • sinkende Hausarztzahl
  • Durchschnittsalter der Ärzte über 55 Jahre
  • Durchschnittsalter der Bürger ist im Vergleich zum Durchschnittsalter in Deutschland höher
  • unterdurchschnittlich viele Privatversicherte (< 8 %)
  • nur ein Hausarzt für mehr als 1500 Einwohner
  • rückläufiger Umsatz der örtlichen Apotheke(n) oder Schließungen. 

Informationsquellen und -methoden

  • Befragung der Ärzte (Alter, beabsichtigte Beendigung der ärztlichen Tätigkeit, Nachfolgeregelung)
  • Ärztekammer/Kassenärztliche Vereinigung
  • Krankenkassen
  • Statistische Landesämter
  • Ärztedichte auf Kreisebene in Deutschland findet sich unter Faktencheck Gesundheit
  • Seniorenbefragung, die möglichst auf Quartiersebene ausgewertet wird

Erhebungs­inhalte und/oder Berechnung

Anzahl der verschiedenen Fachärzte, vor allem die für ältere Menschen wichtigen Facharztgruppen (Neurologen, Internisten, Psychotherapeuten oder Augenärzte):

  • pro 1.000 Einwohner
  • pro Einwohner über 60 bzw. 80 Jahre 

 

Kennzahlen

  • In den Innenstädten ist die Versorgung mit Fachärzten deutlich besser als in ländlichen Regionen
  • 38 Ärzte pro 10.000 Einwohner (2013)

 

Auswahl an Handlungs­möglichkeiten

  • Austausch mit den örtlichen Ärzten und Apothekern über deren aktuelle Situation und Perspektiven
  • in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Sicherstellung der medizinischen Versorgung mit Fachärzten, insbesondere mit Neurologen, Internisten, Psychotherapeuten oder Augenärzte
  • Schaffung attraktiver Bedingungen für junge Ärzte zwecks Ansiedlung in eher ländlichen Kommunen
  • Direktansprache künftiger Ärzte, besonders angehende Ärzte aus der eigenen Kommune