Indikator 5.7 - Ärztliche Versorgung

Zielbeschreibung

Eine gute ärztliche Versorgung ist gerade für ältere Menschen von großer Wichtigkeit. Der Indikator gibt Aufschluss über eine möglichst fußläufige Erreichbarkeit von Arztpraxen. Zumindest in größeren Kommunen oder Stadtteilen bzw. gemeindeübergreifend sollte eine entsprechende Versorgung mit Fachärzten gewährleistet sein.

Durch ärztliche Hausbesuche besteht zudem die Chance, Informationen (z. B. zu Selbsthilfegruppen, Diabetesberatung oder gesundheitsförderlichen Angeboten) an jene hilfe- und pflegebedürftigen älteren Patienten weiterzugeben, die im Rahmen der kommunalen Seniorenarbeit sonst nicht erreicht werden.

Ein großer Teil der Ärzte wird altersbedingt in den nächsten Jahren seine Tätigkeit einstellen. Deshalb sind auch hier kommunale Erhebungen auf Quartiersebene wichtig. Schon jetzt ist die Zahl der Hausärzte deutlich rückläufig und dies wird sich vermutlich in den nächsten Jahren fortsetzen.

Warnsignale, die auf einen drohenden oder bereits bestehenden Ärztemangel in einer Kommune hinweisen: 

  • sinkende Hausarztzahl
  • Durchschnittsalter der Ärzte über 55 Jahre
  • Hohes Durchschnittsalter der Einwohner im Vergleich zum Durchschnittsalter in Deutschland
  • nur ein Hausarzt für mehr als 1500 Einwohner
  • rückläufiger Umsatz der örtlichen Apotheke(n) oder Schließungen. 


Informationsquellen und -methoden

  • Befragung der Ärzte (Alter, beabsichtigte Beendigung der ärztlichen Tätigkeit, Nachfolgeregelung)
  • Ärztekammer/Kassenärztliche Vereinigung
  • Krankenkassen
  • Statistische Landesämter
  • Ärztedichte auf Kreisebene in Deutschland findet sich unter Faktencheck Gesundheit
  • Seniorenbefragung, die möglichst auf Quartiersebene ausgewertet wird
  • Ärztestatistik des Bundesärztekammer 
  • Das Soko-Institut stellt seinen Kunden ein Erhebungstool zur Verfügung, das Beteiligten einen Überblick gibt, welche Angebote im Quartier vorhanden sind. Ähnliche Angebote anderer Institutionen waren uns zum Redaktionsschluss nicht bekannt.



Beispiele für Erhebungs­inhalte und/oder Berechnung

Anzahl der verschiedenen Fachärzte, vor allem die für ältere Menschen wichtigen Facharztgruppen (Neurologen, Internisten, Psychotherapeuten oder Augenärzte):

  • pro 1.000 Einwohner
  • pro Einwohner über 60 bzw. 80 Jahre 

 

 

Auswahl an Handlungs­möglichkeiten

  • Zusammen mit der Analyse des ärztlichen Angebotes sollte eine Bedarfsanalyse durch eine Befragung älterer Menschen erfolgen, um evtl. Angebotslücken zu zeigen
  • Anschließend kann die Angebots- und Bedarfsanalyse im Rahmen von Workshops mit den örtlichen Akteuren (Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Ärzten und Apothekern) diskutiert und zielführende Maßnahmen in ein kommunales Versorgungskonzept übernommen werden
  • Schaffung attraktiver Bedingungen für junge Ärzte zwecks Ansiedlung in eher ländlichen Kommunen
  • Direktansprache künftiger Ärzte, besonders angehende Ärzte aus der eigenen Kommune
  • Medizinisches Versorgungszentrum initiieren

 

Medizinische Versorgungszentren

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen für eine fachübergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete. Durch die enge Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligten und eine gemeinsame Verständigung über Krankheitsverlauf, Behandlungsziele und Therapie bieten sie eine besondere medizinische Versorgungsqualität.

MVZ eignen sich für die Kooperation mit anderen Leistungserbringern, wie z. B. ambulanten Pflegediensten oder Therapeuten. So können u. a. Teilschritte der Versorgungskette miteinander verzahnt, Medikationen aufeinander abgestimmt und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Ein weiteres Ziel der MVZ ist es, jungen Ärzten die Chance zu geben, im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses in der ambulanten Versorgung tätig zu sein, ohne die ökonomischen Risiken einer eigenen Praxis tragen zu müssen. Damit soll ein Beitrag zur Schließung lokaler Versorgungslücken in Kommunen geleistet werden. Die Zulassung der MVZ erfolgt innerhalb der Grenzen der vertragsärztlichen Bedarfsplanung, ist also nur dann möglich, wenn in der Planungsregion keine Überversorgung gegeben ist.

Durch die gemeinsame Nutzung von Verwaltung, Medizintechnik und technischen Einrichtungen sowie durch Koordinierung und Konzentration der Behandlungen werden Wirtschaftlichkeitspotenziale erschlossen. Ein MVZ ermöglicht zudem eine Entlastung der Ärzte von nichtärztlichen Aufgaben, sodass u. a. mehr Zeit für die medizinische Arbeit und die Weiterqualifizierung bleibt.

 

Mehr zu diesem Thema: