Indikator 5.6 - Häusliches Pflegepotenzial

Zielbeschreibung

Der Indikator hilft einzuschätzen, inwieweit ältere Menschen in ihrer Wohnumgebung durch Angehörige gepflegt werden (können) und ob Hilfe durch institutionelle Pflegeeinrichtungen benötigt wird.

Eine überdurchschnittliche Nutzung ambulanter Leistungen kann auf ein unterdurchschnittliches häusliche Pflegepotenzial hindeuten. In diesem Fall muss dafür Sorge getragen werden, dass ausreichend ambulante Dienste vor Ort sind.

Ursachen für ein niedriges häusliches Pflegepotenzial können sein:

  • der Pflegebedürftige hat keine Angehörigen und keine wirksamen sozialen Netzwerke
  • Angehörige (Partner/in und/oder Kind/er) sind berufstätig
  • Angehörige leben weit entfernt vom Wohnort des zu Pflegenden
  • mangelnde Bereitschaft, Angehörige zu pflegen bzw. von Angehörigen gepflegt zu werden.

 

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen wird nach wie vor zu Hause versorgt und die Möglichkeiten dieser Unterstützungsleistungen hängen entscheidend von dem Haushaltsstatus des zu Pflegenden sowie den sozialen Netzwerken ab.

Ältere Frauen leben überwiegend in Einpersonenhaushalten und ältere Männer meist noch mit ihren Partnerinnen. Folglich ist der Bedarf an Unterstützungsleistungen bei älteren Frauen höher einzuschätzen als bei älteren Männern.

Pflegende nehmen oft soziale Isolation, gesundheitliche Schäden und finanzielle Einbußen in Kauf. Die Entlastung pflegender Angehöriger stellt daher einen wesentlichen Faktor bei der Entwicklung wirksamer Versorgungssysteme dar.

Nutzer, die überwiegend professionelle Pflegeleistungen in Anspruch nehmen sind

  • Pflegebedürftigen mit höherem Pflegegrad
  • alleinlebende Pflegebedürftige/Pflegebedürftige mit nicht ständig verfügbarer privater Hauptpflegeperson
  • Haushalte mit nicht privat kompensierbaren besonderen Bedarfslagen
  • Haushalte mit hohem Einkommen

 

Informationsquellen

  • Befragung ambulant versorgter älterer Menschen
  • Befragung der ambulanten Pflegedienste
  • Pflege- und Krankenkassen
  • Das Soko-Institut stellt seinen Kunden ein Erhebungstool zur Verfügung, das Beteiligten einen Überblick gibt, welche Angebote im Quartier vorhanden sind. Ähnliche Angebote anderer Institutionen waren uns zum Redaktionsschluss nicht bekannt.

 

Erhebungsinhalte und/oder Berechnung

Eigenerhebung

schriftliche Befragung:

  • Anzahl und Anteil der pflegenden Angehörigen in % (Frauen/Töchter)
  • Mehrfachbelastung durch Kinder oder Berufstätigkeit
  • Wohnnähe zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen
  • Pflegebereitschaft
  • Grenzen der Fähigkeiten und Belastbarkeit der Pflegenden

 

Erhebungshäufigkeit

einmalig, dann nach Bedarf

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten

  • Nach einer Befragung der Lebenslagen Pflegender sollten die Ergebnisse im Rahmen von Pflegekonferenzen oder Workshops diskutiert und zielführende Maßnahmen in ein kommunales Konzept zur Entlastung Pflegender übernommen werden.
  • dies könnte eine Förderung des Ausbaus von Tagespflegeangeboten zur Entlastung der Pflegepersonen oder die Entwicklung von flexiblen Modellen zur Gestaltung der Arbeitszeit für Pflegepersonen sein