Indikator 5.5 - Stationäre/teilstationäre Pflegeinfrastruktur

Zielbeschreibung

Dieser Bestandsindikator beschreibt die vorhandene stationäre Pflegeinfrastruktur in der Kommune und im Quartier. Im Abgleich mit Daten aus der Bevölkerungsprognose können Aussagen über den zukünftigen Bedarf getroffen und entsprechende Maßnahmen angeregt werden.

Bei Prognosen zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in der Kommune sollte darauf geachtet werden, in welchen Quartieren

  1. kurzfristig stationärer Pflegebedarf nicht gedeckt werden kann
  2. mittelfristig der stationärer Pflegebedarf zunehmen könnte
  3. und wo der stationärer Pflegebedarf bereits gedeckt ist bzw. ein Überangebot besteht.

Ursachen für lange Wartelisten bzw. hohe Leerstände sind zu untersuchen, um ein evtl. Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage entgegenzusteuern.

Sollte sich im Rahmen der Pflegeplanung herausstellen, dass zukünftig ein erhöhter stationärer Pflegebedarf vor Ort erforderlich wird, könnte dies auch zu einer höheren Nachfrage nach (qualifiziertem) Pflegepersonal führen. Daher sollten in der Kommune in Kooperation mit den Trägern entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Die Verweildauer in stationären Pflegeeinrichtungen ist in den letzten Jahren insgesamt gesunken, wobei es auch erhebliche regionale Unterschiede gibt. Da alte Menschen ohne Angehörige zum Sterben nicht mehr ins Heim möchten, aber auch nicht länger in der eigenen Wohnung versorgt werden können, sollten Konzepte der Sterbebegleitung und der Ausbau von Hospizen und palliativen Angeboten gefördert werden, die z. B. an eine stationäre Altenpflegeeinrichtung angegliedert sein können.

 

Informationsquellen

  • Landkreis/Kommune
  • örtliche freigemeinnützige, kommunale und private Anbieter
  • Im Wegweiser-Kommune finden sich für Kreise und kreisangehörige Städte einige - leider keine kleinräumlichen - Pflegedaten.
  • Statistische Landesämter
  • Das Soko-Institut stellt seinen Kunden ein Erhebungstool zur Verfügung, das Beteiligten einen Überblick gibt, welche Angebote im Quartier vorhanden sind. Ähnliche Angebote anderer Institutionen waren uns zum Redaktionsschluss nicht bekannt.

 

Erhebungsinhalte und/oder Berechnung

Eigenerhebung bis schriftliche Befragung stationärer Pflegeeinrichtungen

Bestandsdaten der stationären/teilstationären Pflegeeinrichtungen:

  • Art der Einrichtungen und Trägerschaft
  • Standort und Einzugsgebiet
  • Ermittlung des Leistungsangebotes nach

    - Kurzzeit-, Tagespflege- und Nachtpflegeplätzen

    - Dauerpflegeplätzen

  • Personalausstattung nach

    - Geschlecht

    - Beschäftigungsverhältnis

    - Qualifikation und Tätigkeitsbereich

  • Bewohnerstruktur nach

    - Alter und Geschlecht

    - Pflegegrad

    - Herkunft der Bewohner und Verweildauer

    Zusatzinfo:

    - Eintrittsalter in verschiedene Versorgungsformen

    - Auslastungsgrad: Anteil der tatsächlich belegten
      Pflegeplätze in ­einem festgelegten Zeitraum

    - räumliche, bauliche und technische Ausstattung

Berechnung

  • Dauerpflegeplätze pro 1.000 Einwohner ab 60 bzw. 80 Jahren
  • Kurzzeitpflegeplätze pro 1.000 Einwohner
  • Tagespflegeplätze pro 1.000 Einwohner
  • Plätze in Hospizen
  • Plätze in Palliativ-Einrichtungen

 

Erhebungshäufigkeit

zweijährlich

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten

  • Zusammen mit der Angebotsanalyse sollte eine Bedarfsanalyse durch eine Befragung erfolgen
  • Anschließend sollten Angebots- und Bedarfsanalyse im Rahmen von Pflegekonferenzen oder Workshops diskutiert und zielführende Maßnahmen in ein kommunales Pflegekonzept übernommen werden.
  • Bemessung anhand der Pflegevorausstatistik, ob der Bedarf an stationären Pflegeplätzen langfristig gedeckt werden kann
  • Förderung des Ausbaus von Hospizen bzw. Angliederung an bestehende stationäre Pflegeeinrichtungen