Indikator 5.2 - Pflegebedürftigkeit

Zielbeschreibung

Begutachtungsaufgabe der kommunalen Sozial-, Pflege- oder Seniorenplanung ist es, in Kooperation mit dem Kreis, den Vertretern der Wohlfahrtsverbände und anderen Akteure Pflegekonzepte zu entwickeln, mit denen eine ortsnahe Versorgung der pflegebedürftigen Menschen vor Ort kurz-, mittel- und langfristig sichergestellt werden kann.

Hierzu sind Informationen über die Entwicklung der Anzahl der Pflegebedürftigen und eventueller "Versorgungslücken" in der Pflege erforderlich. Im Wegweiser-Kommune können für Kreise und kreisfreie Städte Pflegeprognosen sehr einfach durch Eingabe des gewünschten Kommunennamens (hier Kreis Gütersloh) ermittelt werden. Diese sollten aber möglichst auch für kleinere Einheiten (Kommunen und Quartiere) errechnet werden.

Im nachfolgenden Beispiel für die Kommune X würde die Anzahl der über 90-Jährigen Pflegebedürftigen von 104 in 2017 bis zum Jahr 2030 auf 187 ansteigen und damit rund 80 % über dem Wert des Jahres 2017 liegen - unter der Voraussetzung, dass sich der Anteil der Pflegebedürftigen in dieser Altersklassen nicht verändert.

Für die anderen Altersklassen müssten die entsprechenden Daten aufgrund des niedrigeren Pflegerisikos noch ermittelt werden. Für dieses Berechnungsbeispiel gibt es aber eine Reihe von Unsicherheiten, wie z. B. unterschiedliche Pflegerisiken einzelner Quartiere, verändernde Pflegerisiken durch medizinischen Fortschritt oder sich verändernde Lebensgewohnheiten.

Pflegevorausstatistik - fiktives Beispiel für über 90-Jährige:

Im Jahr 2017 sind in Deutschland 58 % der über 90-Jährigen Männer und 75 % der Frauen dieser Altersgruppe pflegebedürftig. Die Anzahl der Pflegebedürftigen gleichen Alters beträgt zu diesem Zeitpunkt in der Kommune X rund 100 Frauen und 50 Männer. Die Bevölkerungsvorausberechnung für die Kommune X geht für das Jahr 2030 von 90 Männern und 170 Frauen aus, die über 90 Jahre alt sein werden. Damit ergibt sich für das Jahr 2030 folgende Berechnung der Pflegebedürftigen über 90 Jahre bei gleichem Pflegerisiko wie auf Bundesebene:

(90 x 0,58) + (180 x 0,75) = 187

(In Anlehnung an das Demografieportal des Bundes und der Länder)

 

Die Differenzierung nach Pflegegraden und deren Entwicklung (Zu- bzw. Abnahmen) geben zudem Aufschluss über pflegebedingte Kosten, die auf die betroffenen Personen und Kostenträger zukommen. Zudem sollte die Verteilung auf die klassischen Versorgungsformen (häusliche, ambulante, teil- und vollstationäre Pflege, betreutes Wohnen) analysiert werden.

 

Informationsquellen

  • Kommune
  • http://www.wegweiser-kommune.de/statistik/bevoelkerungsstruktur Hier rechts den Namen Ihrer Kommune eingeben und unter Pflegevorausberechnung die gewünschten Daten abrufen
  • MDK
  • Gesundheitsamt
  • Landkreis
  • Befragungen
  • Das Soko-Institut stellt seinen Kunden ein Erhebungstool zur Verfügung, das Beteiligten einen Überblick gibt, welche Angebote im Quartier vorhanden sind. Ähnliche Angebote anderer Institutionen waren uns zum Redaktionsschluss nicht bekannt.

Erhebungsinhalte und/oder Berechnung:

  • Pflegebedürftige / Gesamtbevölkerung x 100
  • Pflegebedürftige nach Altersklassen ab 60 Jahre / Gesamtbevölkerung x 100
  • Pflegebedürftige nach Geschlecht / Gesamtbevölkerung x 100
  • Pflegebedürftige / Pflegegrade x 100 (ambulante/stationäre Versorgung)

 

Kommunaler Aufwand für Hilfe zur Pflege (HzP)

  • absolute Entwicklung in € über die letzten 3-5 Jahre und Prognose
  • Anteil der HzP-Empfänger nach Quartieren
  • HzP-Verteilung nach Kostenarten (z. B. Aufwendungszuschüsse für Kurzzeit- oder Tagespflege, Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten etc.)

 

Erhebungshäufigkeit

jährlich

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten