Indikator 3.1 - Orts- und Stadtteilcharakteristik

Zielbeschreibung

Die Quartiers- oder Stadtteilcharakteristik mit Beschreibungen der Gebäudetypen, der Milieus oder der Altersstruktur der Gebäude ist ein Indikator, von dem sich auch die Lebenslagen der dort lebenden Menschen ableiten lassen.

Problemgebiete, Verdichtung spezieller Wohnformen, Bindungen an den Stadtteil (z. B. soziales Netz), Verfügbarkeit von Wohnraum verschiedener Preisklassen (soziale Durchmischung vs. Segregation) sind dabei wichtige Stichwörter.

Vorrangige Aufgabe der kommunalen Akteure (auch Wohnungsbaugesellschaften) sollte es bei diesem Thema sein, selbstständiges Wohnen für Ältere bedarfsgerecht zu gewährleisten.

Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Wohnraumplanung sind Informationen über die Wohnzufriedenheiten der Menschen in den Quartieren, was durch Befragungen ermittelt werden kann.

Definition Quartier: Unter Quartier versteht man einen begrenzten Lebensraum innerhalb der Kommune, der nicht nur in der Größe mit einer Art Dorf vergleichbar ist. Traditionell gilt das Quartier als ein sozialer Raum mit überdurchschnittlich hoher Interaktionsdichte, informellen Aktivitäten (Familien-, Nachbarschafts- und Vereinsleben) und Zusammengehörigkeitsgefühl.

 

Besonderheiten

Sozialer Austausch und gegenseitige Unterstützung im Wohnumfeld spielt für die Lebensqualität im Alter eine wichtige Rolle und kann hier gestaltet werden.

Nachbarschaftliche Beziehungen werden von der Quartierscharakteristik beeinflusst. Diese und stabile Familienstrukturen können evtl. Hilfe- und Pflegebedürftigkeit eher und länger abfedern als Quartiere mit höherem Anonymitätsgrad und Einpersonenhaushalten.

 

Informationsquellen

 

Erhebungsinhalte und/oder Berechnung

stichwortartige Beschreibung der einzelnen Stadtteile unter Berücksichtigung folgender Aspekte:

  • Bebauungsstruktur: z. B. Altstadtkern, Dorfmitte, Neubausiedlung, Siedlung der 60er-, 70er- oder 80er-Jahre, Ein- oder Mehrfamilienhaussiedlung, Hochhaussiedlung
  • Altersstruktur: „alternder Stadtteil“, generationengemischter Stadtteil“ usw.
  • Milieu: bürgerliches Milieu, Arbeiterviertel, Ausländerviertel usw.
  • problematische Topografie: z. B. Hanglage

 

Erhebungshäufigkeit

einmalig, dann alle 5 Jahre aktualisieren

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten

  • Analyse der aktuellen Wohnsituation für Ältere
  • gemeinsamer Workshop mit den Bewohner*Innen, Wohnungsbaugesellschaften und weiteren Akteuren, um Ziele und Maßnahmen zu entwickeln
  • Daten als Basis für weitere Informationsbeschaffung (zum Beispiel Seniorenbefragungen) nutzen
  • Ergänzend oder alternativ zu Workshops oder Befragungen können Quartiersbegehungen durchgeführt werden. Hier können Experten und die dort wohnenden Menschen Mängel und Barrieren aufgedecken.

    Die Teilnehmenden sollten bei einer Quartiersbegehung, auf folgende Punkte achten:

    • barrierefreie Zugänge im öffentlichen Raum (Bushaltestellen, öffentliche Einrichtungen)
    • Ruhebänke/Sitzgelegenheiten
    • Fußgängerüberquerungen zum Kreuzen von Verkehrswegen (z. B. Ampeln oder Zebrastreifen)
    • Fußgängerampeln mit angemessenen Ampelphasen
    • öffentliches Leben auf der Straße im Sinne von „Lebendigkeit“
  • Eine Möglichkeit im Quartier Ideen oder Defizite zu melden, ist die Errichtung von Anlaufstellen. Hier können Informationen, Meinungen und Verbesserungsvorschläge zusammengetragen werden. Meldungen können auch über das Internet oder Telefon erfolgen.

 

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