Indikator 1.6 - Einkommen, Sozialhilfe und Altersarmut

Zielbeschreibung

Dieser Indikator liefert Informationen über die Einkommenssituation der über 55-Jährigen und damit wichtige Hinweise über die finanziellen Möglichkeiten (z. B. auch Kaufkraft in Kommune oder Quartier) und Grenzen (steigende Altersarmut).

Besonderheiten:

Mit dem Renteneintritt ist meist ein sinkendes Einkommen verbunden. Gerade bei älteren Menschen bedeutet dies aber nicht automatisch Altersarmut, da häufig bedeutende Vermögenswerte (betriebliche oder private Rentenversicherungen, Lebensversicherungen, Sparvermögen oder Immobilien) vorhanden sind, die aber nicht automatisch Schuldenfreiheit bedeuten.

Einkommen und Wohlstand unterscheiden sich regional, kommunal und meist auch zwischen den einzelnen Quartieren einer Kommune. Ebenso auch immer noch zwischen den Geschlechtern, was sich auch auf das Armutsrisiko im Alter auswirkt. Auch können sich die Lebenshaltungskosten (z. B. Mietkosten) regional, kommunal und auch zwischen den Quartieren erheblich unterscheiden.

Ökonomische Problemlösungsmöglichkeiten (z. B. Minijob, Erbschaften) nehmen mit zunehmendem Alter ab und gesundheitliche Veränderungen können zu steigenden Lebenshaltungskosten (z. B. Hilfe zur Pflege, Wohnungsumbau, Dienstleistungen im Haushalt) führen.

Bei der Erarbeitung kommunaler Ziele und Handlungsmöglichkeiten sollten auch folgende Risikofaktoren für Altersarmut betrachtet werden:

  • unterbrochene Erwerbsbiografien
  • Alleinlebende
  • niedriges Einkommen
  • Migrationshintergrund
  • Geringqualifizierte
  • Nicht erwerbstätige Frauen
  • Gesundheitliche Beeinträchtigung (Krankheit, Unfälle, Sucht)
  • (Ex)Selbständige ohne finanzielle Absicherung


    Sozialhilfe

    Sozialhilfe in Deutschland ist eine öffentlich rechtliche Sozialleistung, die im System der sozialen Sicherheit die Funktion des untersten Auffangnetzes erfüllt. Aus dem im Grundsatz garantierten Sozialstaatsprinzip ergibt sich die Verpflichtung des Staates, einen Mindeststandard des menschenwürdigen Daseins sicherzustellen (Deckung des Grundbedarfs: Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Hausrat usw.).

    Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

    Hilfebedürftige Personen, die die Altersgrenze erreicht haben oder wegen einer bestehenden Erwerbsminderung auf Dauer ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Erwerbstätigkeit bestreiten können, haben Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Anträge sind bei der zuständigen kommunalen Behörde zu stellen.

    2017 bezogen 1.059.000 Menschen ab 18 Jahren Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Hiervon waren etwas mehr als Hälfte über 65 Jahre.

     

    Altersarmut

    Immer mehr Menschen haben keine Wohnung, steigende Mietpreise, zunehmende Gentrifizierung meist in den größeren Städten, steigende Nachfrage nach Tafelangeboten und auch sehr stark steigende private Überschuldung älterer Menschen gehen mit der zunehmenden Altersarmutsquoten einher.

 

Informationsquellen

 

Auswahl an Handlungsmöglichkeiten

  • Analyse der ökonomischen Situation älterer Menschen möglichst nach Quartieren (z. B. durch Seniorenbefragung)
  • Kommunaler Vernetzungsworkshop, durch den kommunale Angebote vernetzt, koordiniert und evtl. neu realisiert werden
  • Beratung zu Grundsicherungsansprüchen, Schulden, Tafelangebote, Gesundheitsförderung
  • Vergünstigungen (z. B. für Bildungs-, Gesundheits-, Kultur-, Sport- oder Freizeitangebote, ÖPNV)
  • Barrierefreier, hochwertiger Wohnraum auch für ärmere Menschen
  • Schaffung einer lebenswerten Wohnumgebung auch in ökonomisch schwachen Quartieren
  • Isolation der älteren Menschen durchbrechen: Unterstützung von Selbsthilfestrukturen (Nachbarschaftstreffs, Ehrenamt, Vereine)
  • Engagementförderung für Ärmere, aber auch durch Ärmere
  • Seniorengenossenschaften
  • (betriebliche) Gesundheitsförderung und lebenslanges Lernen ermöglicht längeres Arbeiten und höhere Rentenansprüche

 

Mehr zum Thema

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Forschungsbericht - Alterssicherung in Deutschland (2019): Bericht als PDF