III. Sozialplanung für Senioren – Anleitung

Eine allgemeingültige und zugleich umfassende „Gebrauchsanweisung“ für die Sozialplanung für Senioren kann es nicht geben; vielmehr entscheiden die Kommunen zum einen über die Auswahl der Themenfelder, die sie bearbeiten wollen, und zum anderen über die Indikatoren, die zu deren Analyse herangezogen werden sollen. Grundsätzlich sollte von konkreten Gegebenheiten, drängenden Fragestellungen bzw. spezifischen Planungsbedürfnissen ausgegangen werden – wie beispielsweise ein Maler aus einem Set von Pinseln diejenigen aussucht, die er für eine bestimmte Arbeit benötigt. Exemplarische Hinweise zum Umgang mit dem Instrument sind gleichwohl möglich:

  • Soll die Altersthematik in ihren kommunalen Auswirkungen von Grund auf neu erfasst werden, empfiehlt es sich, möglichst viele Indikatoren zu erarbeiten.
  • Liegen zu einem Einzelthema, etwa „Wohnstruktur“, bereits Daten in geeigneter Aufbereitung vor, die Planungen zugrunde gelegt werden können, erscheinen aber aus dem Planungskontext heraus noch Informationen zur konkreten Ausstattung der Wohnungen not-wendig, sollten aus dem Basis- und dem Erweiterungstableau relevante Indikatoren ausgewählt werden, z. B. der Indikator 3.8 „Wohnstandard und Barrierefreiheit“.

So und auf ähnliche Weise ist die Sozialplanung für Senioren nach Maßgabe der jeweiligen kommunalen Planungsanforderungen modular zu nutzen, indem die Themenfelder und Indikatoren nach den darauf abgestimmten Prioritäten zusammengestellt werden. Dies hängt vom Stand der Planung ebenso ab wie von inhaltlichen Gewichtungen, die allein Sache kommunaler Entscheidung sind und auf die mit dieser Planungshilfe kein Einfluss genommen werden soll. Allein die sorgfältige und umfassende Untersuchung der demografischen und sozial-strukturellen Situation (Themenfeld 1) ist als grundsätzlich erforderlich anzusehen und daher unverzichtbar!

Die Sozialplanung für Senioren unterscheidet nach dem Gesichtspunkt des Aufwandes, der mit ihrer Beschaffung verbunden ist, sowie ihrer spezifischen Aussagefähigkeit drei Arten von Datenquellen, aus denen in der kommunalen Planung geschöpft werden kann:

  • An erster Stelle sind diejenigen Datenbestände zu nennen, die in einer Kommune selbst vorliegen, hier mit gewisser Regelmäßigkeit erhoben werden und aus dem Grund die aktuelle Lage am besten wiedergeben. Damit sind nicht bloß die Daten gemeint, die in der Kommunalverwaltung, z. B. beim Einwohnermelde- oder Gesundheitsamt, zur Verfügung stehen (handelt es sich um kreisangehörige Kommunen, ggf. bei betreffenden Ämtern der Kreisverwaltung). Auch andere Institutionen in den Kommunen können über umfangreiche Datensammlungen mit Bezug zu kommunalen Planungsthemen verfügen, wie Agenturen für Arbeit, Krankenkassen, Parteien, Verbände, Vereine, Volkshochschulen, Kirchengemeinden, Selbsthilfegruppen u. Ä. Hierbei ist anzumerken, dass diese Aufzählung nicht vollständig ist und die genannten Institutionen nicht in jedem Fall in einer Kommune existieren. Folglich kommt es darauf an, die Möglichkeiten geschickt zu nutzen, welche die örtliche Infrastruktur bietet. Generell ist es sinnvoll, sich in der Planung vorrangig auf solche kommunalen Datenquellen zu stützen, da ihr Aussagewert für das Planungsgebiet – Aktualität und solide Datenerfassung vorausgesetzt – am höchsten ist und sie bei hinlänglich gepflegten Kooperationsbeziehungen mit der Kommune auch relativ leicht zugänglich sein dürften.
  • Findet sich zu einem Indikator in einer Kommune kein geeignetes Datenmaterial, müssen die benötigten Informationen anderweitig beschafft werden: Hierzu sind zunächst sekundäre Datenquellen darauf zu prüfen, ob sie sich in Bezug auf die kommunalen Besonderheiten interpretieren bzw. sich aus ihnen Erkenntnisse ableiten lassen, die für die Planung wesentlich sind. Solche sekundären Quellen können überregionale Vergleichsstudien, Datensätze aus anderen Kommunen, wissenschaftliche Berichte und dergleichen sein, auf die die Sozialplanung für Senioren direkt hinweist. Dabei werden möglichst aktuelle Veröffentlichungen angeführt, die repräsentativ sind, oder aber ältere, die in ihren Aussagen weiterhin Gültigkeit haben. Dieses Material ist im Internet frei zugänglich und mittels der angegebenen Links abzurufen. Die Quelldokumente werden in der Sozialplanung für Senioren ebenfalls benannt, um Zugriff auf weitere Informationen zu ermöglichen. So praktisch das Internet für die einfache und schnelle Recherche ist, muss jedoch berücksichtigt werden, dass dieses Medium permanenter Veränderung unterliegt und darum nicht gewährleistet ist, dass die einzelnen Datenquellen dauerhaft online zugänglich sind. Problematisch ist die Nutzung sekundärer Datenquellen für kommunale Planung in dem Maße, wie die Ausgangsbedingungen voneinander abweichen, was darum immer vorab festgestellt werden muss, bevor Rückschlüsse auf die eigene Kommune gezogen werden. Grundsätzlich ist die Beschäftigung mit Daten aus sekundären Quellen jedoch sinnvoll, da sie den Kontext erhellt, in dem ein Indikator steht.
  • Erst wenn sich sekundäre Datenquellen für Fragen kommunaler Planung nicht verwerten lassen, kommt eine eigene Erhebung in Betracht, die freilich immer mit hohem organisatorischem, personellem und zeitlichem sowie finanziellem Aufwand verbunden ist. Um diesen nach Möglichkeit zu vermeiden, hält die Sozialplanung für Senioren die Zahl der Indikatoren, die so eine Erhebung notwendig machen, gering. Als Erhebungsmethode empfiehlt sich eine schriftliche Befragung. Aufwändig ist hierbei besonders die Entwicklung eines Fragebogens; um dies zu erleichtern, bietet die Sozialplanung für Senioren zu den fraglichen Indikatoren konkrete Fragestellungen an. Außerdem befindet sich im Anhang des Handbuchs eine Fragebogensammlung mit vorformulierten Fragen zu den

    meisten Indikatoren (siehe hierzu das Handbuch).

Was ist zu beachten?

Die Zusammenstellung, Auswertung und Interpretation der Planungsdaten erfordern in mancherlei Hinsicht große Sorgfalt. Auswertungsprobleme und daraus folgende Fehleinschätzungen sind indessen vermeidbar, wenn nachstehende Hinweise beachtet werden:

Kleinräumigkeit: Bedarfsorientierung ist gleichbedeutend mit Planungsgenauigkeit, die von einer kleinräumigen Differenzierung der Datenanalyse abhängig ist. Kleinräumigkeit ist jedoch kein eindeutiger Begriff, vielmehr sind damit je nach Gegenstand ganz unterschiedliche Anforderungen verknüpft: Geht es beim Themenfeld „Wohnen und Lebensführung“ um die Infrastruktur des täglichen Bedarfs (Lebensmittelgeschäfte, Ärzte, Apotheken u. Ä.), kann ein Stadtteil als Bezugsgröße von Planung unter Umständen eine zu große Einheit darstellen, wenn die genannten Infrastruktureinrichtungen nicht in die Wohngebiete integriert sind, sondern nur über längere Distanzen erreicht werden können. Ob die Stadtteilebene einen ausreichenden Differenzierungsgrad gewährleistet, kann darum nur nach der konkreten Situation in einer Kommune beurteilt werden – danach z. B., ob es innerhalb eines Stadtteils gewisse Konzentrationen von Menschen mit spezifischen Bedarfslagen gibt, die es sinnvoll erscheinen lassen, Planungen speziell auf einzelne Wohnquartiere auszurichten. In diesem Fall hieße Kleinräumigkeit auch für die Indikatoren zur soziodemografischen Struktur (Themenfeld 1), in der Untersuchung zumindest einzelner Stadtteile zwischen den Wohnquartieren zu unterscheiden.

Was Themenfelder wie „Bildung und Kultur“ oder „Gesundheit und Pflege“ angeht, kann es sich hingegen – gerade wenn es sich um kleinere Kommunen handelt – anbieten, bei der Zusammenstellung von Daten zu den verschiedenen Indikatoren über die kommunalen Grenzen hinauszuschauen, um entscheiden zu können, ob tatsächlich von einem Defizit gesprochen werden kann, wenn bestimmte Kultur-, Bildungs- oder Gesundheitsprogramme in der Kommune nicht unterhalten werden.

Einheitliche Gebietsgrenzen: Daten aus unterschiedlichen Quellen bzw. zu unterschiedlichen, aber zusammenhängenden Themen bzw. Indikatoren lassen sich sinnvoll nur miteinander in Beziehung setzen, wenn sie auf einheitlichen Gebietsgrenzen beruhen – was trotz einheitlicher Benennung nicht unbedingt der Fall ist: So sind z. B. kommunale Grenzen und die Grenzen von Kirchenkreisen häufig nicht identisch, reichen Letztere über die Grenzen einer Kommune hinaus oder gehören Kommunen innerhalb eines Kreises verschiedenen Kirchenkreisen an. Bevor daher Bezüge zwischen den Daten hergestellt werden, muss sichergestellt sein, dass ihnen dieselbe räumliche Einheit zugrunde liegt.

Einheitliche Kategorien bei Merkmalsausprägungen: Vergleichbarkeit von Daten setzt voraus, dass soziodemografische Klassifizierungen wie Altersklassen, Haushaltstypen, Differenzierung nach Staatsangehörigkeiten usw. für die jeweiligen Indikatoren übereinstimmen; dasselbe gilt für die Stichtage der Erhebungen. Besteht in diesen Punkten keine Einheitlichkeit der Datensätze, lassen sich immerhin Aussagen von tendenzieller Gültigkeit treffen, die umso größer ist, je weniger die Datensätze voneinander abweichen. Planungsüberlegungen können so gestützt werden, sollten aber nicht ausschließlich auf solche empirisch unzureichend gesicherten Analyseergebnisse gegründet werden.

Relative und absolute Zahlenwerte: Um einen Sachverhalt in Zahlen angemessen zu beschreiben, muss überlegt werden, ob deren absolute oder relative (Prozent-)Werte aussagekräftiger sind: So sagt die Anzahl 60-jähriger und älterer Menschen in einem Stadtteil für sich genommen nichts über die Altersstruktur aus, die erst erhellt, wenn diese Zahl auf die Gesamtbevölkerung in diesem Gebiet bezogen wird und sich ergibt, dass der Anteil der betreffenden Altersgruppe hier unter oder über dem städtischen Durchschnittswert liegt oder ihm in etwa entspricht. Für konkrete Planungen, die mit der Bezifferung von erforderlichen Kapazitäten verbunden sind, ist es dagegen nicht hilfreich zu wissen, welchen Anteil die Zielgruppe an einer bestimmten Kohorte in einem Stadtteil hat, sondern es muss bestimmt werden, wie groß sie faktisch ist.

Aktualisierung und Fortschreibung der Daten: Planung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender bzw. in gewissen Intervallen sich wiederholender Prozess, in dem früher getroffene Annahmen und die daraus gezogenen Konsequenzen anhand der Entwicklung, wie sie dann stattgefunden hat, überprüft, angepasst und weiterentwickelt werden. Dazu werden aktualisierte Daten benötigt. In welchen Zeiträumen diese Aktualisierungen anfallen, ist jeweils durch den ursprünglichen Planungshorizont definiert: Wenn Planungen vor einem Zeithorizont von fünf Jahren erfolgen, müssen die zugrunde liegenden Daten im Prinzip nicht früher aktualisiert werden – es sei denn, noch während dieser Phase wird deutlich, dass angestrebte Effekte nicht erreicht werden. (Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Rahmenbedingungen in einer Kommune kurzfristig und unvorhersehbar so grundlegend verändern, dass die Ausgangsdaten in Frage gestellt sind.) Ansonsten ist es richtig, gegen Ende der Periode, auf die sich die Planung bezogen hat, festzustellen, in welchem Umfang vorgesehene Maßnahmen realisiert werden konnten und zum Ziel geführt haben. In diesem Zusammenhang ist die Datenbasis zu aktualisieren, um ggf. auch ermessen zu können, inwieweit Bedarfslagen bestehen geblieben sind, sich verändert haben bzw. neu hinzugekommen sind. (Bei jedem Indikator werden Empfehlungen zur Erhebungshäufigkeit gegeben.)

Datenschutz: Generell müssen Daten so behandelt werden, dass sie keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zulassen. Bei großen Datenmengen wird dieses Problem kaum auftreten; wohl aber, wenn Analysen im Interesse bedarfsorientierter Planung sehr kleinräumig angestellt werden. Insbesondere bei eigenen Erhebungen in den Kommunen ist die Frage des Datenschutzes zu bedenken.