II. Sozialplanung für Senioren – eine Planungshilfe

Die Sozialplanung für Senioren ist eine thematisch gegliederte Aufstellung von Indikatoren zur Beschreibung von Lebens- und Bedarfslagen. Außerdem werden Hinweise zum Aussagegehalt der einzelnen Indikatoren und zur Beschaffung der jeweiligen Daten gegeben. Bei den Indikatoren war neben ihrer Relevanz die Zugänglichkeit der benötigten Daten ein wichtiges Kriterium. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann und soll nicht erhoben werden. Aufbau und Handhabung des Instrumentariums werden im Folgenden in ihren Einzelheiten erläutert.

Die Struktur

Die Sozialplanung für Senioren umfasst zwei Teile, das Instrument und ein dazugehöriges Handbuch.

Das Instrument beschreibt sehr kurz die einzelnen Indikatoren und das Handbuch ergänzt das Instrument mit einem umfangreichen Glossar. Es enthält erklärende Kommentare zu den einzelnen Indikatoren und Themenfeldern sowie den zwischen ihnen bestehenden Zusammenhängen. Außerdem soll es im Bedarfsfall Hintergrundinformationen beisteuern können. Im Anhang finden sich Fragenbogenelemente zu allen Indikatoren als Hilfestellung bei geplanten Eigenerhebungen.

Die Systematik

Zu jedem Themenfeld finden sich sechs bis zehn Indikatoren, die nach einem einheitlichen Schema vorgestellt werden:

  • Nach der Benennung des Indikators folgt unter dem Titel „Zielbeschreibung“ eine Einordnung in den Planungskontext: Es soll deutlich werden, welcher Sachverhalt bezeichnet wird und worin seine Relevanz liegt. Zu diesem Zweck wird teilweise ein Bezug zu Vergleichsdaten, die beispielsweise in wissenschaftlichen Studien erhoben worden sind, und daraus abgeleiteten Erkenntnissen hergestellt.
  • Sodann wird auf die „Informationsquellen“ hingewiesen, aus denen die benötigten Daten bzw. Informationen zu beziehen sind. Hierbei stehen diejenigen Datenbestände im Vordergrund, die in den Kommunen selbst vorhanden, also am leichtesten zugänglich sind und häufig die kommunale Wirklichkeit am genauesten abbilden. Soweit Sekundärquellen herangezogen werden müssen, sind diese zumeist über das Internet zu erschließen; die betreffenden Links sind angegeben. Liegen für den Indikator keinerlei Daten vor, die für die kommunale Situation aussagekräftig sind, und muss daher auf Referenzdaten aus wissenschaftlichen oder anderen Erhebungszusammenhängen zurückgegriffen werden, werden nach Möglichkeit Empfehlungen gegeben, wie diese interpretiert werden sollten.
  • Mit „Einheit“ wird kurz und knapp aufgeführt, in welcher Form Daten zu hinterlegen sind, so z. B. als absolute Zahl oder als Prozentwert.
  • Mit „Erhebungsinhalte und/oder Berechnung“ sind die konkreten Informationen bezeichnet, die aus dem gesammelten Datenmaterial zu dem jeweiligen Indikator gewonnen werden sollen. Darüber hinaus sind an dieser Stelle ggf. Berechnungshinweise zu finden sowie eine Übersicht über jene Fragen bzw. Inhalte, die in einer Eigenerhebung berücksichtigt werden müssten.
  • Unter Kennzahlen sind die wesentlichen überregionalen oder allgemeingültigen Vergleichswerte zu einem Indikator aufgeführt, die den Verantwortlichen zur Orientierung bzw. besseren Einordnung des für ihre Kommune ermittelten Wertes dienen sollen.
  • Im Anschluss sind unter Erhebungshäufigkeit Empfehlungen benannt, wie regelmäßig ein Indikator erhoben werden sollte, um sich auf eine aktuelle Datenbasis stützen zu können.
  • Der letzte Unterpunkt bietet – wenn sinnvoll – eine Auswahl an Handlungsmöglichkeiten, die als Basis für die Kreativität der Verantwortlichen in den Kommunen dienen kann. Für weitergehende vertiefende Informationen ist der Indikator an dieser Stelle außerdem mit der entsprechenden Seitenzahl im Handbuch verlinkt. Dort sind z. B. weitere Informationen zu finden, wie der Sachverhalt, auf den ein Indikator verweist, mit anderen Indikatoren in Wechselwirkung steht. Diese Information soll helfen, den Ort eines Indikators im gesamten Planungsgefüge zu verdeutlichen, zumal er im Einzelfall erst aus diesen Querverbindungen heraus verständlich wird. Zu den meisten Indikatoren gibt es Verweise auf weitere Untersuchungen, Erfahrungsberichte und sonstige Quellen, die zusätzliches planungsrelevantes Wissen vermitteln können – z. B. über Lebenslagen spezifischer Zielgruppen wie älter werdender Menschen nicht-deutscher Herkunft, mit Behinderung o. Ä.

Die Unterstützungsfunktion

Mitarbeiter kommunaler Verwaltungen sollen in die Lage versetzt werden,

  • ohne ausgewiesenes sozialgerontologisches Fachwissen und spezielle Kenntnisse statistischer Verfahren selbstständig Daten zu sammeln, die für demografie-induzierte Planungen benötigt werden
  • diese Daten aufzubereiten, zu interpretieren und daraus für die kommunale Planung relevante Schlüsse zu ziehen
  • Planungen selbstständig fortzuschreiben

Vornehmlich mittlere und kleine Kommunen, die nicht die personellen und finanziellen Ressourcen wie Großstädte oder große Kreise haben, um das Thema „demografischer Wandel“ in institutionalisierten Planungsprozessen von hierfür qualifizierten Mitarbeitern bearbeiten zu lassen, werden mithilfe der Sozialplanung für Senioren eine solide und transparente Entscheidungsgrundlage für die kommunale Politik schaffen können.

Bestimmte organisatorische Voraussetzungen müssen dazu jedoch auch hier gegeben sein, die für dieses Planungsvorhaben unerlässlich ist.

  • Es muss sich nicht zwangsläufig eine Person permanent und ausschließlich alle erforderlichen Daten selbst beschaffen.
  • Die Gesamtverantwortung für den Prozess liegt aber in der Hand einer Person, d. h. die verbindliche Initiierung der notwendigen Arbeitsteilung, Steuerung der Kooperation sowie Organisation des wechselseitigen Informationsflusses.
  • Eine weitere Aufgabe ist die selbstständige Auswertung der bei ihr eingehenden Daten.
  • Die Interpretation der Analyseergebnisse im Hinblick auf Handlungsoptionen, die zur politischen Entscheidung gestellt werden können, sollte dagegen u. U. besser in einem ämter- bzw. fach- und ggf. auch behördenübergreifenden Team erfolgen; so würde aus unterschiedlichen Perspektiven ein Blick auf die Fakten geworfen, bevor diese in einer politischen Diskussion bewertet werden.

Die Sozialplanung für Senioren ist im eigentlichen Sinne als Instrument zu begreifen, das nicht selbstständig eindeutige Ergebnisse hervorbringt, sondern in seiner Anwendung zu Erkenntnissen führt, aus denen Schlussfolgerungen gezogen werden müssen, die nicht nur im Allgemeinen unterschiedlich, sondern womöglich sogar gegensätzlich ausfallen werden. Einem technokratischen Planungsverständnis gibt die Sozialplanung für Senioren also keine Grundlage!

Dies soll an folgendem plakativen Beispiel verdeutlicht werden: In einem Vorort einer kleineren kreisangehörigen Gemeinde trennt eine verkehrsreiche Straße ein Wohngebiet mit hohem Anteil älterer Menschen von den einzigen fußläufig zu erreichenden Einzelhandelsgeschäften. Ob die Sicherheit der Fußgänger zum kommunalpolitischen Thema wird, nachdem hier zwei, fünf oder zehn Personen bei Unfällen zu Tode gekommen sind, folgt nicht aus den Daten zur Altersstruktur der Menschen in diesem Wohngebiet bzw. zur Verkehrsdichte und zur Unfallhäufigkeit auf der fraglichen Straße, und schon gar nicht, welche Maßnahmen ggf. getroffen werden, um eine sichere Überquerung zu gewährleisten. Bei solchen Angelegenheiten geht es nicht um die Frage der Festsetzung von „Grenzwerten“, sondern um die notwendige Verständigung darüber, was in einer Gemeinschaft in welchem Ausmaß als problematisch angesehen wird – und das ist, wie schon die Wortwahl signalisiert, ein kommunikativer Prozess, der unmöglich entfallen kann.