Indikatoren 3.7 - Innerstädtische Mobilität

Die Lebensqualität wird wesentlich durch die Mobilität mitbestimmt, steht sie doch gleichzeitig für Selbstbestimmung, Unabhängigkeit sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Daher ist es wichtig, in den Kommunen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es auch Senioren erlauben, sowohl im nahen Wohnumfeld als auch darüber hinaus so lange wie möglich mobil zu bleiben. Das Ziel dieses Indikators ist es deshalb, alle Fortbewegungsmöglichkeiten von Senioren (u. a. zu Fuß, per Fahrrad, im Pkw, mit dem ÖPNV) näher zu betrachten, um aus den Ergebnissen ableiten zu können, ob für sie im Alter eine individuelle Mobilität vor Ort gewährleistet ist oder ob mobilitätsfördernde Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Mit zunehmendem Alter verbringen Senioren ihre Zeit allerdings vermehrt in der Wohnung. Daher ist es umso wichtiger, durch die Förderung von seniorengerechten Fortbewegungsmöglichkeiten, dieser Tendenz entgegenzuwirken. Es ist anzunehmen, dass im Alter die kurze draußen verbrachte Zeit wichtiger wird, gerade weil der in der Wohnung verbrachte Zeitumfang steigt und andere Aktivitäten abnehmen.

Auswirkungen auf die Mobilität:

  • Bewegungsfähigkeit, Seh- und Hörvermögen, kognitive Fähigkeiten der Person
  • persönliche Motive und Interessen bezüglich der Fortbewegung
  • finanzielle Ausstattung der Person
  • geografische Bedingungen wie Klima, Topografie, Siedlungsstrukturen
  • vorhandene Infrastruktur wie die örtliche Nahversorgung und die Zentralisierung öffentlicher Einrichtungen und Dienstleistungen
  • soziale Ressourcen, z. B. auch die Möglichkeit, mitgenommen zu werden

bis Senioren wollen mobil bleiben, um vor allem ihren Freizeitaktivitäten nachgehen und ihre Einkäufe erledigen zu können. Aber auch die Erledigung privater Angelegenheiten ist Grund vieler älterer Menschen, ihre Mobilität zu bewahren.

bis Die meisten Senioren (65 Jahre und älter) bewegen sich mit dem Pkw fort, sei es als Fahrer oder als Mitfahrer. Am zweitwichtigsten ist die Mobilität zu Fuß, gefolgt von der Nutzung des ÖPNV und dem Fahrrad. Diese Werte verdeutlichen die Wichtigkeit der Verkehrssicherheit für Fußgänger im kommunalen Alltag.

Infrastruktur im Wohnumfeld und Barrierefreiheit

Da die physischen Ressourcen im Alter tendenziell abnehmen, kommt der Infrastruktur und der Barrierefreiheit im Wohnumfeld besondere Bedeutung zu. Dabei ist zu beachten, dass Barrierefreiheit nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Familien und Menschen mit Behinderung Voraussetzung für eine selbstständige Gestaltung des täglichen Lebens ist. Bei zunehmendem Unterstützungsbedarf nimmt die Bedeutung von Fahr- und Bringdiensten zu, vor allem dann, wenn familiäre Netzwerke fehlen oder nur bedingt nutzbar sind.

Topografie

In Zusammenhang mit der Mobilität alter Menschen ist neben der Infrastruktur die Topografie, d. h. die geografische Lage der Kommune, zu berücksichtigen: Wichtige Faktoren sind, ob das Wohnquartier bzw. der Ort insgesamt im Flachland oder in einer Hügel-/Berglandschaft liegt, sich lang gestreckt im Tal oder oben auf einem Berg befindet oder ob er von einem Fluss oder anderen großen Verkehrswegen (Autobahn, Kanal, Schienen usw.) durchschnitten wird. Bei der Einschätzung der Situation ist insbesondere darauf zu achten, ob beim Erreichen wichtiger infrastruktureller Einrichtungen zu Fuß, mit dem Rad, dem Bus oder dem Auto diesbezüglich viele Hindernisse zu bewältigen sind.

bis Im Alter werden 44 % aller Wege in der näheren Wohnumgebung zurückgelegt (bis 1 km Entfernung) und ca. 25 % in der weiteren Umgebung (bis 3 km). Die Hälfte aller dieser Wegstrecken wird zu Fuß bewältigt.

Automobilgestützter Individualverkehr

Durch den wachsenden Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung bei gleichzeitiger Zunahme der Führerscheinbesitzer unter ihnen wird das Thema „Automobilgestützter Individualverkehr“ weiter an Relevanz gewinnen.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Bedeutung eines eigenen Pkw zu, da dieser bei der Bewältigung alltagspraktischer Anforderungen vieles vereinfacht. Für die Lebensgestaltung von Senioren kann der eigene Pkw somit bedeutsamer sein als bei jüngeren Menschen, da ein Verzicht deutliche Einschränkung der eigenen Lebenssituation bedeuten würde. Die Abhängigkeit vom Pkw ist umso größer, wenn alternative Fortbewegungsmöglichkeiten wenig attraktiv sind.

Die Reaktionsfähigkeit kann beim Fahren im Alter nachlassen, außerdem können verstärkt Einschränkungen der Sinneswahrnehmungen (z. B. beim Gehör und den Augen) auftreten. Trotzdem stellt das Autofahren im (hohen) Alter offenbar keine größere Gefahr dar, wie die geringen Anteile der Unfälle mit Beteiligung älterer Fahrer belegen.

Um eine bedürfnisgerechtere Mobilität älterer Autofahrer zu gewährleisten, gelten folgende Empfehlungen:

  • Partizipation und Nutzung der Kompetenz Älterer bei der Verkehrs- und Stadtplanung
  • Anpassung der Verkehrswege an die Belange Älterer, z. B. breitere Parkplätze
  • Anpassung von Verkehrsregelungen und Fahrgeschwindigkeiten an die Möglichkeiten Älterer (z. B. Länge der Ampelphasen)
  • Aufklärung und Unterstützung Älterer in ihrer Rolle als Verkehrsteilnehmer (z. B. Umgang mit veränderten Anforderungen durch höheres Verkehrsaufkommen und Verkehrsregeln, Test zur Reaktionsfähigkeit)

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

Kommunales Ziel sollte sein, die Attraktivität des ÖPNV als umwelt-, stadt- und sozialverträglichem Verkehr gegenüber dem automobilgestützten Individualverkehr zu steigern. In diesem Zusammenhang muss aber Folgendes bedacht werden:

Der Bevölkerungsrückgang mit der damit zusammenhängenden geringeren Einwohnerdichte führt z. B. auch zu einer spürbaren Verringerung der Verkehrsprobleme, da weniger Autos unterwegs sein werden. Außerdem kann es im Bereich des ÖPNV zu einer starken Minderauslastung führen, sodass einige Verbindungen unrentabel werden und stillgelegt werden müssen. Insgesamt hat der Anteil des ÖPNV gegenüber dem motorisierten Individualverkehr am gesamten Verkehr abgenommen. Neben steigenden Betriebskosten für den vorhandenen Fuhrpark und den Erhalt von Straßen (Umlage Straßenunterhaltung, Reinigung, Winterdienst) ist daher insbesondere die Netz- und Fahrplananpassung ein kommunales Thema.

bis Der ÖPNV wird aber aufgrund der zunehmenden Alterung einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätssicherung leisten müssen. Mit steigendem Alter und zunehmender Beeinträchtigung der körperlichen Mobilität wird es immer wichtiger, mithilfe technischer Unterstützung (Rollator, Rollstuhl) alltägliche Wege zu ermöglichen und eine altersgerechte Gestaltung des Verkehrsgeschehens zu gewährleisten. Der Beitrag des ÖPNV besteht nun darin, dass Senioren – im Rahmen vorgegebener Fahrpläne und unter der Voraussetzung der Erreichbarkeit der Haltestellen – ohne Abhängigkeit von anderen Personen mobil bleiben können.

Auf Dauer werden nur integrierte Verkehrsangebote, die den Anspruch an Flexibilität und Individualität erfüllen, dazu beitragen, ältere Bürger am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Um dies zu erreichen, sollten folgende Kriterien bedacht werden:

  • eine gute Vernetzung einzelner Linien bzw. unterschiedlicher Anbieter
  • regelmäßige Anbindungen im Takt
  • ein leicht verständliches Fahrkartensytem, z. B. eine Fahrkarte, die über mehrere Regionen bei z. T. unterschiedlichen Anbietern gültig ist
  • verständliche, leicht bedienbare Fahrkartenautomaten
  • gut lesbare Fahrpläne an den Haltestellen

Sollte eine Verbindung mangels fehlender Rentabilität aufgegeben werden, sind insbesondere auch die Bedürfnisse von Senioren zu berücksichtigen, wenn alternative Ersatzmaßnahmen organisiert werden müssen (z. B. Einrichtung von Bürgerbussen).

bis die Bushaltestellendichte im städtischen Bereich sollte 300 bis 500 m betragen. Im ländlichen Raum, der dünner besiedelt ist, sind Entfernungen von 800 m in Kauf zu nehmen.

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