Im Hinblick auf Wohnalternativen zum privaten Wohnen für ältere Menschen liegen derzeit kaum verbindliche Informationen über Anzahl und Umfang existierender Angebote vor. Von daher ist alles, was zur Transparenz von Angeboten im Bereich unterschiedlicher Wohnmöglichkeiten beiträgt, für Planungsprozesse von Bedeutung. So kann man z. B. erfahren, inwieweit die Wohnungsgesellschaften oder die Bürger selbst bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnqualität für ältere Menschen ergriffen haben. Folgende unterschiedliche Wohnformen sind bei einer Bestandsanalyse denkbar:
- barrierefreie Wohnungen
- angepasste Wohnungen (Wohnraumanpassung)
- Siedlungsgemeinschaften
- betreutes Wohnen zu Hause (im Bestand, im Quartier)
- quartiersbezogene Wohn- und Betreuungskonzepte (= Altendorf)
- Altenwohnungen
- selbst organisierte Wohn- oder Hausgemeinschaften (= gemeinschaftliches Wohnen, gemeinschaftliche Wohnprojekte)
- Mehrgenerationenwohnungen/integrierte Wohnprojekte
- betreutes Wohnen (= Service-Wohnen, selbstständiges Wohnen in abgeschlossenen, altersgerecht ausgestatteten Wohnungen, die sich häufig in Wohnanlagen befinden und zusätzliche Gemeinschaftseinrichtungen und integrierte Betreuungsangebote bieten)
- Wohnstifte/Seniorenresidenzen – exklusive Alternative zum betreuten Wohnen
- Hausgemeinschaften
- betreute Wohngemeinschaften (= Pflegewohngruppen, Pflegewohnungen, begleitete Wohngruppen) u. a.
- stationäre Pflegeeinrichtungen (
hierzu Indikator 5.5 B)
Diese Wohnformen stellen zugleich einen potenziellen Markt für örtliche Handwerker, Einzelhändler und Dienstleister, aber auch für Anbieter alltagsbezogener Dienste dar. Beispielhaft sind Wohnungsanpassungsmaßnahmen, seniorengerechte Produkte, Möbelspeditionen u. a. zu nennen.
Das Interesse an alternativen Wohnformen ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, jedoch ist ihre Bedeutung quantitativ insgesamt noch gering. Eine Untersuchung des KDA (2007) ist zu folgendem Ergebnis gekommen:
Die Anzahl der Altenwohnungen/spezifischen barrierefreien Wohnungen für Ältere wird bundesweit auf mindestens ca. 270.000 geschätzt, wobei von einer hohen „Dunkelziffer“ auszugehen ist. Das bedeutet, dass für etwa 1,3 % aller 60-Jährigen und Älteren eine solche altersgerecht eingerichtete Wohnung zur Verfügung steht.
Das Angebot an betreutem Wohnen/Service-Wohnen wird auf bundesweit ca. 220.000 Wohneinheiten geschätzt. Das Problem ist, dass im Gegensatz zu anderen Anbietern von Hilfe- und Pflegeleistungen hier keine Meldepflicht besteht. Als Bedarfswert an betreuten Wohnangeboten werden derzeit zwei bis drei Wohneinheiten je 100 über 65-Jährige angegeben (Carekonkret, Service-Wohnen, 22.3.2002: Die richtigen Strategien im Wachstumsmarkt).
Die derzeitige Anzahl an umgesetzten gemeinschaftlichen Wohnprojekten wird mit ca. 250 angegeben.
Andere neue Wohnformen, wie das gemeinschaftliche und selbst organisierte Wohnen, oder sonstige Alternativen zur stationären Versorgung sind dagegen trotz des Nachfragepotenzials noch kaum existent.
Insgesamt leben demnach rund 6 % der 60-Jährigen und Älteren in alternativen Wohnformen für das Alter (von diesen 6 % leben etwa 3,5 % in Pflegeheimen!), Tendenz steigend. Anzumerken ist, dass derartige Wohnprojekte in ländlichen Regionen nur schwer zu etablieren sind, da dort informelle Versorgungsstrukturen (z. B. Pflege durch die Familie) noch stärker vorhanden und die Möglichkeiten dieser Wohnformen noch kaum bekannt sind. Die alternativen neuen Wohnformen sind daher vorwiegend in den Städten zu finden.
Für Kommunen sind in diesem Zusammenhang folgende Aufgaben vorrangig (vgl. BMFSFJ/KDA 2007):
- Stärkung der häuslichen Wohnsituation
- Gestaltung eines altersgerechten Wohnumfeldes als besondere Handlungsaufgabe
- Erleichterung des Ausbaus alternativer Wohnformen für ältere Menschen
- verstärkte Ausrichtung des Wohnangebotes auf die besonderen Bedarfslagen spezieller Zielgruppen
- stärkere Etablierung des Themas „Wohnen im Alter“ im ländlichen Raum
- Ausbau der Beratungsstrukturen und Beseitigung der Informationsdefizite
- Verbesserung der Kooperationsformen außerhalb und innerhalb der Kommunen: Der Ansatzpunkt für die Kommunen besteht in der Moderation, Koordination und Kooperation mit den verschiedenen Akteuren vor Ort und in der Gewinnung neuer Partner. Dies gilt auf der kommunalen Ebene (Zusammenarbeit verschiedener Ämter, Dezernate, aber auch Kooperationen zwischen Kommunen) ebenso wie bei der Gewinnung externer Partner (z. B. Wohnungswirtschaft, Handwerk, Bausparkassen).
Mögliche Verknüpfungen zu anderen Indikatoren (Auswahl):
- 1.10 E Einkommensstruktur
- 3.10 E Zufriedenheit mit Wohnsituation und Wohnumfeld
- 5.2 B Pflegebedürftigkeit
- 5.4 B Ambulante pflegerische Versorgung
- 5.6 E Häusliches Pflegepotenzial
Mehr zu diesem Thema:
- BMFSFJ/Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) (2007): Wohnen im Alter – Strukturen und Herausforderungen für kommunales Handeln – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Landkreise und kreisfreien Städte - Bericht als PDF
- Bertelsmann Stiftung/Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) (Hrsg.) (2003): Leben und Wohnen im Alter, Neue Wohnkonzepte – Bestandsanalyse, Band 1 - Bericht als PDF
- Kremer-Preiß, Ursula/Stolarz, Holger (2005): Leben und Wohnen im Alter. Werkstatt-Wettbewerb Quartier. Bedarfsgerechte Wohnmodelle für die Zukunft. Bertelsmann Stiftung und Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.)
- Schader-Stiftung - Beispiele für alternative Wohnformen im Alter
- Stiftung Warentest (2006): Leben und Wohnen im Alter
