3.5 - Alternative Wohnformen

Im Hinblick auf Wohnalternativen zum privaten Wohnen für ältere Menschen liegen derzeit kaum verbindliche Informationen über Anzahl und Umfang existierender Angebote vor. Von daher ist alles, was zur Transparenz von Angeboten im Bereich unterschiedlicher Wohnmöglichkeiten beiträgt, für Planungsprozesse von Bedeutung. So kann man z. B. erfahren, inwieweit die Wohnungsgesellschaften oder die Bürger selbst bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnqualität für ältere Menschen ergriffen haben. Folgende unterschiedliche Wohnformen sind bei einer Bestandsanalyse denkbar:

  • barrierefreie Wohnungen
  • angepasste Wohnungen (Wohnraumanpassung)
  • Siedlungsgemeinschaften
  • betreutes Wohnen zu Hause (im Bestand, im Quartier)
  • quartiersbezogene Wohn- und Betreuungskonzepte (Altendorf)
  • Altenwohnungen
  • Bildung für Wohnen, Wohnen für Hilfe
  • selbst organisierte Wohn- oder Hausgemeinschaften (gemeinschaftliches Wohnen, gemeinschaftliche Wohnprojekte)
  • Mehrgenerationenwohnungen/integrierte Wohnprojekte, Mehrgenerationenhaus
  • betreutes Wohnen (Service-Wohnen, selbstständiges Wohnen in abgeschlossenen, altersgerecht ausgestatteten Wohnungen, die sich häufig in Wohnanlagen befinden und zusätzliche Gemeinschaftseinrichtungen und integrierte Betreuungsangebote bieten)
  • Wohnstifte/Seniorenresidenzen – exklusive Alternative zum betreuten Wohnen
  • Hausgemeinschaften
  • betreute Wohngemeinschaften (Pflegewohngruppen, Pflegewohnungen, begleitete Wohngruppen, Demenz-Wohngruppe) u. a.
  • stationäre Pflegeeinrichtungen (bis hierzu Indikator 5.5 B)

Diese Wohnformen stellen zugleich einen potenziellen Markt für örtliche Handwerker, Einzelhändler und Dienstleister, aber auch für Anbieter alltagsbezogener Dienste dar. Beispielhaft sind Wohnungsanpassungsmaßnahmen, seniorengerechte Produkte, Möbelspeditionen u. a. zu nennen.

Die Anteil der älteren Menschen, die in "normalen" Wohnungen leben, liegt in Deutschland bei über 90 %. Etwa 7 % der 60-Jährigen und Älteren leben in alternativen Wohnformen für das Alter. Von diesen 7 % leben etwa 4 % in Pflegeheimen und 2 % in betreuten Wohneinrichtungen.
Andere neue Wohnformen, wie das gemeinschaftliche und selbst organisierte Wohnen, oder sonstige Alternativen zur stationären Versorgung sind dagegen trotz des Nachfragepotenzials noch kaum existent. Anzumerken ist, dass derartige Wohnprojekte in ländlichen Regionen nur schwer zu etablieren sind, da dort informelle Versorgungsstrukturen (z. B. Pflege durch die Familie) noch stärker vorhanden und die Möglichkeiten dieser Wohnformen noch kaum bekannt sind. Die alternativen neuen Wohnformen sind daher vorwiegend in den Städten zu finden.

Für Kommunen sind in diesem Zusammenhang folgende Aufgaben vorrangig:

  • Stärkung der häuslichen Wohnsituation
  • Gestaltung eines altersgerechten Wohnumfeldes als besondere Handlungsaufgabe
  • Erleichterung des Ausbaus alternativer Wohnformen für ältere Menschen
  • verstärkte Ausrichtung des Wohnangebotes auf die besonderen Bedarfslagen spezieller Zielgruppen
  • stärkere Etablierung des Themas „Wohnen im Alter“ im ländlichen Raum
  • Ausbau der Beratungsstrukturen und Beseitigung der Informationsdefizite
  • Verbesserung der Kooperationsformen außerhalb und innerhalb der Kommunen: Der Ansatzpunkt für die Kommunen besteht in der Moderation, Koordination und Kooperation mit den verschiedenen Akteuren vor Ort und in der Gewinnung neuer Partner. Dies gilt auf der kommunalen Ebene (Zusammenarbeit verschiedener Ämter, Dezernate, aber auch Kooperationen zwischen Kommunen) ebenso wie bei der Gewinnung externer Partner (z. B. Wohnungswirtschaft, Handwerk, Bausparkassen).

Mehr zu diesem Thema:

  • BMFSFJ/Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) (2007): Wohnen im Alter – Strukturen und Herausforderungen für kommunales Handeln – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Landkreise und kreisfreien Städte - Bericht als PDF
  • Stiftung Warentest (2011): Leben und Wohnen im Alter
  • BMFSFJ/Kuratorium Deutscher Altershilfe (KDA) (2009): Leben und Wohnen für alle Lebensalter - Bedarfsgerecht, barrierefrei, selbstbestimmt - Bericht als PDF
  • BMFSFJ (2014): Länger zuhause leben - Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter - Bericht als PDF
  • Schader-Stiftung - Wohnen im Alter