3.4- Alternative Wohnformen

Zum kommunalen Auftrag gehört die Sicherstellung einer angemessenen Wohnraumversorgung für alle Menschen.

Die Aufrechterhaltung selbstständigen und selbstbestimmten Wohnens, auch bei körperlichen Einschränkungen wegen Hilfe- und Pflegebedürftigkeit, ist der mehrheitliche Wunsch der Bevölkerung. Dies sollte nicht zuletzt aus finanziellen Erwägungen auch Ziel kommunaler Seniorenpolitik sein, die daher unterschiedliche zukunftsorientierte Wohnperspektiven für eine Vielzahl von Lebensformen berücksichtigen sollte.

Durch die demografische Entwicklung, mehr ältere Singles sowie veränderte Lebensstile Älterer, z. B. hinsichtlich Mobilität und Bedürfnisorientierung, wird die Nachfrage nach alternativen Wohnformen wie z. B. betreutes Wohnen und Senioren-WGs steigen. Stationäre Pflegeheime entwickeln sich dagegen vermehrt zu Wohnalternativen für hochaltrige pflegebedürftige Menschen

Im Hinblick auf Wohnalternativen für ältere Menschen liegen derzeit kaum verbindliche Informationen über den Bedarf und die Angebote vor. Zudem sind große regionale Unterschiede - auch in den Quartieren der Kommunen - zu vermuten. Mehr Transparenz ist deshalb für Planungsprozesse von Bedeutung und im Vordergrund stehen hier Befragungen und Analysen der einzelnen Quartiere.

Beispiele für alternative Wohnformen:

  • barrierefreie Wohnungen
  • angepasste Wohnungen
  • betreutes Wohnen zu Hause
  • betreute Wohngemeinschaften (Pflegewohngruppen, Pflegewohnungen, begleitete Wohngruppen, Demenz-Wohngruppen)
  • Altenwohnungen
  • Wohnen für Hilfe
  • selbst organisierte Wohn- oder Hausgemeinschaften
  • Mehrgenerationenwohnungen
  • Wohnstifte/Seniorenresidenzen als exklusive Alternative zum betreuten Wohnen
  • Hausgemeinschaften

 

90 % der älteren Menschen leben in "normalen" Wohnungen. Alternative Wohnformen, wie das gemeinschaftliche und selbst organisierte Wohnen oder sonstige Alternativen zur stationären Versorgung werden bislang kaum genutzt. Alternative Wohnformen sind gleichwohl eine sinnvolle zukunftsorientierte Wohnform - gerade für ältere Singles.

In ländlichen Regionen sind diese oft nur schwer zu etablieren, da dort Versorgungsstrukturen (z. B. Pflege durch die Familie) noch eher möglich sind und die Möglichkeiten alternativer Wohnformen noch oft noch ungewohnt sind.


Für Kommunen sind in diesem Zusammenhang folgende Aufgaben vorrangig:

  • Stärkung der häuslichen Wohnsituation durch Information über altersgerechtes Wohnen
  • Gestaltung eines altersgerechten Wohnumfeldes
  • Information über alternative Wohnformen
  • Unterstützung und Erleichterung des Ausbaus alternativer Wohnformen für ältere Menschen
  • verstärkte Ausrichtung des Wohnangebotes auf die besonderen Bedarfslagen spezieller Zielgruppen(z. B. Demenz)
  • stärkere Etablierung des Themas im ländlichen Raum
  • Ausbau der Beratungsstrukturen und Beseitigung der Informationsdefizite
  • Verbesserung der Kooperationsformen außerhalb und innerhalb der Kommunen: Moderation, Koordination und Kooperation mit den verschiedenen Akteuren vor Ort und Gewinnung neuer Partner. Dies kann auch durch Workshops erfolgen.


Mehr zu diesem Thema:

  • BMFSFJ/Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) (2007): Wohnen im Alter – Strukturen und Herausforderungen für kommunales Handeln – Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Landkreise und kreisfreien Städte - Bericht als PDF
  • BMFSFJ/Kuratorium Deutscher Altershilfe (KDA) (2009): Leben und Wohnen für alle Lebensalter - Bedarfsgerecht, barrierefrei, selbstbestimmt - Bericht als PDF
  • BMFSFJ (2014): Länger zuhause leben - Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter - Bericht als PDF