Mit der Schaffung und dem Ausbau komplementärer, d. h. ergänzender Dienstleistungsangebote wird in den Kommunen ein umfangreiches ambulantes Handlungsfeld verstärkt erschlossen, in dem es noch weitreichende ungenutzte Ressourcen bzw. zivilbürgerschaftliche Helferpotenziale zu entwickeln gilt. Dabei handelt es sich um verschiedene Dienstleistungsangebote wie z. B. Nachbarschaftshilfen, hauswirtschaftliche Dienste, Handwerkerdienste, Einkaufshilfen, kommunikations- und kontaktsichernde Hilfen (insbesondere für Alleinstehende), Angebote zur Versorgung von demenziell erkrankten Menschen und zur Entlastung von pflegenden Angehörigen.
Die Grundvoraussetzung bei der Implementierung von derartigen niedrigschwelligen Angeboten ist jedoch, dass sie keine unmittelbare Konkurrenz zu professionellen Dienstleistern wie z. B. Handwerkern oder Reinigungskräften darstellen und damit auch keine regulären Arbeitsverhältnisse gefährden. Diese niedrigschwelligen Dienste werden von freiwilligen Helfern angeboten, denen von den Nutzern in der Regel nur eine Aufwandsentschädigung (plus eventuell entstandene Fahrtkosten) gezahlt wird.
Es folgt eine Auswahl konkreter niedrigschwelliger Angebote und Dienstleistungen:
-
innerhalb der Wohnung und im Haushalt: kleine handwerkliche Arbeiten in der Wohnung, Hilfe bei leichten und schweren Tätigkeiten im Haushalt/im Haus (z. B. Fenster putzen, „Frühjahrsputz“, Gardinen reinigen und aufhängen, Betten machen/beziehen, Wäsche waschen, aufhängen und bügeln usw., Staub wischen, Bodenpflege/Teppichreinigung, Einkauf Lebensmittel/täglicher Bedarf, Essenszubereitung und spülen, Treppenhaus reinigen, Essen auf Rädern, Mülleimer leeren usw.
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am Haus: Weg zwischen Haustür und Straße fegen bzw. räumen, Müll sortieren und entsorgen, Balkon und Terrasse reinigen, Gartenarbeiten wie Rasen mähen, Bäume schneiden usw.
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Mobilität: Hol- und Bringdienste (Lebensmittel, Getränke usw.), Personentransfer (Begleitung zum Arzt usw.), Besuchsdienste (Kontaktpflege, Freizeitgestaltung), Reisebegleitung, Tierpflege, Gottesdienst- und Friedhofsbesuche
Zusatzinformation Demenz: Ein besonderes niedrigschwelliges Angebot stellen Betreuungsangebote zur Entlastung von demenziell erkrankten Menschen und ihren Angehörigen dar. Diese Betreuungsangebote werden in der Regel von ehrenamtlichen Helfern übernommen, die qualifiziert sind, unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung von Demenzkranken in Gruppen oder im häuslichen Bereich zu übernehmen und/oder pflegende Angehörige zu entlasten und zu beraten.
Typen niedrigschwelliger Hilfe- und Betreuungsangebote im Zusammenhang mit Demenz:
-
Betreuungsgruppen für Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen
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Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger im häuslichen Bereich
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Tagesbetreuung in Kleingruppen
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Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer
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familienentlastende und familienunterstützende Dienste
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Agenturen zur Beratung und Vermittlung von Betreuungsleistungen für Pflegebedürftige und der sie Pflegenden
Vielerorts existieren bereits gute Ansätze für alltagsbezogene Dienste, wobei es häufig an der Koordination und Verteilung der unterschiedlichen Angebote sowie an einer flächendeckenden Versorgung mangelt. Um auf kommunaler Ebene entsprechende Angebote und Strukturen anbieten zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden, wie z. B.
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ein geeignetes Umsetzungskonzept
-
freiwillige Helfer, die eine hinreichende fachliche Anleitung, Schulung, kontinuierliche Begleitung und Unterstützung erhalten
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Vorgaben, in welchem Mindestumfang (z. B. mindestens 20 Stunden) die freiwilligen Helfer geschult und regelmäßig fortgebildet werden müssen
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geeignete Räumlichkeiten für Betreuungsgruppen
In aller Regel sind die Kosten dieser Leistungen privat zu entrichten. In bestimmten Ausnahmefällen ist aber auch eine Kostenübernahme durch übergeordnete Leistungsträger möglich.
Ergebnisse einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigen, dass ältere Bürger großes Interesse an unterschiedlichen haushaltsnahen Dienstleistungen haben. Dienstleistungen, die sich ältere Menschen am meisten wünschen, sind eine Notrufzentrale, ein Pflegedienst oder eine Putz- und Haushaltshilfe. Letzteres wird am häufigsten in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen geäußert. Weitere 30 % derselben Altersgruppe äußern Bedarf an anderen Dienstleistungen, z. B. Einkaufsdienste, Mahlzeitendienste oder Begleitung zum Arzt oder bei Behördengängen. Andere Dienstleistungen, wie etwa Fahrdienste, Wäscheservice, Gartenhilfen oder Hilfen für kleinere handwerkliche Tätigkeiten werden von etwa jedem Fünften befürwortet. Gegenüber einer ersten Befragung 1999 ist insbesondere die Nachfrage nach Einkaufsdiensten und Haushaltshilfen gestiegen (vgl. Tabelle 61).
Tabelle 61: Haushaltsnahe Dienstleistungen – häufigste Wünsche der über 50-Jährigen[1], 2002
|
haushaltsnahe Dienstleitungen |
Altersgruppen |
|
|
über 50 Jahre in % |
70–79 Jahre in % |
|
|
Notrufzentrale |
37 |
38 |
|
Pflegedienste |
34 |
35 |
|
Putz- und Haushaltshilfen |
34 |
40 |
|
Mahlzeitendienste |
24 |
28 |
|
Einkaufsdienste |
24 |
28 |
|
Begleitung zum Arzt/zu Behörden |
23 |
28 |
|
Fahrdienste |
21 |
24 |
|
Gartenarbeiten/Winterdienst/Hausordnung |
19 |
20 |
|
Wäschedienste |
17 |
21 |
|
kleinere handwerkliche Tätigkeiten |
17 |
21 |
|
Reparaturdienste |
16 |
18 |
|
Treffpunkt für Senioren/Freizeitangebote |
15 |
17 |
|
Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen |
14 |
21 |
|
Beratungsstellen |
12 |
11 |
|
Hilfe bei finanziellen Angelegenheiten |
9 |
11 |
Quelle: GfK 50plus 2002: 256, Angaben in % gerundet, eigene Berechnung
Die Höhe der monatlichen Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen, die über 50-jährige Kunden zu zahlen bereit wären, variiert stark. Fast 40 % geben an, dass sie bereit wären, monatlich zwischen 50 und 125 € dafür aufzuwenden. Fast ein Viertel würde dagegen nur einen Höchstbetrag von 50 € aufbringen wollen und können. Ganze 4 % wären dagegen durchaus in der Lage, auch 350 € und mehr für alltagsbezogene Dienstleistungen zu bezahlen (vgl. Tabelle 62).
Tabelle 62: Bereitschaft von Kunden über 50 Jahren zur monatlichen Zahlung
|
Betrag |
Anteil |
|
unter 50 € |
23 % |
|
50 € bis unter 125 € |
39 % |
|
125 € bis unter 250 € |
19 % |
|
250 € bis unter 350 € |
4 % |
|
350 € bis unter 500 € |
2 % |
|
500 € und mehr |
2 % |
|
keine Angaben |
12 % |
|
durchschnittliches monatliches Haushaltsnettoeinkommen (über 50 Jahre): 1.800 € |
|
|
davon 50–59 Jahre 60–69 Jahre über 70 Jahre |
2.100 € 1.700 € 1.550 € |
Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) (2002): 50plus 2002. Band I (Bericht) und II (Anhang). Nürnberg (S. 104/154) – in: Weinkopf, Claudia (2005): Haushaltsnahe Dienstleistungen für Ältere
Die Wünsche zur Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen (vgl. Tabelle 62) weichen von der tatsächlichen Nutzung deutlich ab: Insgesamt gaben bei einer Befragung im Rahmen des SOEP nur gut 9 % aller Befragten an, die Dienste einer Haushaltshilfe zu nutzen. In der Altersgruppe der 55-Jährigen und Älteren lag der Anteil mit 14,1 % leicht darüber, wobei 8,5 % diese Hilfe regelmäßig und 5,6 % nur gelegentlich in Anspruch nehmen (vgl. Tabelle 63).
Tabelle 63: Nutzung von Haushaltshilfen nach Alter des ältesten Haushaltsmitglieds 2002 (in % der jeweiligen Haushalte)
|
|
Nutzung von Haushaltshilfen |
||||
|
Alter des ältesten |
ja |
davon |
nein |
keine Angabe |
|
|
regelmäßig |
gelegentlich |
||||
|
24 Jahre und jünger |
1,1 |
1,1 |
- |
98,3 |
0,6 |
|
25–34 Jahre |
3,1 |
1,5 |
1,6 |
96,5 |
0,3 |
|
35–44 Jahre |
5,1 |
3,1 |
2,0 |
94,4 |
0,4 |
|
45–54 Jahre |
7,6 |
5,3 |
2,3 |
92,0 |
0,3 |
|
55 Jahre und älter |
14,1 |
8,5 |
5,6 |
85,0 |
0,9 |
|
Gesamt (in %) |
9,3 |
5,7 |
3,6 |
90,2 |
0,6 |
|
Gesamt (absolut in 1000) |
3579,2 |
2200,6 |
1378,6 |
34922,2 |
224,3 |
Abweichungen zu 100 % durch Rundungsfehler
Quellen: SOEP 2002; Weinkopf, Claudia (2005): Haushaltsnahe Dienstleistungen für Ältere
Diese Ergebnisse weisen auf eine gewisse Diskrepanz zwischen Wünschen und Wirklichkeit hin: Um die Situation verbessern zu können, müssten die Anbieter herausfinden, warum die Inanspruchnahme bislang noch niedrig ist, z. B. ob noch kein tatsächlicher Bedarf besteht, hohe Zugangsbarrieren existieren oder aber einfach Unkenntnis über das Angebot bzw. die Möglichkeit der Nutzung vorliegt. Dass der Bedarf an alltagsbezogenen Dienstleistungen bei der älteren Bevölkerung in Zukunft steigen wird, kann als Tatsache gesehen werden.
Zwischen 60 und 70 % der älteren Kunden halten es für wichtig, dass die haushaltsnahen Dienstleistungen von den Anbietern in guter Qualität erbracht werden. Genauso wichtig sind das Vertrauen zum Mitarbeiter bzw. zum Unternehmen und ein entsprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Diese Ansprüche sind den Befragten zwischen 60 und 71 % sehr wichtig. Offensichtliche Vorteile wie Bequemlichkeit oder ein Rund-um-die-Uhr-Service sind nicht mal einem Viertel der Befragten sehr wichtig (vgl. Tabelle 64).
Tabelle 64: Ansprüche an Dienstleister (in %)
|
Ansprüche |
sehr wichtig |
wichtig |
|
Qualität |
71 |
21 |
|
Vertrauen |
64 |
21 |
|
Preis-Leistung |
60 |
23 |
|
Notwendigkeit |
54 |
28 |
|
Freundlichkeit |
47 |
32 |
|
Kosten |
55 |
16 |
|
Zeitersparnis |
31 |
27 |
|
Angebot zu Hause |
25 |
30 |
|
Bekanntheit |
20 |
28 |
|
Bequemlichkeit |
23 |
23 |
|
24-h-Service |
24 |
20 |
Basisfrage: „Was ist Ihnen besonders wichtig, wenn Sie Dienstleistungen in Anspruch nehmen?"
Quelle: Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (1997): Dienstleistungen für private Haushalte in Nordrhein-Westfalen. Ergebnisse einer Bürgerbefragung. Düsseldorf – in: Weinkopf, Claudia (2005): Haushaltsnahe Dienstleistungen für Ältere
Mehr zu diesem Thema:
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Weinkopf, Claudia: Haushaltsnahe Dienstleistungen für Ältere – Expertise zum 5. Altenbericht, Bericht als PDF
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Cirkel, Michael, u. a. (2004): Produkte und Dienstleistungen für mehr Lebensqualität im Alter – Expertise zum 5. Altenbericht, Bericht als PDF
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Stadt Solingen: Leitstelle Älterwerden, kleinräumige Nutzerbefragung zu Wünschen älterer Einwohner bezüglich kleinerer Dienstleistungen zur Entlastung im Alltag und Bereitschaft, dafür zu zahlen
[1] Frage: „Welche Dienste oder Angebote sollten schnell und problemlos für Sie verfügbar sein?"
