Indikator 3.4 - Alltagsbezogene Dienste

Mit der Schaffung und dem Ausbau komplementärer, d. h. ergänzender Dienstleistungsangebote wird in den Kommunen ein umfangreiches ambulantes Handlungsfeld verstärkt erschlossen, in dem es noch weitreichende ungenutzte Ressourcen bzw. zivilbürgerschaftliche Helferpotenziale zu entwickeln gilt. Dabei handelt es sich um verschiedene Dienstleistungsangebote wie z. B. Nachbarschaftshilfen, hauswirtschaftliche Dienste, Handwerkerdienste, Einkaufshilfen, kommunikations- und kontaktsichernde Hilfen (insbesondere für Alleinstehende), Angebote zur Versorgung von demenziell erkrankten Menschen und zur Entlastung von pflegenden Angehörigen.

Die Grundvoraussetzung bei der Implementierung von derartigen niedrigschwelligen Angeboten ist jedoch, dass sie keine unmittelbare Konkurrenz zu professionellen Dienstleistern wie z. B. Handwerkern oder Reinigungskräften darstellen und damit auch keine regulären Arbeitsverhältnisse gefährden. Diese niedrigschwelligen Dienste werden von freiwilligen Helfern angeboten, denen von den Nutzern in der Regel nur eine Aufwandsentschädigung (plus eventuell entstandene Fahrtkosten) gezahlt wird.

Es folgt eine Auswahl konkreter niedrigschwelliger Angebote und Dienstleistungen:

  • innerhalb der Wohnung und im Haushalt: kleine handwerkliche Arbeiten in der Wohnung, Hilfe bei leichten und schweren Tätigkeiten im Haushalt/im Haus (z. B. Fenster putzen, „Frühjahrsputz“, Gardinen reinigen und aufhängen, Betten machen/beziehen, Wäsche waschen, aufhängen und bügeln usw., Staub wischen, Bodenpflege/Teppichreinigung, Einkauf Lebensmittel/täglicher Bedarf, Essenszubereitung und spülen, Treppenhaus reinigen, Mahlzeitendienste, Mülleimer leeren usw.)
  • am Haus: Weg zwischen Haustür und Straße fegen bzw. räumen, Müll sortieren und entsorgen, Balkon und Terrasse reinigen, Gartenarbeiten wie Rasen mähen, Bäume schneiden usw.
  • Mobilität: Hol- und Bringdienste (Lebensmittel, Getränke usw.), Personentransfer (Begleitung zum Arzt usw.), Besuchsdienste (Kontaktpflege, Freizeitgestaltung), Reisebegleitung, Tierpflege, Gottesdienst- und Friedhofsbesuche

Zusatzinformation Demenz: Ein besonderes niedrigschwelliges Angebot stellen Betreuungsangebote zur Entlastung von demenziell erkrankten Menschen und ihren Angehörigen dar. Diese Betreuungsangebote werden in der Regel von ehrenamtlichen Helfern übernommen, die qualifiziert sind, unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung von Demenzkranken in Gruppen oder im häuslichen Bereich zu übernehmen und/oder pflegende Angehörige zu entlasten und zu beraten.

Typen niedrigschwelliger Hilfe- und Betreuungsangebote im Zusammenhang mit Demenz:

  • Betreuungsgruppen für Menschen mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen
  • Helferkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger im häuslichen Bereich
  • Tagesbetreuung in Kleingruppen
  • Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer
  • familienentlastende und familienunterstützende Dienste
  • Agenturen zur Beratung und Vermittlung von Betreuungsleistungen für Pflegebedürftige und der sie Pflegenden

Vielerorts existieren bereits gute Ansätze für alltagsbezogene Dienste, wobei es häufig an der Koordination und Verteilung der unterschiedlichen Angebote sowie an einer flächen­deckenden Versorgung mangelt. Um auf kommunaler Ebene entsprechende Angebote und Strukturen anbieten zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden, wie z. B.:

  • ein geeignetes Umsetzungskonzept
  • freiwillige Helfer, die eine hinreichende fachliche Anleitung, Schulung, kontinuierliche Begleitung und Unterstützung erhalten
  • Vorgaben, in welchem Mindestumfang (z. B. mindestens 20 Stunden) die freiwilligen Helfer geschult und regelmäßig fortgebildet werden müssen
  • geeignete Räumlichkeiten für Betreuungsgruppen

In aller Regel sind die Kosten dieser Leistungen privat zu entrichten. In bestimmten Ausnahmefällen ist aber auch eine Kostenübernahme durch übergeordnete Leistungsträger möglich.

Mehr zu diesem Thema:

  • Weinkopf, Claudia: Haushaltsnahe Dienstleistungen für ÄltereExpertise zum 5. Alten­bericht, Bericht als PDF
  • Cirkel, Michael, u. a. (2004): Produkte und Dienstleistungen für mehr Lebensqualität im Alter – Expertise zum 5. Altenbericht, Bericht als PDF
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Länger zuhause leben - Ein Wegweiser für das Wohnen im Alter, Bericht als PDF