Die Erhebung dieser allgemeinen Daten zur Wohnstruktur ist neben den Haushaltsgrößen (Indikator 1.8 E) erforderlich, um die Wohnsituation und das Wohnumfeld der älteren Menschen im Quartier besser einordnen zu können.
Die meisten älteren Menschen teilen den Wunsch, so lange wie möglich, d. h. trotz Kompetenzeinbußen wie z. B. körperlichen Einschränkungen, in der eigenen Wohnung und im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben. Hauptgrund dafür ist die über Jahrzehnte gewachsene Wohnverbundenheit. Gerade im sehr hohen Alter nehmen die Wahrscheinlichkeit, von Kompetenzeinbußen betroffen zu sein, und damit das Risiko einer möglichen Unselbstständigkeit zu. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit, sich an widrige Umweltbedingungen erfolgreich anzupassen, ab. So werden vorher unproblematische Umweltbedingungen zunehmend als Barrieren erlebt (z. B. Treppen, fehlender Aufzug).
Stadtteile mit stabilen Nachbarschaftsstrukturen können Hilfe- und sogar Pflegebedürftigkeit evtl. eher und länger ausgleichen als Stadtteile mit höherem Anonymitätsgrad.
Außerdem sollte ein Augenmerk darauf gerichtet werden, dass in einem Quartier Wohnraum in verschiedenen Größen und Preisklassen zur Verfügung steht. So kann möglicherweise eine stärkere soziale Durchmischung im Stadtteil gefördert und zunehmenden Segregationsprozessen entgegengesteuert werden.
In den vergangenen Jahren konnte aufgrund unterschiedlicher Bauprojekte ein beträchtliches Fachwissen vonseiten der Architektur, der Beratung und der Anpassung von Wohnumwelten aufgebaut werden, welches im Rahmen kommunaler Umgestaltungsprozesse in Wohnquartieren genutzt werden sollte.
2005 wurden in Deutschland 39,2 Mio. Privathaushalte gezählt, von denen 14,7 Mio. (37,5 %) Einpersonen- und 24,5 Mio. (62,5 %) Mehrpersonenhaushalte sind (Statistische Ämter des Bundes und der Länder; Mikrozensus 2005).
In 11,4 Mio. aller Haushalte (29 %) lebte mindestens eine Person im Alter von 65 Jahren und älter (vgl. Tabelle 57).
Tabelle 57: Privathaushalte mit und ohne Senioren (Personen ab 65 Jahre)

Statistisches Bundesamt 2006: Leben in Deutschland – Ergebnisse des Mikrozensus 2005
2005 waren von den reinen Seniorenhaushalten 59 % Einpersonenhaushalte und 41 % Zweipersonenhaushalte (1991: 69 % bzw. 31 %).
2009 hat es laut Freiwilligensurvey 11,2 Millionen Seniorenhaushalte gegeben, dies entspricht 28% aller Haushalte. Darunter waren rd. 5,5 Millionen Haushalte mit einer Person, das sind 49% aller Seniorenhaushalte; 34% aller Haushalte mit einer Person waren 2009 Seniorenhaushalte. (Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009)
82 % der Einpersonenhaushalte werden von Frauen, 18 % von Männern bewohnt (2005).
Ältere Menschen leben in der Mehrzahl bis ins sehr hohe Alter in ihren privaten Wohnungen. Über 93 % der über 65-Jährigen in Deutschland wohnen in gewöhnlichen Privathaushalten, nur ca. 1,6 % in speziellen Altenwohnungen (z. B. „betreutes Wohnen“) und etwa 5 % in Einrichtungen der Altenhilfe.
Eigentümer-/Mieterstruktur
Die Haushaltsstruktur und die Art der Nutzung der Wohneinheit stellt sich in Deutschland wie folgt dar: 2006 gab es in Deutschland insgesamt 36,9 Mio. Haushalte. Diese teilen sich zu 40,9 % in Eigentümer- und zu 57,4 % in Mietwohneinheiten auf (vgl. Tabelle 58). Im Alter ab 40 Jahre ist der Eigentumsanteil überdurchschnittlich, am höchsten im Alter zwischen 60 und 65 Jahren.
Tabelle 58: Haushalte nach Haushaltsstruktur und Art der Nutzung der Wohneinheit 2006
|
Gegenstand der Nachweisung |
Gesamt |
Eigentümer |
Hauptmieter |
Untermieter |
|
1.000 |
in % |
|||
|
Haushalte insgesamt |
36.984 |
40,9 |
57,4 |
1,7 |
|
mit 1 Person |
14.380 |
24,6 |
71,8 |
3,5 |
|
mit 2 Personen |
12.644 |
47,8 |
51,6 |
0,5 |
|
mit 3 Personen |
4.880 |
50,6 |
49,0 |
0,5 |
|
mit 4 Personen |
3.749 |
60,4 |
39,2 |
0,3 |
|
mit 5 und mehr Personen |
1.330 |
60,2 |
39,5 |
/ |
|
mit Bezugsperson |
. |
|||
|
unter 25 Jahre |
1.680 |
6,3 |
83,2 |
10,6 |
|
von 25 bis unter 30 Jahre |
2.373 |
10,7 |
84,1 |
5,3 |
|
von 30 bis unter 40 Jahre |
6.041 |
30,0 |
68,2 |
1,8 |
|
von 40 bis unter 50 Jahre |
7.540 |
44,5 |
54,5 |
1,0 |
|
von 50 bis unter 60 Jahre |
6.130 |
51,0 |
48,2 |
0,7 |
|
von 60 bis unter 65 Jahre |
2.567 |
53,4 |
45,9 |
0,6 |
|
65 Jahre und älter |
10.653 |
47,9 |
51,5 |
0,6 |
Quelle: StatBA, Fachserie 5 / Heft 1, Bautätigkeit und Wohnungen. Mikrozensus - Zusatzerhebung 2006: Bestand und Struktur der Wohneinheiten, Wohnsituation der Haushalte (Erschienen am 3. März 2008, korrigierte Fassung vom 9. April 2008)
Unterscheidung Miete/Eigentum: Bei Mietern ist die Bereitschaft und Möglichkeit umzuziehen höher als bei Eigentümern (55+: Mieter ca. 50 %; Eigentümer ca. 20 %). Diese Hintergrundinformation unterstreicht nochmals, dass es dem hohen Anteil älterer Menschen mit Wohneigentum schwerfallen wird, umzuziehen, wenn es erforderlich werden sollte. Mieter verfügen über andere Möglichkeiten und rechtliche Grundlagen zur Wohnungsanpassung als Eigentümer.
Wohnfläche/Wohndauer
Die Wohnfläche der Bewohner im Alter von 65 Jahren und älter ist zwischen 1994 und 2003 von durchschnittlich 40 m² auf 54,1 m², d. h. um 35 % gestiegen (vgl. Sozio-oekonomisches Panel (SOEP): Trendreport Wohnen im Alter, 2006).
Wohndauer: Der Anteil an Personen, die bereits seit über 25 Jahren in derselben Wohnung leben, steigt mit dem Alter und beträgt ab 65 Jahre 62% (vgl. Tabelle 59). Hochrechnungen des SOEP lassen vermuten, dass in Deutschland zukünftig 50 % aller über 55-Jährigen noch einmal umziehen werden, bevor sie das 75. Lebensjahr erreichen (vgl. Heinze u. a. 1997).
Tabelle 59: Wohndauer des Haupteinkommensbeziehers nach Altersgruppen 2006
|
Alters-gruppen
|
Wohndauer in Jahren (nach relativer Häufigkeit in %) |
||||
|
bis 1 Jahr |
2 oder 3 Jahre |
4–15 Jahre |
16–25 Jahre |
über 25 Jahre |
|
|
50–59 Jahre |
6,4 |
7,8 |
33,9 |
23,9 |
27,1 |
|
60–64 Jahre |
4,7 |
5,8 |
25,6 |
17,8 |
45,3 |
|
65 + |
2,4 |
3,5 |
18,9 |
12 |
61,8 |
Quelle: StatBA, Fachserie 5 / Heft 1, Bautätigkeit und Wohnungen. Mikrozensus - Zusatzerhebung 2006: Bestand und Struktur der Wohneinheiten, Wohnsituation der Haushalte (Erschienen am 3. März 2008, korrigierte Fassung vom 9. April 2008)
Die Mehrzahl der Bürger im Alter von 65 Jahren und älter lebt in Wohnungen der 50er und 60er Jahre (40 %), 30 % wohnen in Gebäuden, die älter sind und 14 % leben in Häusern, die in der 70er Jahren errichtet wurden. Alle anderen leben in Häusern, die nach 1980 gebaut worden sind. Das Alter der Wohngebäude ist wichtig, da sich vom Baujahr Aspekte der Wohnausstattung und somit der Wohnqualität ableiten lassen. In den 50er Jahren wurden z. B. viele Mietwohnungen in drei- bis viergeschossigen Häuserzeilen – beginnend mit Hochparterre – errichtet, die sich durch Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit kleinen Bädern und Kochküchen kennzeichnen lassen. Für das Wohnen im Alter sind diese Wohnungen kaum geeignet, da sie einerseits oft eng geschnitten sind und selten über Aufzüge verfügen. Ähnlich verhält es sich mit den Einfamilienreihenhäusern, die vielerorts in den 70er Jahren entstanden sind.
Mehr zu diesem Thema:
-
Schader-Stiftung (www.schader-stiftung.de)
Daten und Fakten zum Thema Wohnen
Informationen zur Wohnraumnachfrage
zur Entwicklung der Privathaushalte
-
FFG/IAT (2006): Trendreport Wohnen im Alter, Bericht als PDF
-
Heinze, R.G./Eichener, V./Naegele, G./Bucksteeg, M./Schauerte, M. (1997): Neue Wohnung auch im Alter. Darmstadt: Schader-Stiftung
