Indikator 3.2
- Allgemeine Wohnstrukturdaten: Baujahr, Eigentümer-/Mietstruktur, Wohnfläche, Wohndauer

Die Erhebung dieser allgemeinen Daten zur Wohnstruktur ist neben den Haushaltsgrößen (Indikator 1.8 E) erforderlich, um die Wohnsituation und das Wohnumfeld der älteren Menschen im Quartier besser einordnen zu können.

Die meisten älteren Menschen teilen den Wunsch, so lange wie möglich, d. h. trotz Kompetenzeinbußen wie z. B. körperlichen Einschränkungen, in der eigenen Wohnung und im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben. Hauptgrund dafür ist die über Jahrzehnte gewachsene Wohnverbundenheit. Gerade im sehr hohen Alter nehmen die Wahrscheinlichkeit, von Kompetenzeinbußen betroffen zu sein, und damit das Risiko einer möglichen Unselbstständigkeit zu. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit, sich an widrige Umweltbedingungen erfolgreich anzupassen, ab. So werden vorher unproblematische Umweltbedingungen zunehmend als Barrieren erlebt (z. B. Treppen, fehlender Aufzug).

Stadtteile mit stabilen Nachbarschaftsstrukturen können Hilfe- und sogar Pflegebedürftigkeit evtl. eher und länger ausgleichen als Stadtteile mit höherem Anonymitätsgrad.

Außerdem sollte ein Augenmerk darauf gerichtet werden, dass in einem Quartier Wohnraum in verschiedenen Größen und Preisklassen zur Verfügung steht. So kann möglicherweise eine stärkere soziale Durchmischung im Stadtteil gefördert und zunehmenden Segregationsprozessen entgegengesteuert werden.

In den vergangenen Jahren konnte aufgrund unterschiedlicher Bauprojekte ein beträchtliches Fachwissen vonseiten der Architektur, der Beratung und der Anpassung von Wohnumwelten aufgebaut werden, welches im Rahmen kommunaler Umgestaltungsprozesse in Wohnquartieren genutzt werden sollte.

bis Mehr als 3/4 der Einpersonenhaushalte werden von Frauen bewohnt.

bis Ältere Menschen leben in der Mehrzahl bis ins sehr hohe Alter in ihren privaten Wohnungen. Über 90 % der über 65-Jährigen in Deutschland wohnen in gewöhnlichen Privathaushalten, wenige wohnen in speziellen Altenwohnungen (z. B. „betreutes Wohnen“) und in Einrichtungen der Altenhilfe.

Eigentümer-/Mieterstruktur:

bis Im Alter ab 40 Jahren ist der Eigentumsanteil überdurchschnittlich, am höchsten aber im Alter zwischen 60 und 65 Jahren.

bis Unterscheidung Miete/Eigentum: Bei Mietern ist die Bereitschaft und Möglichkeit umzuziehen höher als bei Eigentümern. Diese Hintergrundinformation unterstreicht nochmals, dass es dem hohen Anteil älterer Menschen mit Wohneigentum schwerfallen wird, umzuziehen, wenn es erforderlich werden sollte. Mieter verfügen über andere Möglichkeiten und rechtliche Grundlagen zur Wohnungsanpassung als Eigentümer.

Wohnfläche/Wohndauer:

bis Die Wohnfläche der Bewohner im Alter von 65 Jahre und älter ist zwischen 1994 und 2013 von durchschnittlich 40 m² auf 55 m², d. h. um 35 % gestiegen. [1]

bis Wohndauer: Über 50 % der Wohneigentümer im Alter von 65 Jahren und älter lebt seit 30 oder mehr Jahren in ihrer Wohnung/Haus. Knapp 1/3 aller Mieter über 65 Jahre lebt seit 30 oder mehr Jahren in ihrer Wohnung/Haus.

bis Die Mehrzahl der Bürger im Alter von 65 Jahren und älter lebt in Wohnungen, die in den 50er und 60er Jahren errichtet wurden oder noch älter sind. Ein geringer Teil lebt in Wohnungen, die in nach 1970 gebaut worden sind. Das Alter der Wohngebäude ist wichtig, da sich vom Baujahr Aspekte der Wohnausstattung und somit der Wohnqualität ableiten lassen. In den 50er Jahren wurden z. B. viele Mietwohnungen in drei- bis viergeschossigen Häuserzeilen – beginnend mit Hochparterre – errichtet, die sich durch Zwei- bis Dreizimmerwohnungen mit kleinen Bädern und Kochküchen kennzeichnen lassen. Für das Wohnen im Alter sind diese Wohnungen kaum geeignet, da sie einerseits oft eng geschnitten sind und selten über Aufzüge verfügen. Ähnlich verhält es sich mit den Einfamilienreihenhäusern, die vielerorts in den 70er Jahren entstanden sind.

Angebot und Nachfrage im Bereich Wohnen:

Eine differenzierte Untersuchung des Wohnungsmarktes soll Hinweise darauf geben, welche Quartiere bei welchen Personengruppen beliebt sind und welche Wohnstandards dort insbesondere vorherrschen. Daraus kann abgeleitet werden, ob das Angebot an Wohnraum den Nachfragebedarf decken kann oder ob bestimmte Bevölkerungsgruppen Schwierigkeiten haben, entsprechenden Wohnraum für sich zu finden. Für die Kommunen sind diese Informationen wichtig, um besser entscheiden zu können, ob ggf. Steuerungsmaßnahmen wie z. B. soziale Wohnungsbauförderung erforderlich sind.

Eine Beobachtung der aktuellen kommunalen Wohnungsmarktlage ist von Bedeutung, da sie aufzeigen kann, ob der Wohnungsmarkt in der Kommune angespannt, entspannt und gar schrumpfend ist und in welchem Umfang Leerstandsquoten zu beklagen sind. Daraus lässt sich die Art aktueller und zu erwartender lokaler Probleme auf dem Wohnungsmarkt ableiten. Im Einzelnen sollte kommunal darauf geachtet werden, ob die Probleme gesamtstädtisch oder auf bestimmte Teilgebiete, Wohnungsbestände und/oder Zielgruppen beschränkt sind.

Hinsichtlich der Altersgruppe der Senioren sollte konkret darauf geschaut werden, ob neben dem Bereich sozialer Wohnraumversorgung für einkommensschwächere Senioren die Nachfrage nach speziellen alternativen Wohnformen für das Alter gedeckt werden kann.

Der Wohnungsmarkt kann durch Wohnungsleerstandsquoten untersucht werden.

Leerstandsquoten:

Leerstandsquoten stellen einen wichtigen Indikator für die Wohnungsmarktpolitik dar und können Entscheidungshilfe bei der Frage von Wohnungsneubau, Wohnraumsanierung, Stadt-Umland-Wanderung und Stadtteilentwicklung sein. Zudem könnte ein kontinuierliches Monitoring als "Frühwarnsystem" fungieren, um vorsorgliche Maßnahmen und Handlungsleitlinien gegen eventuell anwachsende Leerstände zu treffen. Ferner können getroffene Maßnahmen auf ihren Erfolg hin überprüft werden.

bis Zukünftig ist zu erwarten, dass neue Haushaltsbildungen und der Trend zur Singularisierung nicht ausreichen, um die durch Haushaltsauflösungen sowie Umzüge in höherwertigeren Wohnraum frei werdenden Wohnungen vollständig zu füllen. Insgesamt ist somit weiterhin von Wohnungsleerstand auszugehen.

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