Indikator 3.11 E
Sicherheit – Präventive Maßnahmen
und subjektive Sicherheit

Angst kann zu Einschränkungen führen, insbesondere zur Meidung bestimmter, als gefährlich eingestufter Orte. Dies trifft sowohl für Wohnquartiere insgesamt als auch für bestimmte Aufenthaltsorte in der Kommune zu. Darüber hinaus werden bestimmte Verkehrsmittel – zumindest ohne Begleitung und/oder zu bestimmten Tageszeiten – gemieden, wenn das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste beeinträchtigt ist.

Gerade für Senioren ist es wichtig, dass sie ihr Leben ohne Ängste und sicher gestalten können. Es ist z. B. dafür Sorge zu tragen, dass Straßen und Plätze in der Dunkelheit angemessen beleuchtet werden. Dazu gehört auch, dass zugeparkte Geh- und Radwege regelmäßig kontrolliert werden, um die Mobilität nicht einzuschränken. Des Weiteren trägt die Präsenz von Ordnungskräften, z. B. Polizei, dazu bei, dass das Sicherheitsgefühl im Stadtteil erhöht wird.

Vorträge und Gespräche von und mit speziellen Seniorenberatern zu Themen der persönlichen Sicherheit können zudem das individuelle Sicherheitsgefühl erhöhen. Eine solche Beratung kann auch im Zuge spezieller Trainings für ältere Menschen zum Thema „Sicheres Verhalten im Straßenverkehr“ stattfinden.

Auskünfte über ihr Sicherheitsempfinden können Senioren im Rahmen von Befragungen selbst geben. Diese (subjektive) Einschätzung von Bewohnern trägt neben den offiziellen Zahlen zur Kriminalität in einzelnen Quartieren dazu bei, sich einen Gesamteindruck der Situation vor Ort zu verschaffen.

bis Generell nimmt die Angst vor Kriminalität in der Gesamtbevölkerung seit Jahren ab, wobei sie in Westdeutschland um 24 % pendelt und im Osten die Werte seit 1993 von 45 % auf 36 % gesunken sind. Tabelle 76 zeigt, dass die Furcht vor Kriminalität mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. So liegt sie in Westdeutschland beispielsweise in der Altersgruppe der über 60-Jährigen mit 35 % annähernd doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen. Unterschiede zwischen den alten und den neuen Ländern sind insbesondere regional feststellbar. Die Angst davor, Opfer einer kriminellen Tat zu werden, ist mit 39 % in ostdeutschen Kleinstädten am größten, in ländlichen Regionen Westdeutschlands am geringsten (17 %).

Tabelle 76: Straßenkriminalität 2009

Straftatengruppen

erfasste Fälle

Veränderung zu 2008

Auf-klärungs-

quote

Tatortverteilung in Kommunen in %

in %

in %

bis 20T

Einw.

20T<100T

Einw.

100T<500T

Einw.

>500T

Einw.

41,6*

27,3*

15,0*

16,0*

Straßenkriminalität

1.435.656

-3,7

18,7

(22,6)

(28,7)

20,1

28,3

davon u. a.

Handtaschenraub

3.776

-6,3

28,8

(8,4)

(24,5)

23,2

43,8

sonst. Raubüberfälle auf Straßen, Plätzen

20.622

-3,0

44,7

(9,3)

(24,0)

23,9

42,5

Körperverletzung auf Straßen und Plätzen

71.105

-2,5

75,4

(23,1)

(27,2)

21,6

29,6

Taschendiebstahl

92.571

1,1

5,6

(7,0)

(13,3)

25,2

54,1

sonstige Sach­beschädigung auf Straßen und Plätzen

158.939

6,7

24,8

(32,1)

(28,0)

17,2

22,6

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009

bis Im Allgemeinen hat die Zufriedenheit in der Bevölkerung mit der öffentlichen Sicherheit und der Bekämpfung von Kriminalität deutlich zugenommen: 2001 waren 70 % in den alten und 55 % in den neuen Bundesländern mit der Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung zufrieden (Statistisches Bundesamt 2006: Datenreport 2006; Datenbasis: Wohlfahrtssurvey 1993, 1997, 2001).

bis Im Rahmen der öffentlichen Sicherheit sind insbesondere Straftaten im Rahmen der Straßenkriminalität zu nennen. 2006 wurden über 1,5 Mio. Delikte auf den Straßen begangen, was einer Abnahme gegenüber dem Vorjahr um 4 % entspricht. Hauptdelikte sind dabei Körper- und Sachbeschädigungen auf Straßen und Plätzen sowie Taschendiebstähle. Bei Letzteren liegt die Aufklärungsquote mit nur 6 % am niedrigsten. Straftaten der Straßenkriminalität werden im Vergleich zu den Bevölkerungsanteilen überproportional oft in Großstädten ab 500.000 Einwohner (15 % der Gesamtbevölkerung) registriert. Dies gilt insbesondere für Straftaten wie Taschendiebstahl, Straßen- und Handtaschenraub. Im Gegensatz dazu werden nur gut 7 % aller Handtaschenraube – von denen überwiegend Seniorinnen betroffen sind – in kleineren Kommunen verübt, in denen 42 % der Gesamtbevölkerung leben (vgl. Tabelle 77).

Tabelle 77: Straßenkriminalität 2006

Straftatengruppen

erfasste Fälle

Veränderung zu 2005

Auf-klärungs-

quote

Tatortverteilung in Kommunen in %

 

 

in %

in %

bis 20T

Einw.

20T<100T

Einw.

100T<500T

Einw.

>500T

Einw.

 

 

 

 

41,9*

27,4*

15,6*

15,1*

Straßenkriminalität

1.557.626

-4,0

17,3

21,8

29,2

20,8

28,1

davon u. a.

 

 

 

 

 

 

 

Handtaschenraub

4.334

-12,0

30,1

7,6

27,1

23,4

41,9

sonst. Raubüberfälle auf Straßen, Plätzen

23.002

-0,8

42,7

9,0

22,4

24,6

43,9

Körperverletzung auf Straßen und Plätzen

60.122

3,3

76,7

20,6

25,8

22,1

31,4

Taschendiebstahl

100.984

-8,7

6,2

5,5

13,4

25,3

55,2

sonstige Sach­beschädigung auf Straßen und Plätzen

125.910

11,5

28,8

28,8

28,4

20,5

22,2

* prozentualer Anteil dieser Gemeindegrößenklassen an der Wohnbevölkerung am 01.01.06

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2006 www.bka.de/pks/pks2006/p_3_22.pdf (Stand: 24.05.2007)

bis Insgesamt sind im Jahr 2009 über 880.000 Menschen Opfer von Straftaten geworden, davon waren gut 5 % Senioren. Allein über 575.000 Opfer von Körperverletzungen sind zu beklagen, wobei hier ältere Menschen ab 60 Jahren verhältnismäßig selten als Opfer betroffen sind. Ausnahmen bilden dagegen vollendeter Mord und Totschlag sowie Raub, insbesondere Handtaschenraub. Bei einem Viertel aller vollendeten Mord- und Todschlagsdelikte sowie bei über 50 % aller Handtaschenraube sind Senioren Opfer der Tat. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass auf 100.000 Einwohner nur ein Mord kommt (vgl. Tabelle 78).

bis Bei Mord- oder Todschlagopfern sowie Opfern von Raubüberfällen und Körperverletzungen handelt es sich zu zwei Dritteln um Männer. Eine Ausnahme bildet dagegen der Handtaschenraub, von dem zu 95 % Frauen betroffen sind.

bis Der unterschiedliche Gefährdungsgrad einzelner Altersgruppen wird deutlich, wenn die Opfer auf die Einwohnerzahl bezogen werden (je 100.000 Einwohner der jeweiligen Altersgruppe): Mit Ausnahme von Sexualstraftaten und Handtaschenrauben (bei den ab 60-Jährigen) werden erheblich mehr Männer Opfer einer Straftat. Das Risiko älterer Frauen ab 60 Jahre, Opfer eines Raubes zu werden, ist bei vollendetem Handtaschenraub relativ am höchsten (vgl. Kriminalstatistik 2006).

Tabelle 78: Opfer ausgewählter Straftaten nach Alter 2009

 

 

Opfer

insgesamt

60 Jahre und älter

Opfer pro 100.000

Einwohner nach Alter

 

 

 

Anzahl

in %

Opfer

 insgesamt

60 Jahre und älter

Delikte mit Opfererfassung insgesamt

vollendet

884.734

47.608

5,4

 

 

versucht

56.531

3.906

6,9

 

 

insgesamt

941.265

51.514

5,5

 

 

davon:

 

 

 

 

 

 

Mord und Todschlag

vollendet

706

173

24,5

0,9

0,8

versucht

1.983

159

8

2,4

0,7

insgesamt

2.689

332

12,3

3,3

1,6

Raub

vollendet

44.966

4.378

9,7

55

20,6

versucht

11.064

1.166

10,5

13,5

5,5

insgesamt

56.030

5.544

9,9

68,5

26,1

davon:

 

Handtaschenraub

vollendet

3.150

1.685

53,5

3,9

7,9

versucht

728

328

45,1

0,9

1,5

insgesamt

3.878

2.013

51,9

4,7

9,5

sonst. Raubüberfälle auf Straßen

vollendet

18.360

1.024

5,6

22,4

4,8

versucht

4.924

333

6,8

6

1,6

insgesamt

23.284

1.357

5,8

28,5

6,4

Körperverletzung

vollendet

575.709

24.860

4,3

703,8

117,2

versucht

34.062

2.097

6,2

41,6

9,9

insgesamt

609.771

26.957

4,4

745,4

127,1

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009

bis Die Zahlen machen insgesamt deutlich, dass mit Ausnahme des mehrfach genannten Handtaschenraubes ältere Menschen objektiv keinen Grund zu haben bräuchten, sich unsicher zu fühlen. Aber allein die Angst davor, bei Raub dem Täter ausgeliefert zu sein, gedemütigt zu werden und möglicherweise auch noch verletzt zu werden, sowie die oftmals fehlende Zivilcourage in der Bevölkerung führen dazu, dass die Kriminalitätsfurcht bei alten Menschen trotzdem am höchsten ist. Damit stehen diese Aussagen zwar im absoluten Gegensatz zur offiziellen Kriminalstatistik, dürfen aber aus Sicht der Kommunalpolitik nicht unberücksichtigt bleiben.

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