Angst kann zu Einschränkungen führen, insbesondere zur Meidung bestimmter, als gefährlich eingestufter Orte. Dies trifft sowohl für Wohnquartiere insgesamt als auch für bestimmte Aufenthaltsorte in der Kommune zu. Darüber hinaus werden bestimmte Verkehrsmittel – zumindest ohne Begleitung und/oder zu bestimmten Tageszeiten – gemieden, wenn das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste beeinträchtigt ist.
Gerade für Senioren ist es wichtig, dass sie ihr Leben ohne Ängste und sicher gestalten können. Es ist z. B. dafür Sorge zu tragen, dass Straßen und Plätze in der Dunkelheit angemessen beleuchtet werden. Dazu gehört auch, dass zugeparkte Geh- und Radwege regelmäßig kontrolliert werden, um die Mobilität nicht einzuschränken. Des Weiteren trägt die Präsenz von Ordnungskräften, z. B. Polizei, dazu bei, dass das Sicherheitsgefühl im Stadtteil erhöht wird.
Vorträge und Gespräche von und mit speziellen Seniorenberatern zu Themen der persönlichen Sicherheit können zudem das individuelle Sicherheitsgefühl erhöhen. Eine solche Beratung kann auch im Zuge spezieller Trainings für ältere Menschen zum Thema „Sicheres Verhalten im Straßenverkehr“ stattfinden.
Auskünfte über ihr Sicherheitsempfinden können Senioren im Rahmen von Befragungen selbst geben. Diese (subjektive) Einschätzung von Bewohnern trägt neben den offiziellen Zahlen zur Kriminalität in einzelnen Quartieren dazu bei, sich einen Gesamteindruck der Situation vor Ort zu verschaffen.
Generell nimmt die Angst vor Kriminalität in der Gesamtbevölkerung seit Jahren ab, wobei sie in Westdeutschland um 24 % pendelt und im Osten die Werte seit 1993 von 45 % auf 36 % gesunken sind. Tabelle 76 zeigt, dass die Furcht vor Kriminalität mit dem Alter kontinuierlich zunimmt. So liegt sie in Westdeutschland beispielsweise in der Altersgruppe der über 60-Jährigen mit 35 % annähernd doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen. Unterschiede zwischen den alten und den neuen Ländern sind insbesondere regional feststellbar. Die Angst davor, Opfer einer kriminellen Tat zu werden, ist mit 39 % in ostdeutschen Kleinstädten am größten, in ländlichen Regionen Westdeutschlands am geringsten (17 %).
Tabelle 76: Straßenkriminalität 2009
|
Straftatengruppen |
erfasste Fälle |
Veränderung zu 2008 |
Auf-klärungs- quote |
Tatortverteilung in Kommunen in % |
|||
|
in % |
in % |
bis 20T Einw. |
20T<100T Einw. |
100T<500T Einw. |
>500T Einw. |
||
|
41,6* |
27,3* |
15,0* |
16,0* |
||||
|
Straßenkriminalität |
1.435.656 |
-3,7 |
18,7 |
(22,6) |
(28,7) |
20,1 |
28,3 |
|
davon u. a. |
|||||||
|
Handtaschenraub |
3.776 |
-6,3 |
28,8 |
(8,4) |
(24,5) |
23,2 |
43,8 |
|
sonst. Raubüberfälle auf Straßen, Plätzen |
20.622 |
-3,0 |
44,7 |
(9,3) |
(24,0) |
23,9 |
42,5 |
|
Körperverletzung auf Straßen und Plätzen |
71.105 |
-2,5 |
75,4 |
(23,1) |
(27,2) |
21,6 |
29,6 |
|
Taschendiebstahl |
92.571 |
1,1 |
5,6 |
(7,0) |
(13,3) |
25,2 |
54,1 |
|
sonstige Sachbeschädigung auf Straßen und Plätzen |
158.939 |
6,7 |
24,8 |
(32,1) |
(28,0) |
17,2 |
22,6 |
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009
Im Allgemeinen hat die Zufriedenheit in der Bevölkerung mit der öffentlichen Sicherheit und der Bekämpfung von Kriminalität deutlich zugenommen: 2001 waren 70 % in den alten und 55 % in den neuen Bundesländern mit der Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung zufrieden (Statistisches Bundesamt 2006: Datenreport 2006; Datenbasis: Wohlfahrtssurvey 1993, 1997, 2001).
Im Rahmen der öffentlichen Sicherheit sind insbesondere Straftaten im Rahmen der Straßenkriminalität zu nennen. 2006 wurden über 1,5 Mio. Delikte auf den Straßen begangen, was einer Abnahme gegenüber dem Vorjahr um 4 % entspricht. Hauptdelikte sind dabei Körper- und Sachbeschädigungen auf Straßen und Plätzen sowie Taschendiebstähle. Bei Letzteren liegt die Aufklärungsquote mit nur 6 % am niedrigsten. Straftaten der Straßenkriminalität werden im Vergleich zu den Bevölkerungsanteilen überproportional oft in Großstädten ab 500.000 Einwohner (15 % der Gesamtbevölkerung) registriert. Dies gilt insbesondere für Straftaten wie Taschendiebstahl, Straßen- und Handtaschenraub. Im Gegensatz dazu werden nur gut 7 % aller Handtaschenraube – von denen überwiegend Seniorinnen betroffen sind – in kleineren Kommunen verübt, in denen 42 % der Gesamtbevölkerung leben (vgl. Tabelle 77).
Tabelle 77: Straßenkriminalität 2006
|
Straftatengruppen |
erfasste Fälle |
Veränderung zu 2005 |
Auf-klärungs- quote |
Tatortverteilung in Kommunen in % |
|||
|
|
|
in % |
in % |
bis 20T Einw. |
20T<100T Einw. |
100T<500T Einw. |
>500T Einw. |
|
|
|
|
|
41,9* |
27,4* |
15,6* |
15,1* |
|
Straßenkriminalität |
1.557.626 |
-4,0 |
17,3 |
21,8 |
29,2 |
20,8 |
28,1 |
|
davon u. a. |
|
|
|
|
|
|
|
|
Handtaschenraub |
4.334 |
-12,0 |
30,1 |
7,6 |
27,1 |
23,4 |
41,9 |
|
sonst. Raubüberfälle auf Straßen, Plätzen |
23.002 |
-0,8 |
42,7 |
9,0 |
22,4 |
24,6 |
43,9 |
|
Körperverletzung auf Straßen und Plätzen |
60.122 |
3,3 |
76,7 |
20,6 |
25,8 |
22,1 |
31,4 |
|
Taschendiebstahl |
100.984 |
-8,7 |
6,2 |
5,5 |
13,4 |
25,3 |
55,2 |
|
sonstige Sachbeschädigung auf Straßen und Plätzen |
125.910 |
11,5 |
28,8 |
28,8 |
28,4 |
20,5 |
22,2 |
* prozentualer Anteil dieser Gemeindegrößenklassen an der Wohnbevölkerung am 01.01.06
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2006 www.bka.de/pks/pks2006/p_3_22.pdf (Stand: 24.05.2007)
Insgesamt sind im Jahr 2009 über 880.000 Menschen Opfer von Straftaten geworden, davon waren gut 5 % Senioren. Allein über 575.000 Opfer von Körperverletzungen sind zu beklagen, wobei hier ältere Menschen ab 60 Jahren verhältnismäßig selten als Opfer betroffen sind. Ausnahmen bilden dagegen vollendeter Mord und Totschlag sowie Raub, insbesondere Handtaschenraub. Bei einem Viertel aller vollendeten Mord- und Todschlagsdelikte sowie bei über 50 % aller Handtaschenraube sind Senioren Opfer der Tat. Es muss allerdings hinzugefügt werden, dass auf 100.000 Einwohner nur ein Mord kommt (vgl. Tabelle 78).
Bei Mord- oder Todschlagopfern sowie Opfern von Raubüberfällen und Körperverletzungen handelt es sich zu zwei Dritteln um Männer. Eine Ausnahme bildet dagegen der Handtaschenraub, von dem zu 95 % Frauen betroffen sind.
Der unterschiedliche Gefährdungsgrad einzelner Altersgruppen wird deutlich, wenn die Opfer auf die Einwohnerzahl bezogen werden (je 100.000 Einwohner der jeweiligen Altersgruppe): Mit Ausnahme von Sexualstraftaten und Handtaschenrauben (bei den ab 60-Jährigen) werden erheblich mehr Männer Opfer einer Straftat. Das Risiko älterer Frauen ab 60 Jahre, Opfer eines Raubes zu werden, ist bei vollendetem Handtaschenraub relativ am höchsten (vgl. Kriminalstatistik 2006).
Tabelle 78: Opfer ausgewählter Straftaten nach Alter 2009
|
|
|
Opfer insgesamt |
60 Jahre und älter |
Opfer pro 100.000 Einwohner nach Alter |
||
|
|
|
|
Anzahl |
in % |
Opfer insgesamt |
60 Jahre und älter |
|
Delikte mit Opfererfassung insgesamt |
vollendet |
884.734 |
47.608 |
5,4 |
|
|
|
versucht |
56.531 |
3.906 |
6,9 |
|
|
|
|
insgesamt |
941.265 |
51.514 |
5,5 |
|
|
|
|
davon: |
|
|
|
|
|
|
|
Mord und Todschlag |
vollendet |
706 |
173 |
24,5 |
0,9 |
0,8 |
|
versucht |
1.983 |
159 |
8 |
2,4 |
0,7 |
|
|
insgesamt |
2.689 |
332 |
12,3 |
3,3 |
1,6 |
|
|
Raub |
vollendet |
44.966 |
4.378 |
9,7 |
55 |
20,6 |
|
versucht |
11.064 |
1.166 |
10,5 |
13,5 |
5,5 |
|
|
insgesamt |
56.030 |
5.544 |
9,9 |
68,5 |
26,1 |
|
|
davon: |
|
|||||
|
Handtaschenraub |
vollendet |
3.150 |
1.685 |
53,5 |
3,9 |
7,9 |
|
versucht |
728 |
328 |
45,1 |
0,9 |
1,5 |
|
|
insgesamt |
3.878 |
2.013 |
51,9 |
4,7 |
9,5 |
|
|
sonst. Raubüberfälle auf Straßen |
vollendet |
18.360 |
1.024 |
5,6 |
22,4 |
4,8 |
|
versucht |
4.924 |
333 |
6,8 |
6 |
1,6 |
|
|
insgesamt |
23.284 |
1.357 |
5,8 |
28,5 |
6,4 |
|
|
Körperverletzung |
vollendet |
575.709 |
24.860 |
4,3 |
703,8 |
117,2 |
|
versucht |
34.062 |
2.097 |
6,2 |
41,6 |
9,9 |
|
|
insgesamt |
609.771 |
26.957 |
4,4 |
745,4 |
127,1 |
|
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2009
Die Zahlen machen insgesamt deutlich, dass mit Ausnahme des mehrfach genannten Handtaschenraubes ältere Menschen objektiv keinen Grund zu haben bräuchten, sich unsicher zu fühlen. Aber allein die Angst davor, bei Raub dem Täter ausgeliefert zu sein, gedemütigt zu werden und möglicherweise auch noch verletzt zu werden, sowie die oftmals fehlende Zivilcourage in der Bevölkerung führen dazu, dass die Kriminalitätsfurcht bei alten Menschen trotzdem am höchsten ist. Damit stehen diese Aussagen zwar im absoluten Gegensatz zur offiziellen Kriminalstatistik, dürfen aber aus Sicht der Kommunalpolitik nicht unberücksichtigt bleiben.
Mehr zu diesem Thema:
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Statistisches Bundesamt (2006): Datenreport 2006, Teil II, Kap.11: Öffentliche Sicherheit und Kriminalitätsbedrohung, Kapitel 11 als PDF
