Mithilfe einer Seniorenbefragung zum Thema (politisches) Vereins- bzw. Verbandsengagement erhält die Kommune konkrete Aussagen über deren aktuelle und zukünftige Interessen und Wünsche im Hinblick auf direkte und indirekte Aktivitäten und Mitwirkung in Vereinen, Verbänden und Organisationen. Neben den Nutzerstrukturen, die es in diesem Zusammenhang zu ermitteln gilt, sollten zusätzlich Angaben zu Ort, Zeit und Umfang gegenwärtiger oder geplanter Mitgliedschaft(en) erhoben werden, um neue Angebote zu überwiegend gewünschten Tageszeiten und an geeigneten Veranstaltungsorten aufbauen zu können.
Mithilfe der Auswertung kann u. a. aufgezeigt werden, in welchen Stadtteilen sich die Nutzer, d. h. die Mitglieder, überwiegend treffen bzw. engagieren. Daraus lässt sich ableiten, wo Vereinsangebote gerne angenommen werden und demnach ausreichend sind und in welchen Stadtteilen aus Sicht der Senioren ggf. weiterer Bedarf an zusätzlichen Möglichkeiten des Engagements besteht.
Dort, wo der Anteil älterer Bürger unter den Mitgliedern von Organisationen niedrig ist, sollte gemeinsam mit den Vertretern der Vereine überlegt werden, wie mehr ältere Menschen gewonnen werden können. Denkbar wären z. B. gezielte Werbeaktionen im Quartier oder eine aktivere Öffentlichkeitsarbeit. Zudem könnte überlegt werden, inwieweit Senioren Starthilfen zur Gründung neuer, für sie interessanter Vereine und Organisationen in ihrem Stadtteil angeboten werden können.
Niedrige Mitgliederzahlen von Senioren und eine geringe Anzahl an aktiven Vereinsmitgliedern über 60 Jahre sind Anzeichen dafür, dass das Angebot an den Wünschen vorbeigeht.
Eine hohe Engagementquote und mehrfache individuelle Vereinstätigkeit von Senioren können auf ein hohes Interesse am Gemeinwohl hindeuten. Diese Menschen treten im Zuge der Ausweitung bzw. Anpassung der Angebote und Strukturen in den unterschiedlichen Organisationen in den Kommunen als Multiplikatoren auf, indem sie z. B. in ihrem persönlichen Umfeld andere zur Mitarbeit animieren.
Die freiwillig Engagierten ab 60 Jahren sind hauptsächlich in Vereinen organisiert. Ein Fünftel gab an, sich kirchlich zu engagieren (vgl. Tabelle 51).
Tabelle 51: Organisationsform der freiwilligen Tätigkeit 2009 (in %)
Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009
Von den 60-jährigen und älteren freiwillig Engagierten, die in mindestens einer Organisation tätig sind, beteiligen sich 63 % (2004) dort aktiv an Gemeinschaftsaktionen. 1999 lag der Wert bei den Aktiven dieser Altersgruppe erst bei 55 %. In der Altersgruppe der 60- bis unter 70-Jährigen geben sogar 70 % an, sich aktiv in ihrem Verein zu engagieren. 37 % der über 60-Jährigen sind dagegen eher als passive Mitglieder zu bezeichnen (vgl. Freiwilligensurvey 1999 und 2004).
Tabelle 52 verdeutlicht, in welchen Tätigkeitsbereichen die Aktivitäten, also die reine Nutzung des Angebotes, und das tatsächliche freiwillige Engagement zwischen 1999 und 2004 zu- bzw. abgenommen haben. Demnach hat die Engagementbereitschaft bei Frauen und Männern z. B. im Bereich Kultur und Musik sowie im sozialen Bereich zugenommen. Abnehmend auf insgesamt niedrigem Niveau ist dagegen das Engagement im Gesundheitsbereich.
Tabelle 52: Aktivität und freiwilliges Engagement nach Geschlecht und Tätigkeitsfeldern 2004 (in %, Mehrfachnennungen, Veränderung gegenüber 1999)

Quelle: BMFSFJ (2005): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004 – Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement (TNS Infratest)
Mit 29 % sind die meisten Älteren im Bereich „Sport und Bewegung“ aktiv, ähnlich viele sind es im Bereich „Freizeit und Geselligkeit“ (26 %). Im Bereich „Kirche und Religion“ sind verhältnismäßig mehr Ältere über 60 Jahre (14 %) als Jüngere (10 %) fleißig.
Das Wachstum in den verschiedenen Bereichen fällt zwischen den Altersgruppen unterschiedlich stark aus: ausgehend vom Stand 1999 gab es bei den ab 60-Jährigen die größten Veränderungen in den Bereichen „Lokales Bürgerengagement“ (+60 %), „Kirche und Religion“ (+38 %) sowie „Soziales“ (+37 %). In allen Bereichen ähneln die Veränderungen bei den jüngeren Senioren denen der älteren. Darüber hinaus stieg bei den jüngeren Senioren die Beteiligung im Sozialbereich stärker als bei den älteren (vgl. Tabelle 53).
Tabelle 53: Beteiligung und Wachstum in verschiedenen Aktivitätsbereichen bei 60-Jährigen und Älteren 2004, und Zu-/Abnahme gegenüber 1999 (in %, Mehrfachnennungen möglich, Summe > 100 %)
|
Aktivitätsbereiche |
2004 |
60-Jährige |
60- bis 69-Jährige |
|
|
Anteil |
Veränderung seit 1999 |
|
|
Sport und Bewegung |
29 |
+21 |
+26 |
|
Freizeit und Geselligkeit |
26 |
+11 |
+4 |
|
Kultur und Musik |
19 |
+26 |
+20 |
|
sozialer Bereich |
15 |
+37 |
+42 |
|
Kirche und Religion |
14 |
+38 |
+39 |
|
Umwelt- und Tierschutz |
9 |
+29 |
+27 |
|
berufliche Interessenvertretung |
7,5 |
+31 |
+36 |
|
Politik/Interessenvertretung |
8 |
+21 |
+11 |
|
lokales Bürgerengagement |
8 |
+60 |
+50 |
|
Jugendarbeit/Bildung |
5 |
+29 |
+22 |
|
Gesundheitsbereich |
5 |
+21 |
+42 |
Quelle: BMFSFJ (2005): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004 - Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement (TNS Infratest)
Der Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009 liefert weitgehend entsprechende Daten für die Altersgruppe ab 65 Jahre insgesamt:
Tabelle 53a: Beteiligung in verschiedenen Aktivitätsbereichen bei über 65-Jährigen und Älteren 2009
|
|
Anteil in % |
|
Sport und Bewegung |
6,4 |
|
Freizeit und Geselligkeit |
4,4 |
|
Kultur, Kunst, Musik |
4,7 |
|
Sozialer Bereich |
6,8 |
|
Kindergarten und Schule |
1,5 |
|
Religion und Kirche |
7 |
|
Berufliche Interessenvertretung |
1,1 |
|
Natur- und Tierschutz |
3,1 |
|
Jugendarbeit und Erwachsenenbildung |
1 |
|
Lokales Bürgerengagement |
2,1 |
|
Freiwillige Feuerwehr und Rettungsdienste |
0,6 |
|
Politische Interessenvertretung |
2,5 |
|
Gesundheit |
2,7 |
|
Kriminalitätsprobleme |
0,3 |
Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009
Der Zeitaufwand, den über 60-Jährige für die Ausübung ihrer freiwilligen Tätigkeiten betreiben, hat von 1999 bis 2004 insgesamt zugenommen. 4 % mehr als 1999 geben an, mehrmals die Woche die besagte Aktivität auszuüben. 43 % gaben an, einmal die Woche bzw. mehrmals im Monat dem Engagement nachzukommen (vgl. Tabelle 54).
Tabelle 54: Häufigkeit der beschriebenen freiwilligen Tätigkeiten der ab 60-Jährigen

Quellen: TNS Infratest Sozialforschung 2005: Freiwilligensurveys 1999 und 2004; Freiwilligensurvey 1998: 93ff
Der Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009 gibt an, wie viel Zeit pro Woche mit freiwilligen Tätigkeiten verbracht wird und wie hoch das hierfür monatlich zur Verfügung stehende Zeitbudget im Durchschnitt ist:
Tabelle 54a: Wöchentlicher Zeitaufwand (Anteil der engagierten Personen in %)
Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009
Tabelle 54b: Durchschnittliches monatliches Zeitbudget 2009
Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009
Die bevorzugten Tageszeiten, zu denen die älteren Bürger ihren freiwilligen Tätigkeiten nachgehen, sind mit jeweils rund 30 % die Abende oder die Nachmittage an Werktagen. 19 % legen ihre Aktivitäten auf den Vormittag; zu dieser Tageszeit sind demnach doppelt so viele Ältere aktiv wie in den jüngeren Altersgruppen. Diese wiederum sind mit über einem Drittel deutlich stärker an Wochenenden engagiert, hingegen nur 23 % bei den über 60-Jährigen (vgl. Tabelle 55). Diese Ergebnisse können helfen, geeignete Tageszeiten für neue Aktivitäten festzulegen.
Tabelle 55: Tageszeiten, zu denen beschriebene freiwillige Tätigkeiten ausgeübt werden, 2004 (Mehrfachnennungen)

Quellen: TNS Infratest Sozialforschung 2005: Freiwilligensurveys 1999 und 2004; Freiwilligensurvey 1998
Tabelle 56 zeigt, dass grundsätzlich in allen Altersgruppen die Zeitspanne für ein und dasselbe Engagement geringer geworden ist, d. h. dass man sich offenbar eher für kürzere Zeiträume für eine Sache engagiert und sich dann neuen Aufgaben widmet. In der Altersgruppe der 60-Jährigen und Älteren ist die Dauer des Engagements inzwischen relativ ausgeglichen. So engagieren sich jeweils ein Drittel von ihnen bis zu 5 Jahre, zwischen 6 und 15 Jahren bzw. 15 Jahre und länger.
Tabelle 56: Wie lange wird die freiwillige Tätigkeit bereits ausgeübt?

Quellen: TNS Infratest Sozialforschung 2005: Freiwilligensurveys 1999 und 2004
Im Jahr 2009 ergeben die Daten zum Alter der engagierten Personen und zur dauer des Engagements folgendes Bild:
Tabelle 56a: Dauer des Engagements 2009:
Quelle: BMFSFJ, Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009
Mehr zu diesem Thema:
- Statistisches Bundesamt (2006): Datenreport 2006, Teil I, Kap. 7: Gesellschaftliche Mitwirkung, Teilbericht als PDF
- Statistisches Bundesamt (2006): Datenreport 2006, Teil II, Kap. 20: Politische Integration und politisches Engagement, Teilbericht als PDF
- BMFSFJ (2005): Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999–2004, Bericht als PDF (Langfassung)
