Indikator 2.4 B
Beratungs- und Informationsstrukturen

Eine wesentliche kommunale Aufgabe besteht darin, gemeinschaftsfördernde Infrastrukturen aufzubauen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Um mehr Transparenz über die vorhandenen seniorenspezifischen Angebote und Dienstleistungen herzustellen, kann die Einrichtung einer Beratungs- und Informationsplattform (z. B. in Form eines zentralen Büros) eine geeignete Maßnahme sein. So können sich die Bürger über existierende Angebote und deren Nutzung kompetent informieren.

Eine geeignete Möglichkeit einer solchen Plattform sind Seniorenbüros: In einem Seniorenbüro werden alle Aktivitäten, die von und für Senioren in der Kommune angeboten werden, gebündelt. Senioren finden hier Beratung und Information zu sämtlichen Themen, die für sie relevant sein könnten. Die Koordination dieser Büros kann in der Regel durch eine Kombina-tion von hauptamtlichen und freiwilligen Mitarbeitern gewährleistet werden.

In Kooperation mit Seniorenbüros werden von diversen Anbietern und Einzelpersonen z. B. folgende Projekte und Ideen (mit)initiiert oder koordiniert:

  • Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements und Aufzeigen konkreter Mitwirkungsmöglichkeiten zur Weiterentwicklung der Altenpolitik, u. a. durch die Durchführung von aktivierenden Befragungen und die Initiierung neuer Beteiligungsverfahren wie Zukunftswerkstätten und anderen Modellen (politischer) Selbstorganisation
  • Förderung von Akzeptanz und Aufgeschlossenheit privater und öffentlicher Institutionen für bürgerschaftliche Kooperationsformen
  • gegenseitiger Informationsaustausch und Kommunikation über Themen, Projekte und Möglichkeiten der Bürgermitwirkung
  • Projekte, die durch professionelle oder selbst organisierte Tätigkeiten zur Gestaltung eines aktiven, selbstbestimmten Lebens im Alter beitragen, wie z. B. Angebote zur Erleichterung des Übergangs in den Ruhestand, nachberufliche Tätigkeitsfelder zur Einbindung von Erfahrungswissen, Freizeitgestaltung/Freizeitwünsche, Bildungsangebote (z. B. Seniorenstudium)
  • Projekte, die generationsübergreifende Ideen verfolgen,
  • Maßnahmen, die der Altenerholung im Sinne einer Förderung der „Eigendynamik“ der individuellen Interessen und neuer Erfahrungs- und Kontaktmöglichkeiten dienen, wie z. B. Reise- und Erholungsangebote, Sport und körperliche Aktivitäten, interessen- und hobbybezogene Angebote
  • Förderung des Denkens über Verbandsinteressen hinaus und Aufbau von Netzwerken, z. B. zur Bewältigung von Alltagsproblemen
  • gemeinsame Planung und Abstimmung für die Qualifizierung von haupt-, nebenamtlichen- und nichtprofessionellen Kräften auf der örtlichen Ebene
  • Gemeinwesenorientierung bei der Weiterentwicklung vorhandener und beim Aufbau neuer Hilfen

bis Untersuchungen haben ergeben, dass Kontakt- und Beratungsangebote in den Kommunen, insbesondere solche für freiwilliges Engagement, noch zu wenig bekannt sind. Von den über 60-jährigen Engagierten, die angeben, politisch interessiert zu sein, haben fast zwei Fünftel noch nie etwas von entsprechenden Angeboten in ihren Kommunen gehört. Dieses Ergebnis lässt darauf schließen, dass die kommunalen Angebote nicht ausreichend öffentlich bekannt gemacht werden. Etwas mehr als die Hälfte kennt die Angebote zwar, hat diese aber bisher noch nicht genutzt. Das könnte ein Beleg dafür sein, dass die Angebote an den Interessen der Bürger vorbeigehen (vgl. Tabelle 48).

Tabelle 48: Bekanntheit von Kontakt- und Beratungsstellen für freiwilliges Engagement, in %

Quelle: TNS Infratest Sozialforschung 2005: Freiwilligensurveys 1999 und 2004

bis Die Mehrheit der Senioren, die Kontakt- und Beratungsstellen kennen, bekundete kein Interesse, diese auch aufzusuchen. Jedoch hat der Anteil der Interessierten unter den 60- bis 69-Jährigen leicht zugenommen (vgl. Tabelle 49).

Tabelle 49: Kenntnis von Kontakt- und Beratungsstellen für freiwilliges Engagement bzw. am Kontakt interessiert, in %

Quelle: TNS Infratest Sozialforschung 2005: Freiwilligensurveys 1999 und 2004

Wohnberatung und Wohnungsanpassung

Ein wesentliches Beratungsangebot stellt auch jenes der Wohnberatung und Wohnungsanpassung dar. Träger dieser Angebote können u. a. Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften, Kommunen und Wohlfahrtsverbände sein. Außerdem bietet es sich an, dieses Beratungsangebot an ein Seniorenbüro anzugliedern bzw. in ein solches zu integrieren.
Das wesentliche Ziel dieser Beratungsform ist die Erhaltung der selbstständigen Lebensführung in eigener Häuslichkeit – auch bei körperlichen Einschränkungen. Dadurch soll ein ungewollter Umzug ins Pflegeheim möglichst vermieden oder aber hinausgezögert werden.
Wohnberatung und Wohnraumanpassung gelten als ambulante präventive Maßnahmen. Damit sollen sie zur Kostenersparnis beitragen. Die Pflegekassen übernehmen in der Regel nach Prüfung durch den MDK die Kosten für Wohnanpassungsmaßnahmen.

Wohnberatung sollte folgende Leistungen umfassen:

  • Beratung bei der Wohnungsausstattung und beim Wohnungserhalt, z. B. bei der Optimierung der räumlichen Einrichtung mit technischen Hilfsmitteln und/oder bei Umbauten in der Wohnung/im Haus
  • Beratung bei Fragen zur Finanzierung und Antragstellung
  • Beratung und Vermittlung von passenden Wohnformen (z. B. Altenwohnungen und barrierefreie Wohnungen)
  • Umzugsmanagement
  • Beratung über ambulante und alltagsbezogene Dienste
  • Beratung bei der Unterbringung in einer geeigneten Pflegeeinrichtung

 

Von einer zugehenden Beratung sollen insbesondere Alleinstehende und Verwitwete profitieren.

Es ist davon auszugehen, dass der Anteil älterer Bürger, die in Zukunft umziehen werden, steigen wird. Tendenziell sind sie dabei an kleineren Wohneinheiten interessiert. Ein Hauptgrund für den Umzug in kleinere oder barrierefreie Wohnungen ist es, länger die Selbstständigkeit erhalten zu können. Angesichts des wachsenden Bedarfs an kleineren Wohneinheiten sind entsprechende Um- oder Neubaumaßnahmen zu bedenken.

Was Wohnalternativen zum privaten Wohnen für Ältere betrifft, gibt es kaum verbindliche Informationen (vgl. Indikator 3.5 B). Um die notwendige Transparenz unter den Angeboten herzustellen, sind daher alle existierenden Wohnberatungsangebote zur Erhaltung des bisherigen privaten Wohnraums hilfreich.

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