Indikator 2.1
Bürgerschaftliches Engagement

Der Begriff „Bürgerengagement“ wird laut Enquete-Kommission „Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“ folgendermaßen charakterisiert:

  • freiwillig
  • nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet
  • gemeinwohlorientiert
  • öffentlich bzw. im öffentlichen Raum stattfindend
  • in der Regel gemeinschaftlich ausgeübt

In vielen Kommunen können ohne bürgerschaftliches Engagement bereits heute öffentliche Einrichtungen wie z. B. Sportvereine, Schwimmbäder, Bibliotheken oder Altentagesstätten nicht mehr erhalten werden.

Aufgabe der Kommune ist es, das Potenzial älterer Menschen zu aktivieren und kommunale Einrichtungen (Schulen, Senioreneinrichtungen) hierfür zu öffnen.

Eine geeignete kommunale Fördermöglichkeit ist die Gründung sogenannter Ehrenamts- oder Freiwilligenagenturen, in denen die Freiwilligenarbeit koordiniert und weiterentwickelt wird. Eine andere hierfür geeignete Organisationsform stellen sogenannte Seniorenbüros dar.

Nicht genutztes bürgerschaftliches Engagement kann durch eine aktivierende Befragung erfasst werden, in der nach den Möglichkeiten des Engagements und auch nach den präferierten Engagementbereichen gefragt wird. Hier ein kommunales Beispiel, das die Möglichkeiten zur Engagementsteigerung im Rahmen eines seniorenpolitischen Konzeptes skizziert.

Von kommunaler Seite sind folgende Voraussetzungen hilfreich:

  • Bereitstellung finanzieller Mittel
  • Übernahme von Raum-, Sach- und Reisekosten
  • Gewährleistung des Versicherungsschutzes der freiwilligen Kräfte

Ein geeigneter Zeitpunkt zur Ansprache Älterer kann die Pensionierung mit einem motivierenden Brief des/der Bürgermeister*in eine wichtige Maßnahme sein.

Die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Zudem zeigen die Ergebnisse der vergangenen Freiwilligensurveys, dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Eine Vielzahl von den Senioren, die sich bereits freiwillig engagieren, wären bereit das Engagement auszuweiten. Von den Senioren, die sich nicht engagieren, könnte sich 1/5 vorstellen ein Engagement anzutreten.

Folgende Besonderheiten sind im Planungsprozesses zu berücksichtigen:

  • Frauen über 65 Jahre engagieren sich weniger als Männer dieser Altersgruppe
  • die Engagementbereitschaft ist häufig von der Haushaltsgröße abhängig. Ältere Personen, die alleine wohnen, zeigen eine deutlich geringere Bereitschaft zum Engagement als die, die in Zwei- oder Mehrpersonenhaushalten leben
  • je höher der erreichte Bildungsgrad, desto größer sind die Anteile der aktiv Engagierten in den Altersgruppen
  • mit steigendem Haushaltseinkommen nimmt der Anteil der freiwillig engagierten Senioren zu

Um die Potenziale für ehrenamtliches Engagement und Teilhabe älterer Menschen einschätzen zu können, sollte auch eine geschlechtsspezifische Differenzierung erfolgen: Frauen und Männer zeigen bis ins hohe Alter in ihren Engagementformen unterschiedliche Interessen:

  • Männer engagieren sich häufiger in sogenannten politischen Ehrenämtern (Vorständen, Beiräten)
  • Frauen konzentrieren sich vermehrt auf das soziale Ehrenamt, d. h. auf die unmittelbare Arbeit mit und für Hilfebedürftige (Besuchsdienste, Alltagshilfen für Kranke)
  • Männer engagieren sich überwiegend in Bereichen, die öffentlich anerkannt und mit Prestige und Einfluss verbunden sind (z. B. Engagement in der Politik)
  • Frauen dagegen sind im Rahmen ihrer Freiwilligenarbeit vielmehr in unauffällige, verborgene, alltägliche und unmittelbar menschliche Alltagsbeziehungen eingebettet

 

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