GESUNDHEIT UND PFLEGE

Zwar steigt mit zunehmendem Alter das Risiko krank und pflegebedürftig zu werden an, doch darf das Alter nicht zwangsläufig mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit verbunden werden.

Laut Alterssurvey 2014 hat sich die funktionale Gesundheit bei 66-71jährigen seit 2002 kontinuierlich verbessert und bei den 42-65jährigen dagegen verschlechtert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Menschen mit zumindest leichten depressiven Symptomen. 

Das Krankheitsbild im Alter ist oftmals durch gleichzeitiges Auftreten verschiedener chronischer Erkrankungen (Multimorbidität) gekennzeichnet. Insbesondere sind die körperlichen Einschränkungen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krankheiten des Bewegungsapparates zu erklären. Über 50 % der Menschen im Alter von 60 Jahren und älter leiden unter chronischen Krankheiten. Vor allem im sehr hohen Alter kommen zusätzlich vermehrt Demenzerkrankungen hinzu. 

Pflegebedürftigkeit im Alter ist oft eine Folge chronischer Erkrankungen sowie Multimorbidität und ist häufig an Hochaltrigkeit gebunden. Daraus resultiert u. a., dass in den Alten- und Pflegeheimen fast ausschließlich auch nur sehr alte Menschen wohnen.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach Vorausberechnungen in den nächsten Jahren stark ansteigen. So wird ein Anstieg von 2,65 Millionen pflegebedürftiger Menschen im Jahr 2015, auf 3,37 Millionen im Jahr 2030 erwartet. Dieser Anstieg der Pflegebedürftigkeit macht eine verstärkte Inanspruchnahme von stationären Pflegeleistungen bzw. neuer Wohnformen sehr wahrscheinlich. Wie hoch dieser Zulauf aussehen wird, ist im hohen Maße von der Entwicklung des familiären Pflegepotenzials abhängig.

Kommunen leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege und zur Vermeidung von Pflege, zum Beispiel durch

  • die Altenhilfe,

  • die Hilfe zur Pflege, die bei finanzieller Bedürftigkeit die Leistungen der Pflegeversicherung aufstockt,

  • die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen,

  • Beratungs- und Koordinierungsstellen für Ältere, Pflegebedürftige und Angehörige,

  • familienentlastende und familienunterstützende Hilfen,

  • die Förderung bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements,

  • die rechtliche Betreuung.

Ein wichtiges Ziel hierzu ist es, pflegebedürftigen Menschen den Verbleib in der häuslichen Umgebung und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Den Kommunen obliegt die Verantwortung für die Vorhaltung bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen. Bei der Planung bedarfsgerechter Hilfeangebote für Pflegebedürftige und zur Unterstützung der Pflegepersonen sind die Abstimmung mit den angrenzenden Angeboten aus dem Gesundheitswesen, zu denen die Bereiche Prävention und Rehabilitation gehören, und der offenen Altenhilfe entscheidend. Pflegeplanung muss daher grundsätzlich über die ambulanten, teil- und vollstationären Pflegeangebote hinausgehen. Nur auf die dargestellte Weise lassen sich auf die jeweils individuellen Bedarfssituationen bezogene Pflegearrangements in die Planungsüberlegungen einbeziehen. Kommunale Pflegeplanung ist somit auch immer ein Baustein der Seniorenplanung.

Mithilfe dieses Zusammenspiels ist die Entstehung einer vernetzten und aufeinander abgestimmten Beratungsstruktur, die Verzahnung professioneller, familialer und ehrenamtlicher Pflegestrukturen sowie eine Verbindung von Bereichen der Pflege und der Gesundheitsversorgung mit weiteren Bereichen der Sozialversorgung in der Kommune möglich.