Indikator 5.7
Ärztliche Versorgung

Dieser Indikator liefert Daten zur Anzahl und Struktur der örtlichen Arztpraxen, differenziert nach medizinischen Fachgebieten. Es geht darum, mögliche Versorgungslücken oder -überhänge zu identifizieren, um in Zusammenarbeit mit den Kassenärztlichen Vereinigungen rechtzeitig intervenieren zu können.

Die wesentlichen Aufgaben der Ärzte bestehen darin, zu heilen, zu beraten und zu vermitteln. Insbesondere der Punkt Beratung ist bei der ärztlichen Versorgung wichtig, da hier aktive Gesundheitsförderung und Prävention betrieben werden kann, die letztlich mögliche Pflegekosten verhindern oder hinauszögern können. Für die Seniorenplanung wichtig sind vor allem die Hausärzte, da sie auch Hausbesuche machen, sowie u. a. Internisten und Neurologen, wenn es um das frühzeitige Erkennen demenzieller Veränderungen geht.

Eine gute Versorgung mit Hausärzten im Quartier, die sich auf die Veränderung der Patientenstruktur eingestellt haben und bei Bedarf regelmäßig Hausbesuche anbieten, sowie deren gute Erreichbarkeit können als Indiz für die subjektive Zufriedenheit älterer Menschen in ihrer Wohnumgebung gewertet werden.

Durch Hausbesuche erhält ein Hausarzt zudem die Chance, Informationen an jene hilfe- und pflegebedürftigen älteren Patienten weiterzugeben, die im Rahmen der kommunalen Seniorenarbeit sonst nicht erreicht werden. Ärzte können somit als Multiplikatoren fungieren und gezielt Hinweise und Angebote an bestimmte Problemgruppen vermitteln (z. B. zu Selbsthilfegruppen, Diabetesberatung oder gesundheitsförderlichen Angeboten).

Eine schlechte Versorgungsquote mit Allgemein- und Fachärzten kann insgesamt darauf hindeuten, dass die Kommune für diese Ärztegruppen nicht attraktiv genug ist, um sich hier niederzulassen. Die ärztliche Versorgung der älteren Bevölkerung wäre dann nicht dauerhaft gesichert, sodass Ärzte außerhalb der Kommune aufgesucht werden müssten. Damit geht der Kommune auch Wirtschaftskraft verloren. Vor diesem Hintergrund sollte bei der Ärztekammer dafür geworben werden, dass es sich für Ärzte lohnen kann, sich in einer Kommune niederzulassen, in der durch die steigenden Anteile älterer Bevölkerungsgruppen der medizinische Bedarf nicht mehr gedeckt wird.

Ferner sollte innerhalb der Kommune anhand von Daten untersucht und in Abwägung aller relevanten Interessen entschieden werden, ob eine kleinräumige Verteilung der Ärzte über das Stadtgebiet favorisiert wird oder ob man für eine gute medizinische Infrastruktur im Zentrum werben sollte (z. B. Arztzentrum i. S. v. Polikliniken, ambulantes Reha-Zentrum). In diesem Fall muss die optimale ÖPNV-Anbindung an alle Stadtteile gewährleistet sein.

bisDie Anzahl der von den Kassenärztlichen Vereinigungen zugelassenen Ärzte steigt seit Jahren kontinuierlich an. 2014 sind insgesamt 143.635 Ärzte zugelassen, das sind 8 % mehr als noch 2010. Während bei fast allen Facharztgruppen die Anzahl gegenüber 2010 gestiegen ist, ist der Anteil der praktischen Ärzte um 17,4 % zurückgegangen und der der Allgemeinärzte um 0,8 %.

bis2014 kamen rein rechnerisch auf jeden Arzt 565 Einwohner, 2009 zuvor waren dies noch 597, was theoretisch eine Verbesserung des Versorgungsschlüssels bedeutet. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede in der ärztlichen Versorgung.

bisDie meisten der von der Kassenärztlichen Vereinigung zugelassenen Ärzte sind Ärzte mit eigener Praxis.

Medizinische Versorgungszentren

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen für eine fachübergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher medizinischer Fachgebiete. Durch die enge Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligten und eine gemeinsame Verständigung über Krankheitsverlauf, Behandlungsziele und Therapie bieten sie eine besondere medizinische Versorgungsqualität.

MVZ eignen sich für die Kooperation mit sonstigen Leistungserbringern, wie z. B. ambulanten Pflegediensten oder Therapeuten. Somit können u. a. Teilschritte der Versorgungskette miteinander verzahnt, Medikationen aufeinander abgestimmt und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Ein weiteres Ziel der MVZ ist es, jungen Ärzten die Chance zu geben, im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses in der ambulanten Versorgung tätig zu sein, ohne die ökonomischen Risiken einer eigenen Praxis tragen zu müssen. Damit soll ein Beitrag zur Schließung lokaler Versorgungslücken in Kommunen geleistet werden. Die Zulassung der MVZ erfolgt innerhalb der Grenzen der vertragsärztlichen Bedarfsplanung, ist also nur dann möglich, wenn in der Planungsregion keine Überversorgung gegeben ist.

Durch die gemeinsame Nutzung von Verwaltung, Medizintechnik und technischen Einrichtungen sowie durch Koordinierung und Konzentration der Behandlungen werden Wirtschaftlichkeitspotenziale erschlossen. Ein MVZ ermöglicht zudem eine Entlastung der Ärzte von nichtärztlichen Aufgaben, sodass u. a. mehr Zeit für die medizinische Arbeit und die Weiterqualifizierung bleibt.

bis Am 31.12.2013 gab es in Deutschland laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung 2.006 MVZ, die meisten davon in den Flächenländern Bayern und Niedersachsen. Die Anzahl der MVZ ist seit 2006 kontinuierlich gestiegen, allein seit 2010 um 394. Beinahe die Hälfte der Zentren (46,8 %) entfällt auf Kernstädte, lediglich 14,9 % finden sich in ländlichen Gemeinden. In den MVZ arbeiten insgesamt 12.788 Ärzte, von denen mehr als vier Fünftel als Angestellte beschäftigt sind. Im Durchschnitt arbeiten 6,4 Ärzte in einem MVZ zusammen, darunter insbesondere Hausärzte, Internisten und Chirurgen.

Durch den demografischen Wandel nimmt auch die Heterogenität der Patienten zu, wie z. B. ältere Migranten, ältere Behinderte und insbesondere von Alterserkrankungen wie Demenz Betroffene. Darauf müssen sich sowohl die Ärzte als auch die nichtärztlichen Gesundheitsberufe einstellen und sich entsprechend weiterqualifizieren. Die medizinische Versorgung muss verstärkt an den geriatrischen Bedarfen ausgerichtet werden.

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