Indikator 5.6
Häusliches Pflegepotenzial

Der Indikator gibt darüber Auskunft, inwieweit die pflegerische Versorgung von Angehörigen vor Ort geleistet werden kann. Wenn die Anzahl derjenigen, die ambulante Leistungen in Anspruch nehmen, hoch ist, kann daraus geschlossen werden, dass das häusliche Pflegepotenzial gering ist. In diesem Fall muss dafür Sorge getragen werden, dass ausreichend ambulante Dienste vor Ort sind.

Ursachen für ein niedriges häusliches Pflegepotenzial können sein:

  • der Pflegebedürftige hat keine Angehörigen
  • Angehörige (Partner/in und/oder Kind/er) sind berufstätig
  • Angehörige leben weit entfernt vom Wohnort des zu Pflegenden
  • die Bereitschaft, den Angehörigen (Mutter/Vater) zu pflegen bzw. von dem Angehörigen gepflegt zu werden, ist nicht gegeben

Hinzu kommt, dass pflegende Angehörige, insbesondere (Schwieger-)Töchter, bedingt durch Berufstätigkeit und/oder durch die parallele Betreuung der Kinder, einer Doppel- bzw. Dreifachbelastung unterliegen.

Ende 2013 wurden mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen (71 % bzw. 1,86 Millionen) zu Hause versorgt. Davon erhielten 1.246.000 Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, was bedeutet, dass sie in der Regel zu Hause allein durch Angehörige versorgt wurden.

bis Der Bedarf an institutionellen sowie informellen Unterstützungsleistungen ist in entscheidendem Maße abhängig von dem Haushaltsstatus des zu Pflegenden sowie seiner Eingebundenheit in ein soziales Netzwerk. Ältere Frauen leben überwiegend in Einpersonenhaushalten, wohingegen Männer der gleichen Altersgruppe noch mit ihren Partnerinnen zusammenleben. Folglich ist der Bedarf an Unterstützungsleistungen von Dritten bei älteren Frauen höher einzuschätzen als bei älteren Männern.

bis Die Familie, insbesondere die Töchter und Schwiegertöchter, pflegen ihre Angehörigen oft jahrelang und nehmen dafür selbst soziale Isolation und gesundheitliche Schäden in Kauf. Die Entlastung pflegender Angehöriger stellt einen wesentlichen Faktor bei der Entwicklung wirksamer Versorgungssysteme dar.

Hauptsächliche Nutzer professioneller Sachleistungen der Pflegeversicherung:

 

Nutzer, die überwiegend professionelle Pflegeleistungen in Anspruch nehmen

  • Haushalte mit Pflegebedürftigen mit höherer Pflegestufe bzw. mit intensivem medizinischem Behandlungs-/Versorgungsbedarf
  • alleinlebende Pflegebedürftige/Pflegebedürftige mit nicht ständig verfügbarer privater Hauptpflegeperson 
    bis Haushalte mit nicht privat kompensierbaren besonderen Bedarfslagen
  • Haushalte mit hohem Einkommen

Weniger relevant sind dagegen:

  • regionale Faktoren (Ost/West bzw. Stadt/Land)
  • soziale Schicht und „Bildungsmilieu“
  • Art des Pflegebedarfs (rein körperlich oder im Verbund mit kognitiven Defiziten/Demenz)
  • Belastung der Hauptpflegeperson durch zusätzliche Aufgaben, die neben der Pflege anstehen
 

bis In fast drei Viertel der Fälle aller Haushalte mit Pflegebedürftigen ist die Hauptpflegeperson weiblich. Die Hauptpflegeperson gehört darüber hinaus zu 60 % zur Altersgruppe der über 55-Jährigen. Über zwei Drittel aller Hauptpflegepersonen sind verheiratet. 60 % sind nicht (mehr) erwerbstätig. Aus diesen Informationen kann geschlossen werden, dass vornehmlich der Partner oder ein Elternteil versorgt wird; es könnte aber genauso gut auch ein Nachbar sein, der gepflegt wird. Gut ein Viertel der Hauptpflegepersonen ist im Alter zwischen 40 und 54 Jahren. Bei diesem Personenkreis kann davon ausgegangen werden, dass mindestens ein Elternteil versorgt wird. So ist hier bei einer zusätzlichen Versorgung der eigenen Familie sowie durch mögliche Berufstätigkeit von einer Mehrfachbelastung auszugehen.

Mehr zu diesem Thema:

  • Bundesministerium für Gesundheit - Hilfe für angehörige
  • Landesstelle Pflegende Angehörige NRW - im Kuratorium Deutsche Altershilfe: Was ist wenn...? - 24 Fragen zum Thema Häusliche Pflege: Bericht als PDF