Indikator 5.5
Stationäre/teilstationäre Pflegeinfrastruktur

  • Aus den Informationen über den zukünftigen Pflegebedarf und den Bestand an stationären/ teilstationären Pflegeangeboten sowie ggf. den Aussagen einer Nutzerbefragung kann eine effiziente und bedarfsgerechte kommunale Pflegeplanung abgeleitet werden.

Definition Stationäre Pflege
Zu den Einrichtungen der stationären Pflege gehören das Altenwohnheim, das Altenheim und die Pflegeheime (evtl. Spezialisierungen). Die Krankenhausbehandlung erfolgt zwar auch stationär, z. B. in einer gerontopsychiatrischen Abteilung, wird aber nicht zur „stationären Pflege“ gezählt, weil sie nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend erfolgt.

Vollstationäre Pflege kommt dann in Frage, wenn die häusliche Pflege längerfristig nicht ausreichend möglich ist. Bedingt durch das Prinzip der Pflegeversicherung –„ambulant vor sta­tionär“ – leben immer weniger nicht-pflegebedürftige ältere Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen.

Definition Teilstationäre Pflege

  • Kurzzeitpflege“ bedeutet eine vorübergehende Unterbringung in einem (Pflege-)Heim, um z. B. einer privaten Pflegeperson den Urlaub zu ermöglichen.
  • Tages-“ oder „Nachtpflege“ ist ein ergänzendes Angebot für kurzzeitige Hilfe in einem Pflegeheim, wenn z. B. bei einem Teil der Pflege zu Hause private Pflegepersonen temporär ausfallen. In der anderen Tageshälfte findet die Pflege aber zu Hause statt.

Bei Prognosen zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in der Kommune sollte darauf geachtet werden, in welchen Ortsteilen kurzfristig Bedarfe nicht gedeckt werden können, mittelfristig der Bedarf an stationären Angeboten zunehmen könnte und wo der Bedarf bereits gedeckt ist bzw. ein Überangebot besteht. Ursachen für lange Wartelisten bzw. hohe Leerstände sind zu untersuchen und dem Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ggf. entgegenzusteuern.

bis2013 gab es rund 13.000 Pflegeheime in Deutschland, die insgesamt über 903.000 Plätze verfügen. Bei der großen Mehrheit dieser Plätze (94 %) handelt es sich um Dauerpflegeplätze, die den Angaben zufolge zu 89 % belegt sind. Die Anteile der Kurzzeit-, Tagespflege- und Nachtpflegeplätze sind dagegen gering. Nachtpflege scheint in den Einrichtungen nach wie vor eine geringe Rolle zu spielen.

bisEnde 2013 sind in den rund 13.000 Pflegeheimen 685.000 Mitarbeiter beschäftigt, davon arbeiten 30 % in einem Vollzeit- und über 62 % in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis. In der Pflege sind überwiegend examinierte Altenpfleger und Krankenschwestern/-pfleger beschäftigt. Zwei Drittel aller Mitarbeiter sind im Tätigkeitsbereich "Pflege und Betreuung" beschäftigt. 17 % arbeiteten in der Hauswirtschaft und rund 4 % der Mitarbeiter sind für den Bereich "Soziale Betreuung" zuständig.

Sollte sich im Rahmen der Pflegeplanung herausstellen, dass zukünftig ein erhöhter Pflegeplatzbedarf vor Ort erforderlich wird, könnte dies in der Folge auch zu einer Nachfrage nach (qualifiziertem) Pflegepersonal führen. Daher sollten in der Kommune in Kooperation mit den Trägern entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

bisDie Pflegeheime befinden sich zu über der Hälfte in freigemeinnütziger Trägerschaft, 41 % werden von privaten Trägern geführt. Öffentliche Träger haben, wie auch im ambulanten Bereich, den geringsten Anteil (5 %).

Im Schnitt werden in den Pflegeeinrichtungen 63 pflegebedürftige Personen versorgt (2013), wobei die Anzahl bei den privaten Anbietern mit 56 Pflegebedürftigen am niedrigsten liegt, bei den öffentlichen Trägern mit 77 am höchsten.

bis Die Verweildauer in stationären Altenpflegeeinrichtungen ist in den letzten Jahren insgesamt rapide gesunken, zum Teil auf unter ein Jahr, wobei es auch erhebliche regionale Unterschiede gibt.

Vor dem Hintergrund, dass alte Menschen ohne Angehörige zum Sterben nicht mehr ins Heim möchten, aber auch nicht länger in der eigenen Wohnung versorgt werden können, sollten Konzepte der Sterbebegleitung und der Ausbau von Hospizen und palliativen Angeboten gefördert werden, die z. B. an eine stationäre Altenpflegeeinrichtung angegliedert sein können.

Mehr zu diesem Thema:

  • Statistisches Bundesamt (2015): Pflegestatistik 2013 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung – Deutschlandergebnisse, Bericht als PDF
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) (2007): Kommunale Pflegeplanung – Empfehlungen zur praktischen Umsetzung