Indikator 5.5 B
Stationäre/teilstationäre Pflegeinfrastruktur

Aus den Informationen über den zukünftigen Pflegebedarf und den Bestand an stationären/ teilstationären Pflegeangeboten sowie ggf. den Aussagen einer Nutzerbefragung kann eine effiziente und bedarfsgerechte kommunale Pflegeplanung abgeleitet werden.

Definition Stationäre Pflege:
Zu den Einrichtungen der stationären Pflege gehören das Altenwohnheim, das Altenheim und die Pflegeheime (evtl. Spezialisierungen). Die Krankenhausbehandlung erfolgt zwar auch stationär, z. B. in einer gerontopsychiatrischen Abteilung, wird aber nicht zur „stationären Pflege“ gezählt, weil sie nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend erfolgt.

Vollstationäre Pflege kommt dann in Frage, wenn die häusliche Pflege längerfristig nicht ausreichend möglich ist. Bedingt durch das Prinzip der Pflegeversicherung –„ambulant vor sta­tionär“ – leben immer weniger nicht-pflegebedürftige ältere Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen.

Definition Teilstationäre Pflege:

  • Kurzzeitpflege“ bedeutet eine vorübergehende Unterbringung in einem (Pflege-)Heim, um z. B. einer privaten Pflegeperson den Urlaub zu ermöglichen.
  • Tages-“ oder „Nachtpflege“ ist ein ergänzendes Angebot für kurzzeitige Hilfe in einem Pflegeheim, wenn z. B. bei einem Teil der Pflege zu Hause private Pflegepersonen temporär ausfallen. In der anderen Tageshälfte findet die Pflege aber zu Hause statt.

Bei Prognosen zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in der Kommune sollte darauf geachtet werden, in welchen Ortsteilen kurzfristig Bedarfe nicht gedeckt werden können, mittelfristig der Bedarf an stationären Angeboten zunehmen könnte und wo der Bedarf bereits gedeckt ist bzw. ein Überangebot besteht. Ursachen für lange Wartelisten bzw. hohe Leerstände sind zu untersuchen und dem Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ggf. entgegenzusteuern.

bis2009 gibt es 11.634 Pflegeheime in Deutschland, die insgesamt über 845.007 Plätze verfügen. Damit hat die Anzahl an Pflegeheimplätzen gegenüber 2007 um 5,8 % zugenommen. Bei der großen Mehrheit dieser Plätze (über 95 %) handelt es sich um Dauerpflegeplätze, die den Angaben zufolge zu 86,6 % belegt sind. Die Anteile der Kurzzeit-, Tagespflege- und Nachtpflegeplätze sind dagegen gering. Nachtpflege scheint in den Einrichtungen nach wie vor eine geringe Rolle zu spielen. Demgegenüber hat die Anzahl der Tagespflegeplätze um 20,2 % zugenommen (vgl. Tabelle 95).

Tabelle 95: Art der Pflegeheime nach Anzahl/Anteil der verfügbaren Plätze (Stand: 15.12.2009)

 

Anzahl

Anteil

Veränderung zu 2007 in %

Auslastung der

 verfügbaren Plätze in %

Anzahl Pflegeheime

11.634

 

+5,5

 

verfügbare Plätze insgesamt

845.007

100 %

+5,8

 

davon Anzahl der Plätze in:

 

 

 

 

Dauerpflege (vollstationär)

808.213

95,6 %

+ 5,5

86,6

Kurzzeitpflege (vollstationär)

10.395

1,2 %

-7,8

./.

Tagespflege

25.975

3,1 %

+20,2

120,8

Nachtpflege

425

0,1 %

- 2,1

5,7

Quelle: Statistisches Bundesamt (2011): Pflegestatistik – Deutschlandergebnisse 2009; eigene Berechnungen

bisEnde 2009 sind in den über 11.000 Pflegeheimen 621.392 Mitarbeiter beschäftigt, davon arbeiten 33,3 % in einem Vollzeit- und über 59,4 % in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis (vgl. Tabelle 96). In der Pflege sind überwiegend examinierte Altenpfleger (22 %) und Krankenschwestern/-pfleger beschäftigt. Zwei Drittel aller Mitarbeiter sind im Tätigkeitsbereich "Pflege und Betreuung" beschäftigt. Rund 4 % der Mitarbeiter sind dagegen für den Bereich "Soziale Betreuung" zuständig. In diesem Bereich waren 14,2 % mehr Mitarbeiter beschäftigt als noch zwei Jahre zuvor.

Sollte sich im Rahmen der Pflegeplanung herausstellen, dass zukünftig ein erhöhter Pflegeplatzbedarf vor Ort erforderlich wird, könnte dies in der Folge auch zu einer Nachfrage nach (qualifiziertem) Pflegepersonal führen. Daher sollten in der Kommune in Kooperation mit den Trägern entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Tabelle 96: Mitarbeiterstruktur in den Pflegeheimen (Stand: 15.12.2009)

 

Anzahl

Anteil an

Personal in %

Veränderung zu

2007 in %

Anzahl der Pflegeheime insgesamt

11.634

 

5,5

Personal insgesamt

621.392

100,0

8,3

davon:                        

vollzeitbeschäftigt

207.126

33,3

2,2

teilzeitbeschäftigt

369.331

59,4

12,6

Praktikant, Schüler, Auszubildender,

freiwilliges soziales Jahr

38.006

6,1

4,8

Zivildienstleistende

6.928

1,1

6,2

davon:

staatl. anerkannte Altenpfleger

141.306

22,7

5,5

staatl. anerkannte Altenpflegehelfer

27.926

4,5

29,0

Krankenschwester/-pfleger

59.054

9,5

-4,0

Krankenpflegehelfer

18.586

3

-0,6

überwiegender Tätigkeitsbereich:

Pflege und Betreuung

413.138

66,5

4,9

soziale Betreuung

25.577

4,1

14,2

Quelle: Statistisches Bundesamt (2011): Pflegestatistik 2009, 2007; eigene Berechnungen

bisDie Pflegeheime befinden sich zu über der Hälfte in freigemeinnütziger Trägerschaft, 40 % werden von privaten Trägern geführt. Bei diesen beiden Trägern hat die Anzahl um 5 % bzw. 7,3 % gegenüber 2007 zugenommen. Abnehmend ist dagegen die Anzahl der Pflegeheime, die in öffentlicher Trägerschaft geleitet werden. Trotzdem ist auch bei den kommunalen Trägern ein Zuwachs um 4,7 % zu verzeichnen.

Im Schnitt werden in den Pflegeeinrichtungen 64 pflegebedürftige Personen versorgt (2009), wobei die Anzahl bei den privaten Anbietern mit 55 Pflegebedürftigen am niedrigsten liegt, bei den öffentlichen Trägern mit 79 am höchsten (vgl. Tabelle 97).

 Tabelle 97: Pflegeheime nach Art der Träger (Stand: 15.12.2009)

Art der

Pflegedienste

Pflege-

heime

insgesamt

davon nach dem Träger der Einrichtung

private Träger

freigemeinnützige Träger

Öffentliche Träger

Gesamt

Träger der freien Wohlfahrtspflege

sonst. gemeinnützige Träger

Gesamt

kom-
munale Träger

sonst. öffentl. Träger

Pflegeheime insgesamt

11.634

4.637

6.373

5.581

792

624

552

73

in %

100,0

39,9

54,8

48

6,8

5,4

4,7

0,6

Änderung zu 2007 in %

5,5

7,3

5,0

5,3

2,8

-1,7

2,7

-25,9

 

Anzahl Pflegebedürftige je Pflegedienst im Schnitt*

64

(64)

55

(54)

70

(71)

79

(77)

* In Klammern durchschnittliche Anzahl der Pflegebedürftigen in den Pflegeheimen im Jahr 2007.

Quelle: Statistisches Bundesamt (2008, 2011): Pflegestatistik 2009, 2007; eigene Berechnungen

bis Die Verweildauer in stationären Altenpflegeeinrichtungen ist in den letzten Jahren insgesamt rapide gesunken, zum Teil auf unter ein Jahr, wobei es auch erhebliche regionale Unterschiede gibt.

Vor dem Hintergrund, dass alte Menschen ohne Angehörige zum Sterben nicht mehr ins Heim möchten, aber auch nicht länger in der eigenen Wohnung versorgt werden können, sollten Konzepte der Sterbebegleitung und der Ausbau von Hospizen und palliativen Angeboten gefördert werden, die z. B. an eine stationäre Altenpflegeeinrichtung angegliedert sein können.

Mehr zu diesem Thema:

  • Statistisches Bundesamt (2007): Pflegestatistik 2005 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung – Deutschlandergebnisse, Bericht als PDF
  • Hilfe- und Pflegebedürftige in Alteneinrichtungen 2005 – Schnellbericht zur Repräsentativerhebung im Forschungsprojekt „Möglichkeiten und Grenzen selbstständiger Lebensführung in Einrichtungen“ (MuG IV), Bericht als PDF
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) (2007): Kommunale Pflegeplanung – Empfehlungen zur praktischen Umsetzung