Indikator 5.3 B
Behinderungen, z. B. geistige und körperliche Behinderungen

Dieser Indikator gibt Aufschluss über den Bedarf und die Anforderungen an Angebote innerhalb einer Kommune, die sich (auch) an älter werdende Menschen mit Behinderung richten.

Laut Definition des Sozialgesetzbuchs liegt dann eine Behinderung vor, wenn körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit eines Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher seine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung zu erwarten ist.

Orientiert an der Forderung nach Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und im Hinblick auf das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung müssen Einrichtungen der Altenhilfe und der Behindertenhilfe gleichermaßen für die Bereitstellung von bedarfsgerechten Angeboten (Wohnen, Tagesstruktur, Gesundheit, Pflege, Beratung, niedrigschwellige Dienstleistungsangebote) Sorge tragen.

Bei der Erhebung von Bedarfen von Menschen mit Behinderung und der daran anschließenden Erarbeitung von bedarfsorientierten Angebotsstrukturen ist es dringend erforderlich, zwischen Behinderungsart und Altersgruppen zu differenzieren. So weist ein Senior, der erst im höheren Erwachsenenalter durch Krankheit eine körperliche Behinderung erworben hat, andere Ressourcen (z. B. eigene Familie, Ersparnisse) und Bedarfe auf als ein Senior, der seit Geburt mit einer geistigen Behinderung lebt. Des Weiteren ist zu bedenken, dass vor allem Menschen mit Down-Syndrom wesentlich früher und schneller altern als Menschen mit anderer geistiger Behinderung. So sind z. B. in der Gruppe der über 40-jährigen Menschen mit Down-Syndrom bereits beachtliche Anteile demenzerkrankt.

Aufgrund einer verbesserten medizinischen Versorgung steigt die Lebenserwartung der Menschen mit geistiger Behinderung, auch derjenigen mit Down-Syndrom; der Anteil der Senioren unter ihnen nimmt kontinuierlich zu. Damit entsteht eine Zielgruppe, die es auch aufgrund der nachhaltigen Auswirkungen der Euthanasieverbrechen des Nationalsozialismus vorher noch nicht gegeben hat.

So ist es nun auch kommunale Aufgabe, gemeinsam mit den Einrichtungen Konzepte für die Bereiche Wohnen, Tagesstrukturierung, Gesundheit und pflegerische Versorgung zu erarbeiten, die es den älter werdenden Menschen mit Behinderung ermöglicht, ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben zu führen.

bisIm Jahr 2005 lebten in Deutschland 8,6 Mio. Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung (vgl. Tabelle 91). Im Durchschnitt war somit mehr als jeder zehnte Einwohner behindert. Der größte Teil, rund 6,7 Mio., war schwerbehindert; 1,9 Mio. Personen waren leicht behindert. Mehr als die Hälfte der Menschen mit Behinderung (53,5 %) waren Männer. Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf. So waren 60,4 % der Menschen mit Behinderung 60 Jahre und älter, 13,6 % 80 Jahre und älter. Bei diesen Menschen handelt es sich überwiegend um Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen, die sie erst im Verlauf ihres Lebens oder im hohen Alter aufgrund von Krankheit erworben haben. Dagegen ist der Anteil der Senioren, die von Geburt an eine geistige Behinderung haben, mit schätzungsweise 8 % (Wacker 2001) noch deutlich geringer, was sich jedoch aufgrund der steigenden Lebenserwartung ändern wird. Tendenziell nimmt die Anzahl der Menschen mit Behinderungen unter 60 Jahre geringfügig ab.

Tabelle 91: Behinderte Menschen nach Alter und Grad der Behinderung (2005)

 

Behinderte insgesamt (GdB* bis 100)

Schwerbehinderte

(GdB 50–100)

Leichter Behinderte

(GdB bis 50)

 

insgesamt

davon

weiblich

insgesamt

davon

weiblich

insgesamt

davon

weiblich

 

in 1.000

unter 60 J.

3.419

1.506

2.338

1.062

1.064

444

60–65 J.

1.139

470

837

345

302

125

65–70 J.

1.162

472

919

374

242

98

70–75 J.

908

408

776

354

132

54

75–80 J.

833

405

747

368

86

37

80 J. und älter

1.179

752

1.111

711

86

41

60 J. und älter

5.221

2.507

4.390

2.152

848

355

insgesamt

8.640

4.013

6.728

3.214

1.912

799

 

Behindertenquote in %**

60–65 J.

22,8

18,5

16,8

13,6

6,1

4,9

65–70 J.

21,3

16,6

16,8

13,1

4,4

3,4

70–75 J.

24,0

19,9

20,6

17,2

3,5

2,6

75–80 J.

27,1

22,4

24,3

20,3

2,8

2,1

80 J. und älter

33,8

29,8

31,3

28,2

2,4

1,6

Gesamt

10,5

9,5

8,2

7,6

2,3

1,9

* GdB = Grad der Behinderung   ** Anteil der Behinderten an der jew. Bevölkerungsgruppe aus Mikrozensus

Quelle: Mikrozensus 2005 – aus: Statistisches Bundesamt (2004): Lebenslagen der behinderten Menschen, www.destatis.de, eigene Berechnungen (Fehler rundungsbedingt)

bisFast zwei Drittel der Behinderten leiden unter einer körperlichen Behinderung, 18,6 % unter einer zerebralen Störung bzw. einer geistig-seelischen Behinderung.

In den meisten Fällen (82,3 %) wurde die Behinderung durch eine Krankheit verursacht, nur 4,4 % der Behinderungen sind angeboren.

Von den schwerbehinderten Menschen weist fast ein Drittel einen Behinderungsgrad von 50 % auf, bei einem Viertel wurde der höchste Grad (100 %) festgestellt (vgl. Tabelle 92).

Tabelle 92: Anteil der schwerbehinderten Menschen am Jahresende 2007*

 

Gegenstand der Nachweisung

insgesamt

100,0 %

nach Art der Behinderung

körperlich

64,6 %

zerebrale Störungen, geistige und/oder seelische Behinderung

18,6 %

sonstige und ungenügend bezeichnete Behinderung

16,8 %

nach Ursache der Behinderung

angeboren

4,4%

allgemeine Krankheit **

82,3 %

Unfall, Berufskrankheit ***

2,2 %

anerkannte Kriegs-, Wehr- oder Zivildienstbeschädigung

1,1 %

sonstige

9,9 %

nach Grad der Behinderung

  50

30,3 %

  60

16,2 %

  70

11,2%

  80

12,2 %

  90

5,2 %

100

24,9 %

* mit gültigem Schwerbehindertenausweis   ** einschl. Impfschaden   ***einschl. Wege- und Betriebswegeunfall

Quelle: Statistisches Bundesamt (2009): Statistik der Schwerbehinderten Menschen 2007, www.destatis.de

Mehr zu diesem Thema:

  • Statistisches Bundesamt (2004): Lebenslagen der behinderten Menschen – Ergebnis des Mikrozensus 2003, Bericht als PDF (2003), Bericht als PDF (1999)
  • Statistisches Bundesamt (2005): Amtliche Behinderten Statistik: Statistik der Schwerbehinderten Menschen 2003, Bericht als PDF
  • Kohler, M./Ziese, T. (2004): Telefonischer Gesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts zu chronischen Krankheiten und ihren Bedingungen. Deskriptiver Ergebnisbericht, Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Bericht als PDF
  • Krüger, F./Degen, J. (Hrsg.) (2006): Das Alter behinderter Menschen. Freiburg: Lambertus-Verlag
  • Wacker, E. (2001): Alter hat Zukunft – demographische Entwicklung älter werdender Menschen mit Behinderung und ihre Konsequenzen. Hessisches Sozialministerium u. a. (Hrsg.): Lebensräume älterer Menschen mit Behinderung – Hessische Erfahrungen. Marburg: Lebenshilfe-Verlag