Indikator 5.2
Pflegebedürftigkeit

Begutachtungsaufgabe der kommunalen Sozial-, Pflege- oder Seniorenplanung ist es, in Kooperation mit dem Kreis, den Vertretern der Wohlfahrtsverbände und anderer Freiwilligendienste Pflegekonzepte zu entwickeln, mit denen die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen vor Ort kurz-, mittel- und langfristig sichergestellt werden kann.

Definition Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig nach dem Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) sind Personen, die durch eine Krankheit oder Behinderung dauerhaft nicht in der Lage sind, alltäglichen Aktivitäten und Verrichtungen (pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung) selbstständig nachzugehen und daher Maßnahmen der Hilfestellung oder Kompensation benötigen. Die Pflegebedürftigkeit wird von einem Gutachter des Medizinischen Dienstes der Pflegekasse festgestellt, der die pflegebedürftige Person entsprechend des Pflegeaufwands (Dauer und Häufigkeit des Pflegebedarfs) einer Pflegestufe zuweist.

Das Risiko Pflegebedürftigkeit wird durch die Pflegeversicherung (SGB XI) aufgefangen, die je nach Bedarf an pflegerischer und hauswirtschaftlicher Versorgung einen Kostenanteil der häuslichen bzw. stationären Pflege trägt. Übersteigen die Pflegekosten diesen Betrag, müssen Pflegebedürftige selbst oder bei fehlendem Einkommen bzw. Vermögen die Sozialhilfeträger für den Fehlbetrag aufkommen.

Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff ab 2017

Die Bundesregierung wird zum 1. Januar 2017 einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff einführen. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff wird das bisherige System der drei Pflegestufen und der Feststellung einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz durch fünf neue Pflegegrade ersetzt.

In den neuen Pflegegraden werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten in sechs verschiedenen Lebensbereichen mit unterschiedlicher Gewichtung ermittelt und zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad.

Begutachtungsempfehlung bei Erstbegutachtung

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ist in seiner gutachterlichen Tätigkeit u.a. verantwortlich für die Feststellung, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, und die Empfehlung in eine der Pflegegrade.

bis  2013 waren über 2,6 Mio. Menschen in Deutschland pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes, womit der Zahl der Pflegbedürftigen im Vergleich zu 2009 um 0,3 Mio. gestiegen ist; 86,4 % sind 60 Jahre und älter (2,3 Mio.), 54,9 % haben bereits das 80. Lebensjahr erreicht (1,4 Mio.).

bis  Das Risiko, pflegebedürftig zu werden, steigt mit zunehmenden Alter. Mit dem Überschreiten der Altersgrenze von 80 Jahren steigt die Pflegefallwahrscheinlichkeit überproportional an. Auch die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, nimmt jenseits der 80-Jahr-Grenze drastisch zu. Der Anteil aller Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung betrug 2013 lediglich 3,3 %.

bis  65 % aller Pflegebedürftigen sind weiblich. Vor allem in den höheren Altersgruppen (80 Jahre und älter) ist der Anteil der Frauen unter den Pflegebedürftigen besonders hoch.

 

bis  Die meisten Pflegebedürftigen (71 %) werden in Privathaushalten, 29 % in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt. Die pflegerische Versorgung übernehmen zu 67 % ausschließlich Angehörige, in 33 % der Fälle wird die Betreuung allein oder zusätzlich durch ambulante Pflegedienste übernommen.

bis  Die Anzahl der ambulant wie auch der stationär versorgten Pflegebedürftigen 2013 hat im Vergleich zu 2009 um 5 % zugenommen.

Werden in den Privathaushalten überwiegend Personen mit leichteren Einschränkungen versorgt (63,1 %), befinden sich in den Heimen dagegen hauptsächlich Personen mit schweren und sehr schweren Einschränkungen.

Eine Möglichkeit, die potenzielle Anzahl der Pflegebedürftigen in einer Kommune bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorauszuberechnen, stellt die Pflegevorausstatistik dar. Dazu sind die aktuellen Zahlen der pflegebedürftigen Frauen und Männer einer bestimmten Altersgruppe (Kommune + Deutschland) sowie die Zahlen dieser Altersgruppe der Bevölkerungsprognose für die Kommune für das Jahr X erforderlich. Mithilfe der Berechnung dieser Zahlen kann nun ermittelt werden, wie viele Pflegebedürftige in der Kommune zum gesetzten Zeitpunkt zu erwarten sind.

Praxisbeispiel

Im Beispiel für die Kommune X (s. u.) würde damit die Anzahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2020 auf 419 ansteigen und damit rund 6 % über dem wert des Jahres 2009 liegen:

Pflegevorausstatistik:

Im Jahr 2009 sind in Deutschland 19,5 % der 80- bis unter-90-Jährigen Männer und 30 % der Frauen dieser Altersgruppe pflegebedürftig. Die Anzahl der Pflegebedürftigen gleichen Alters beträgt zu diesem Zeitpunkt in der Gemeinde X rund 395. Die Bevölkerungsvorausberechnung für die Kommune X geht für das Jahr 2010 von 566 Männern und 1.028 Frauen aus, die 80 bis unter 90 Jahre alt sind. Für die Zahl der Pflegebedürftigen von 80 bis unter 90 Jahren im Jahr 2020 ergibt sich:

(566 x 0,195) + (1028 x 0,3) = rund 419

(In Anlehnung an die Pflegevorausstatistik Statistisches Bundesamt)

 

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