Indikator 5.1
Gesundheitsförderung und Prävention

Hier geht es um eine Bestandsaufnahme aller vorhandenen gesundheitsförderlichen und präventiven Angebote für (ältere) Menschen.

Mit dem Ansteigen chronischer Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung, die durch kurative Versorgung kaum beeinflussbar und nicht heilbar sind, nimmt die Bedeutung präventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen im Gesundheitswesen zu. Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen und Aktivitäten, mit denen die Stärkung der Gesundheitsressourcen und -potenziale der Menschen erreicht werden soll. Durch eine bessere Aufklärung (z. B. Diabetes- bzw. Ernährungsberatung) und eine höhere Auslastung von präventiven Angeboten (z. B. Bewegung, Rückenschulung, Wassergymnastik, Turnangebote, Wanderungen) kann die Bevölkerung gesünder altern. Gesundheitsförderung und Prävention kann Pflegebedürftigkeit reduzieren und zum Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität führen. Dies führt zu einer höheren Lebensqualität und nicht zuletzt zu Einspareffekten für die Kommune.

Gesundheitsförderung und Prävention stellen eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe dar, die auch mit in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen fällt. Eine „gesunde Stadt“ im Sinne der WHO sollte einem ganzheitlichen Ansatz (Körper, Geist und Seele) verpflichtet sein und sich bemühen, auf allen Ebenen (Kindergärten, Schulen, Betriebe, Krankenhäuser und in der allgemeinen Gesundheitsförderung) aktiv zu sein.

Die wesentliche Aufgabe von Kommunen ist es zu initiieren, koordinieren und zu vernetzen, d. h. die aktive und permanente Kooperation mit allen Akteuren innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens. Ferner sollen sie dazu beitragen, dass gesundheitserhaltende und -förderliche Angebote ausgebaut werden:

Es geht darum, die Bildung neuer Gruppen und Versorgungssysteme zu unterstützen und dahingehend zu beraten. Vor allem sollen sie sich den Bedürfnissen der (älteren) Menschen anpassen.

Für Kommunen sollte das Ziel sein, möglichst viele Senioren zu erreichen. Dieses kann direkt durch gezieltes Ansprechen vor Ort geschehen, oder durch die Kooperation verschiedener Akteure im Bereich Gesundheit, Pflege, Medien und Bildung.

Probleme bei der Erreichbarkeit könnten bei folgenden Personengruppen auftreten:

  • ältere Migranten
  • nicht mobile ältere Menschen
  • ökonomisch benachteiligte/bildungsferne Menschen
  • ältere Menschen mit Seh- und/oder Hörbehinderung

Gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen fördern als positiven Nebeneffekt auch Sozialkontakte und können z. B. Einsamkeit vorbeugen, z. B. durch den Austausch und/oder die Teilnahme an gesundheitsförderlichen Aktionen in Gruppen (Nachbarschaftshilfen, Gemeinschaftsaktivitäten von Bürgern, Selbsthilfeaktivitäten). Hierdurch kann die Lebensqualität gesteigert werden. Dies ist zugleich die besondere Stärke von Gesundheitsförderung im Wohnumfeld, da hier auch sozial benachteiligte Menschen oder Menschen mit niedrigem Bildungsstand gut erreicht werden können.

Eine längere gesunde Lebensphase kann neben der damit verbundenen Lebensqualität zu deutlichen Kosteneinsparungen auch für die Kommune führen. Wie bei allen anderen Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität Älterer müssen sie auch hier rechtzeitig in den Prozess einbezogen werden, sodass ihre persönlichen Bedürfnisse bei der Umsetzung beachtet werden können. Damit die neuen Angebote auch von der Bevölkerung angemessen wahrgenommen und genutzt werden, sollten sie miteinander abgestimmt und örtlich sowie zeitlich verteilt sein und außerdem in der Öffentlichkeit entsprechend transparent gemacht werden.

bis Bei der inhaltlichen und finanziellen Ausgestaltung von Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen können neben der Politik in Bund, Ländern, Städten und Gemeinden ganz unterschiedliche Institutionen und Personen beteiligt und verantwortlich sein, z. B. Sozialversicherungsträger, Wirtschaftsunternehmen, Bildungseinrichtungen, Leistungserbringer, Selbsthilfegruppen, Forschung und Wissenschaft.

bis Trotz der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen und des damit einhergehenden Anwachsens des Versorgungsbedarfs (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates und neuropsychische Erkrankungen) ist die Bedeutung von Maßnahmen zur Prävention im deutschen Gesundheitswesen weiterhin noch sehr gering. 2013 wurden lediglich 3,4 % der gesamten Gesundheitsausgaben für Prävention /Gesundheitsschutz verwendet.

Gesundheitsfördernde Stadtentwicklung kann durch folgende Maßnahmen initiiert, organisiert und nachhaltig gesichert werden:

  • Kommunaler Vernetzungsworkshop, durch den kommunale Angebote vernetzt, koordiniert und evtl. neu realisiert werden nach einem evaluierten und hier skizzierten Konzept www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/abgeschlossene-projekte/workshops-fuer-kommunen/projektthemen/seniorenpolitik/
  • Erkennung von Prävention und Gesundheitsförderung als eigenständige Gestaltungsaufgabe (Sensibilisieren von Verwaltung und Politik bis Fort- und Weiterbildung, Förderung entsprechender Kooperationen)
  • Stadtteilbezogene Bedarfsanalyse: kleinräumige Analyse, indikatorengestützte Daten zur allgemeinen und individuellen Gesundheitsbelastung, zum Gesundheitszustand der Stadtbevölkerung, zur Gesundheitsversorgung und zu Gesundheitspotenzialen
  • Formulierung von Zielen, Maßnahmen und Konzepten
  • Vernetzung und Austausch aller relevanten Akteure für eine nachhaltige gesundheitsförderliche Strukturentwicklung im Stadtteil
  • kontinuierliche Steuerung und Begleitung beispielsweise durch eine Koordinierungsstelle
  • Projektentwicklung durch Beteiligung und Zielgruppenorientierung
  • zielgruppengerechte Zugangswege nutzen, sozial benachteiligte Menschen ansprechen, geschlechtsbedingte Unterschiede berücksichtigen

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