DEMOGRAFISCHE UND SOZIAL-STRUKTURELLE DATEN

Sozial-struktureller Alterswandel
Neben demografischen Veränderungen nimmt auch die Bedeutung weiterer Dimensionen des sozialen Wandels zu. In den vergangenen Jahren hat ein „Strukturwandel des Alters“ stattgefunden, der durch folgende Dimensionen beschrieben werden kann:
    
Zeitliche Ausdehnung der Altersphase: Aufgrund des früheren Berufsausstiegs und der höheren Lebenserwartung hat sich die eigentliche Altersphase weiter ausgedehnt und beträgt z. T. über 30 Jahre. Menschen, die heute endgültig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, haben im Schnitt noch ein Viertel ihrer Lebenszeit vor sich.

Differenzierung des Alters:
Mit der ausgeweiteten Lebensphase Alter gehen vielfältige Differenzierungsprozesse innerhalb der Altenbevölkerung einher. Die Einteilung in „junge Alte“ (unter 65 Jahre), „mittlere Alte“ (zwischen 65 und 80 Jahre) und „Hochaltrige“ (über 80 Jahre) ist weit verbreitet. Mittlerweile verschieben sich diese Altersdifferenzierungen durch die zunehmende Lebenserwartung nach oben, sodass von Hochaltrigkeit erst ab einem Alter von 85 Jahren gesprochen wird. Diese Differenzierung ist insofern von Bedeutung, weil mit unterschiedlichen Lebenslagen auch unterschiedliche soziale Probleme verbunden sind. Entsprechend müssen zielgruppenspezifische Konzepte entwickelt werden.

Kulturelle Differenzierung des Alters: Da ältere Menschen mit Migrationshintergrund und Spätaussiedler zunehmend dauerhaft in Deutschland bleiben, verändert sich auch die kulturelle Zusammensetzung der Altenbevölkerung. Umso wichtiger ist es, die spezifischen Bedürfnisse dieser wachsenden Bevölkerungsgruppen in der Alten- und Sozialpolitik zu berücksichtigen. Diese Herausforderung ist abhängig von der Höhe des Anteils der Menschen mit Migrationshintergrund in einer Stadt bzw. einem Stadtteil und wird sicher nicht in allen Kommunen und Regionen von gleich hoher Bedeutung sein.

Verjüngung des Alters: Einzelne Altersphänomene treten in immer früheren Stadien des Lebenslaufes auf (z. B. Berufsaustritt). Durch den ökonomischen und sozialen Wandel werden die Menschen immer früher alt „gemacht“, ohne dass diese kalendarisch alt sind oder sich selbst alt fühlen. Studien zufolge stufen sich Menschen heute etwa ab dem 75. Lebensjahr als „alt“ ein.

Singularisierung des Alters: Immer mehr Menschen leben im Alter allein. Dies trifft bundesweit auf etwa 40 % der Bevölkerung ab 65 Jahre zu, in Großstädten liegt der Anteil noch höher. Davon sind 85 % Frauen. Ein Grund dafür sind die weiterhin höheren Sterbeziffern bei Männern. Zunehmend bestimmen aber auch älter werdende Singles (Ledige, Geschiedene bzw. getrennt Lebende) den Trend zur Singularisierung des Alters, darunter überdurchschnittlich häufig Männer.
Mit fast 50 % bildet der Zweipersonenhaushalt (zumeist verheiratet) derzeit die wichtigste Wohnform im Alter. Der Mehrgenerationenhaushalt, d. h. das Zusammenleben mit den Kindern unter einem Dach, ist für ältere Menschen dagegen eher zur Ausnahme geworden. Neue Formen des Gemeinschaftswohnens finden sich bei älteren Menschen (noch) eher selten. Alleinleben bedeutet überdurchschnittlich häufig, auf die praktische Unterstützung durch Dritte angewiesen zu sein.

Hochaltrigkeit: Ein Leben jenseits des 80. Geburtstages gilt als herausragender Indikator für den Strukturwandel des Alters. Sozialpolitisch relevant ist hierbei die Tatsache, dass Krankheit, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit v. a. in sehr hohem Alter auftreten. Mit der Hochaltrigkeit geht außerdem ein wachsender Bedarf an Unterstützung durch organisierte soziale Dienste einher. Das ist insofern von Bedeutung, da sonstige traditionelle, vor allem familiäre Unterstützungssysteme für diesen Personenkreis – demografisch wie sozial-strukturell bedingt – schwächer werden und oft nicht vergleichbar durch andere Hilfesysteme ausgeglichen werden können.

Feminisierung des Alters:
Das Bild vom Alter wird weitgehend von Frauen geprägt. Aufgrund der längeren Lebenserwartung der Frauen und der sehr hohen Mortalitätsraten der Männer während des Zweiten Weltkriegs überwiegt ihr Anteil in der Altenbevölkerung in Deutschland. Derzeit beträgt der Frauenanteil bei den 60-Jährigen und Älteren über 60 %. Mit zunehmendem Alter wächst dieser Anteil noch weiter an.

Veränderungen der Familienstrukturen: Helfende und/oder pflegende Familienangehörige sind eine zunehmend wichtige zweite Zielgruppe der Altenpolitik und -arbeit geworden. Allerdings wird die Kindergeneration wegen der rückläufigen Geburtenrate kontinuierlich kleiner.
Bei wachsenden Scheidungs- und Trennungsquoten in allen Altersgruppen und sinkender Wiederverheiratungshäufigkeit ist zu erwarten, dass sich auch der Familienstand älterer Menschen langfristig hin zu einem wachsenden Anteil Geschiedener, Verwitweter und Nicht-Verheirateter entwickeln wird. Folglich wird der Anteil der Älteren zunehmen, die außerhalb der eigenen Kernfamilie leben und über kein oder nur ein sehr geringes familiäres Unterstüt-zungspotenzial verfügen.

Steigende Frauenerwerbsquoten: Fast drei Viertel aller Frauen im Alter von 50 bis 55 Jahre sind heute erwerbstätig, unter den Jüngeren ist dieser Anteil noch höher. Zukünftig werden immer mehr Menschen – zumeist Frauen über 45 Jahre – Berufstätigkeit und Pflegeverpflichtungen miteinander vereinbaren müssen, sofern sie nicht ohnehin in einer anderen Stadt leben. Hierdurch nimmt auch das Frauenpflegepotenzial ab. Infolgedessen steigt der Bedarf an Diensten zur Aufrechterhaltung der selbstständigen Lebensführung und/oder zur besseren Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Pflege.