Der Indikator Haushaltsgrößen zeigt auf, in welchen Stadtteilen Senioren überwiegend in Ein-, Zwei- oder Mehrpersonenhaushalten wohnen. Für Planungszwecke sind insbesondere die Einpersonenhaushalte näher zu betrachten. So kann z. B. ein hoher Anteil an Einpersonenhaushalten bei über 60-jährigen Bürgern u. a. ein Indiz dafür sein, dass die Gefahr einer Vereinsamung im Alter besteht. Aus den Informationen über Haushaltsgrößen können demnach Hinweise zu Hilfepotenzialen sozialer und instrumenteller Art abgeleitet werden.
Dieser Indikator kann aufzeigen, in welchen Stadtteilen welche Angebote benötigt werden, z. B. wo Bedarf an (zugehenden) Unterstützungs- und Beratungsangeboten bestehen könnte, mit denen im Fall einer eintretenden Pflegebedürftigkeit durch rechtzeitige Intervention die Hilfe- und Pflegebedarfskosten gering gehalten werden können.
Die Gruppe der älteren „Singles“ ist darüber hinaus im positiven Sinne von Bedeutung, besteht hier doch ein großes Potenzial für die Gewinnung bürgerschaftlichen Engagements. Es sollten Ideen entwickelt werden, um diesen Personenkreis aktiv zur gesellschaftlichen Partizipation zu motivieren: Studien zeigen, dass die sozialen Ressourcen dieser wachsenden Gruppe noch nicht erschöpfend genutzt werden.
Ein hoher Anteil an Ein- und Zweiparteienhäusern ist darüber hinaus als Kennzeichen für eine hohe Eigentümerquote in einem Stadtteil zu bewerten, was wiederum Merkmal für eine gute Einkommenssituation der dort lebenden Bürger sein kann.
Ein hoher Anteil an Mehrparteienhäusern in einem Viertel kann dagegen bei der Einrichtung von Nachbarschaftshilfen/-netzwerken von Vorteil sein. Hier ist auch an die Schaffung von generationenübergreifenden Initiativen zu denken.
In Deutschland steigt seit Jahren - allerdings mit sinkender Tendenz - die Anzahl der Haushalte, was auf die Zunahme der Einpersonen- und Zweipersonenhaushalte (Ausnahme 2005) zurückzuführen ist. 2009 sind 74 % aller Haushalte Kleinhaushalte mit einer oder zwei Personen. Die Anteile der Haushalte mit vier und mehr Personen nehmen dagegen kontinuierlich ab (vgl. Tabelle 19).
Tabelle 19: Haushalte nach Haushaltsgrößen 2004 bis 2009

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 3, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien, Ergebnisse des Mikrozensus
Die Verkleinerung der Haushalte wird auch in Zukunft weiter zunehmen. Die Veränderungen sind in den neuen Bundesländern bereits weit vorangeschritten. Die Tendenz zur Zunahme kleiner Haushalte ist ursächlich bedingt durch die hohe Kinderlosigkeit und Scheidungsrate sowie durch altersstrukturelle Veränderungen. Altersgruppen, die traditionell in kleinen Haushalten leben (z. B. Senioren), nehmen zu, wohingegen Altersgruppen, die eher in größeren Haushalten wohnen (junge Familien), abnehmen. Folgende Zahlen belegen das: Während sich der Anteil der Einpersonenhaushalte bei den 60- bis 64-Jährigen mit 23 % wenig vom entsprechenden Durchschnitt der jüngeren Bevölkerung unterscheidet, steigt dieser Anteil auf 41 % bei den 75- bis 79-Jährigen bzw. auf über 64 % bei den über 80-Jährigen. Der Anteil der Drei- und Mehrpersonenhaushalte nimmt tendenziell ab und spielt im höheren Lebensalter kaum noch eine Rolle (vgl. Tabelle 20).
Tabelle 20: Haushaltsgrößen nach Altersgruppen in % (2006)

Quelle: StatBA, Datenreport 2008, Datenbasis SOEP 2006
Mit der wachsenden Zahl von Alleinlebenden über alle Altersstufen hinweg werden sich auch die Bedarfe an geeignetem Wohnraum verändern. Vor diesem Hintergrund sollte rechtzeitig interveniert werden und beim Um- bzw. Neubau von Wohnungen entsprechend auf den Ausbau kleinerer Wohneinheiten – auch fürs Alter – geachtet werden.
Differenziert nach Geschlecht und Altersgruppe leben in der Gruppe der 60-jährigen und Älteren rund 18 % der Männer und ca. 40% der Frauen allein in ihrer Wohnung (vgl. Tabelle 21).
Tabelle 21: Alleinwohnende nach Geschlecht und Alter in % der jeweiligen Altersgruppe (2009)

Quelle: StatBA, Fachserie 1 Reihe 3 „Bevölkerung und Erwerbstätigkeit: Haushalte und Familien“
Im Vergleich zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen-Haushalten sind folgende Unterschiede festzustellen (Datenbasis: Alterssurvey 2002): Deutsche im höheren Lebensalter (70 bis 85 Jahre) leben häufiger allein in ihrer Wohnung als Nicht-Deutsche (42 % gegenüber 37 %). In der Altersgruppe der 55- bis 69-Jährigen gibt es dagegen keine Unterschiede: Hier leben jeweils etwa 16 % der Deutschen und Nicht-Deutschen allein. Nach Geschlechtern differenziert zeigt sich, dass in beiden Gruppen die Männer zu rund 14 % allein leben, wohingegen deutsche Frauen mit 25 % deutlich häufiger allein leben als nicht-deutsche Frauen (15 %) (vgl. Krumme/Hoff 2004).
Laut Haushaltsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) wird die Gesamtzahl der privaten Haushalte bis 2020 noch geringfügig ansteigen. Abbildung 6 verdeutlicht, wie sich die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur räumlich auf die regionale Entwicklung in Form von wachsenden und schrumpfenden Regionen auswirken.
Abbildung 6: Gegensätze der künftigen Haushaltsdynamik

Quelle: BBR-Haushaltsprognose 2002–2020, www.bbr.bund.de/cln_005/nn_22558/DE/ForschenBeraten/
Raumordnung/RaumentwicklungDeutschland/
Demographie/HHPrognose/HHPrognose.html
Mehr zu diesem Thema:
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Allein Wohnende nach Lebensalter (aus: Sozialpolitik Aktuell), Tabelle als PDF
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Haushalte nach Haushaltsgrößen, Tabelle zur Ansicht
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Krumme, Helen/Hoff, Andreas (2004): Die Lebenssituation älterer Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland. In: Tesch-Römer, Clemens (Hrsg.): Sozialer Wandel und individuelle Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte. Ergebnisse der zweiten Welle des Alterssurveys. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen, 455–500. In: BMFSFJ (2005): Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland
