Indikator 1.8 - Bevölkerungsfluktuation (innerstädtisch/Außenwanderung)

Im Zuge der räumlichen Differenzierung Deutschlands spielen neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten und Sterbefälle) auch die innerdeutsche Wanderung (Zu- und Wegzüge) eine Rolle. Anhand dieses Indikators können Aussagen zu regionalen Disparitäten in den Bereichen Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt oder generell zur Attraktivität der Stadt, des Stadtteils oder der Region gemacht werden. Differenzierungen nach Altersgruppen verdeutlichen die unterschiedlichen Motive, aus denen Personen ihren Wohnort wechseln. Diese Informationen können z. B. darüber Aufschluss geben, in welchen Stadtteilen von einem Mangel an bestimmten Angeboten (z. B. Angebote für Senioren, Kindertagestätten und Spielplätze) auszugehen ist. Des Weiteren kann der Wegzug vieler einkommensstarker jungen Familien vom einen in ein anderes Viertel ein Signal für das Entstehen (neuer) sozialschwacher bzw. strukturstarker Quartiere sein. Um das „Umkippen“ zu verhindern, sollten Gegenmaßnahmen zur Aufwertung von sozialschwachen Vierteln ergriffen werden.
Es gibt verschiedene Wanderungsarten, die sich hinsichtlich ihrer Motive unterscheiden:

Amtliche Wanderungsstatistik nach Altersgruppen und schwerpunktmäßige Motive

Alter

Wanderungsmotivgruppe

unter 18 Jahre

Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung

18 bis unter 25 Jahre

Bildungswanderung

25 bis unter 30 Jahre

Berufs-, Arbeitsmarktwanderung

30 bis unter 50 Jahre

Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung

50 bis unter 65 Jahre

Altenwanderung frühe Phase

65 Jahre und älter

Altenwanderung späte Phase, Ruhestandswanderung

 

Familienwanderung: Die unter 18-Jährigen und die 30- bis unter 50-Jährigen werden als „Familienwanderer“ bezeichnet. Die Ursache dieser Wanderung liegt häufig in dem Wunsch bzw. in der Notwendigkeit, Wohnort und -lage an die veränderten Lebensumstände (z. B. Familiengründung) anzupassen. Kennzeichnend sind die Stadt-Umland-Wanderungen mit Verlusten der Städte und Gewinnen des suburbanen Raumes bzw. der Randlage der Städte.

Bildungs- und Arbeitsmarktwanderung: In der Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen sind das Erzielen von Bildung und Erwerbseinkommen die zentralen Motive für Wanderungsentscheidungen. Für diese Gruppe sind Städte mit Hochschulen und einem größeren Arbeitsplatzangebot die bevorzugten wanderungsziele.

Altenwanderung: Die über 50-Jährigen weisen insgesamt eine geringe Mobilität auf. Die Wanderungsmuster ähneln denen der Familienwanderer, allerdings bevorzugen sie noch mehr den ländlichen Raum. Dies gilt in besonderem Maße für landschaftlich attraktive Regionen

bis Im Rahmen der Seniorenplanung ist Folgendes von Interesse: Wenn Zuwanderungstendenzen ausschließlich bei höheren Altersgruppen (von Außerhalb) feststellbar sind, kann dies auf ein lebenswertes und altersgerechtes Image der Kommune hindeuten, wie es z. B. Kurstädte auszeichnet. Als Konsequenz muss die Kommune dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Anbieter geeignete Arbeitskräfte anwerben, die auf die Belange älterer Menschen spezialisiert sind. Dadurch können u. a. neue Arbeitsplätze entstehen und möglicherweise in der Folge Familien angelockt werden.

In die Untersuchung können beispielsweise folgende Punkte mit einfließen:

  • Zu- und Fortzüge der weiblichen und männlichen Bevölkerung
  • Umzüge innerhalb der Stadt (Quartierserhebung)
  • Fortzüge in die Umlandgemeinden
  • Fortzüge ins Ausland
  • Zuzüge aus dem Ausland
  • Untersuchung der verschiedenen Altersgruppen

Mehr zu diesem Thema: