Die Kommune erhält konkrete Informationen über die Erwerbssituation der Bürger zwischen 55 und 65/67 Jahren. Je nach Höhe der Erwerbsquote können Strategien entwickelt werden, wie z. B. ältere Arbeitnehmer nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben zur Übernahme kommunaler Aufgaben motiviert werden können.
Ist die Erwerbsquote in dieser bestimmten Altersgruppe niedrig, ist es wichtig, in Erfahrung zu bringen, was die Gründe für die Erwerbslosigkeit sind. Hierfür ist eine Eigenerhebung durchzuführen, in der z. B. folgende Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden könnten: Altersgrenze für Pension/Rente erreicht; innerbetriebliche Gründe (Stilllegung, Entlassung); familiäre Gründe (Heirat, Kinder usw.); Berufs- und Erwerbsunfähigkeit; Invalidität; Pflege eines Angehörigen.
Definitionen
Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer sind alle Arbeiter und Angestellten einschließlich der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten (Auszubildende u. a.), die kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zu den gesetzlichen Rentenversicherungen zu entrichten sind.
Erwerbspersonen = Erwerbstätige + (sofort verfügbare) Erwerbslose
(nach dem Labour-Force-Konzept der ILO)
Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die
- in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer) oder selbstständig sind
- als mithelfende Familienangehörige ohne Lohn arbeiten
- lediglich eine geringfügige Tätigkeit (Mini-Job) ausüben
- als Aushilfe nur vorübergehend beschäftigt sind
- nach §16 Abs. 3 SGB II einem sog. Ein-Euro-Job nachgehen
- nicht arbeiten, aber Bindungen zu einem Arbeitgeber haben (z. B. Personen in Mutterschutz)
Erwerbslose („stille Reserve“) sind Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die derzeit keiner bezahlten oder selbstständigen Tätigkeit nachgehen, obwohl sie könnten. Als erwerbslos im Sinne der ILO-Statistik gilt, wer weniger als eine Stunde arbeitet, aber mehr arbeiten will. Diese Definition misst Erwerbslosigkeit unabhängig davon, ob sich die betreffenden Personen bei einer Agentur für Arbeit oder einem kommunalen Träger als Arbeitslose gemeldet haben.
Der Begriff der Erwerbslosen und der der registrierten Arbeitslosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind aufgrund der genannten Unterschiede nicht unmittelbar vergleichbar. In der ILO-Arbeitsmarktstatistik sind Erwerbslose enthalten, die die BA nicht als arbeitslos zählt. Außerdem werden nach ILO-Definition registrierte Arbeitslose, die im erlaubten Umfang eine geringfügige Tätigkeit ausüben, nicht als Erwerbslose, sondern als Erwerbstätige eingestuft. Auf der anderen Seite gelten in der BA-Statistik auch Personen als arbeitslos, die nach Definition der ILO-Arbeitsmarktstatistik nicht erwerbslos sind (z. B. Arbeitsuchende über 64 Jahre und Arbeit suchende Schüler/Studenten).
Registrierte Arbeitslose, die nicht aktiv nach Arbeit suchen, gelten nach den ILO-Kriterien als Nichterwerbspersonen. Folglich sind Nichterwerbspersonen Personen, die weder eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, noch nach einer solchen suchen (vgl. www.destatis.de).
Hinweis zur Berechnung: Für alle Berechnungen, die für die Gruppe der „Erwerbspersonen“ durchgeführt werden, müssen zu den Erwerbstätigen neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch Selbstständige, mithelfende Familienangehörige, Beamte, Richter sowie Berufs- und Zeitsoldaten gezählt werden. Über diese Personengruppen liegen auf kommunaler Ebene jedoch keine Daten vor. Genauso verhält es sich mit den Daten über die nicht bei der BA gemeldeten Erwerbslosen. Daher könnte die Gruppe der Erwerbspersonen vereinfachend aus der Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen gebildet werden (Quelle: www.wegweiser-kommune.de).
2005 lag die Gesamtanzahl der Erwerbspersonen bei gut 41 Mio., die Anzahl der Nichterwerbspersonen lag geringfügig darüber. Während die Männer in der Gruppe der Erwerbstätigen mit 55 % die Mehrheit bilden, sind bei den Nichterwerbspersonen die Frauen mit über 57 % in der Überzahl. Die Erwerbsquote in der Altersgruppe der 15- bis 65-Jährigen (Anteil der Erwerbspersonen an der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe) beträgt 74,9 % (vgl. Tabelle 16).
Tabelle 16: Anzahl der Erwerbspersonen in Jahresdurchschnitt 2009

Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 4.1.1, 2009
Die Erwerbsquoten in den jeweiligen Altersgruppen nehmen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern mit zunehmendem Alter deutlich ab. Es bleibt aber festzuhalten, dass in der Gruppe der über 55-jährigen Frauen der Anteil der Erwerbstätigen seit 1991 kontinuierlich von 73 % auf 55 % zurückgegangen ist, wohingegen er bei den Männern dieser Altersgruppe im gleichen Zeitraum von 37 % auf 71 % gestiegen ist. Dieser Wert deutet zumindest bei den Männern darauf hin, dass sich die Lebensarbeitszeit in den letzten Jahren verlängert hat. In der Altersgruppe zwischen 60 und 65 Jahren waren noch 20,7 % der Frauen und 35,8 % der Männer erwerbstätig (vgl. Tabelle 17).
Tabelle 17: Erwerbsbeteiligung älterer Menschen nach Altersgruppen und Geschlecht 2009

Quelle: Sozialpolitik aktuell; Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 4.1.1, 2009; eigene Berechnungen
Insgesamt nimmt die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten leicht zu. Zuwächse gegenüber den Vorjahren sind insbesondere in der Altersgruppe der 50- bis unter 60-Jährigen zu verzeichnen (vgl. Tabelle 18).
Tabelle 18: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort nach Geschlecht und Altersgruppen (30.06.2008)
|
Deutschland |
insgesamt |
||
|
|
insgesamt |
männlich |
weiblich |
|
insgesamt |
27.457.715 |
15.063.590 |
12.394.125 |
|
davon |
|||
|
50 bis unter 60 Jahre |
5.744.213 |
3.074.822 |
2.669.391 |
|
60 bis unter 65 Jahre |
875.145 |
525.805 |
349.340 |
|
65 Jahre und älter |
125.738 |
85.984 |
39.754 |
Quelle: StatBA, Fachserie 1 Reihe 4.2.1, Struktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
In der Altersgruppe der 50- bis 60-Jährigen liegt die Erwerbsbeteiligung der Deutschen gut 10 % über der der Vergleichsgruppe der ausländischen Bevölkerung. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen ändert sich diese Relation: Hier ist eine geringfügig höhere Erwerbstätigkeit der ausländischen Mitbürger festzustellen, was u. a. mit den höheren Anteilen an Selbstständigen zusammenhängt (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Alter und Erwerbstätigkeit von Deutschen und Ausländern (2001)

Quelle: Mikrozensus 2001, eigene Berechnungen – aus: Brussig u. a.: Arbeiten ab 50 in Deutschland – Eine Landkarte der Erwerbstätigkeit auf Grundlage des Mikrozensus 1996 bis 2001 – Expertise zum 5. Altenbericht (25.03.2007)
Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Erwerbsfähigkeit
Informationen über die Schul- und Berufsausbildung können wichtige Hinweise auf Interessenlagen usw. der Senioren liefern, die beim Aus-/Umbau von Freizeit- und Bildungsangeboten relevant sind:
Der Bildungsstand spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Dauer der Erwerbsbeteiligung. So sind mit zunehmendem Alter mehr Personen mit Abitur und Fachabitur berufstätig, als dies beispielsweise bei Personen mit Real- und Hauptschulabschluss zutrifft. Personen, die über keinen Schulabschluss verfügen, scheiden noch früher aus dem Arbeitsleben aus (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Alter und Erwerbsfähigkeit nach Schulabschluss (2001)

Quelle: Mikrozensus 2001, eigene Berechnungen – aus: Brussig u. a.: Arbeiten ab 50 in Deutschland – Eine Landkarte der Erwerbstätigkeit auf Grundlage des Mikrozensus 1996 bis 2001 – Expertise zum 5. Altenbericht
Ein ähnliches Bild wie die Angaben zum Schulabschluss liefert auch die Übersicht über die Erwerbstätigenquoten nach Berufsabschluss. Diejenigen, die über einen Hochschulabschluss oder eine Meisterausbildung verfügen, arbeiten anteilig deutlich länger als diejenigen, die nur eine Lehre absolviert haben. Von den älteren Bürgern ohne Berufsausbildung sind mit 60 Jahren noch rund 25 % erwerbstätig, wohingegen noch über 60 % der Akademiker einem Beruf nachgehen (vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5: Alter und Erwerbstätigkeit nach Berufsabschluss (2001)

Quelle: Mikrozensus 2001, eigene Berechnungen – aus: Brussig u. a.: Arbeiten ab 50 in Deutschland – Eine Landkarte der Erwerbstätigkeit auf Grundlage des Mikrozensus 1996 bis 2001 – Expertise zum 5. Altenbericht (25.03.2007)
Mehr zu diesem Thema:
- Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland (BMFSFJ, 2006), Gesamtbericht als PDF
- Umgestaltung der Altersteilzeit von einem Ausgliederungs- zu einem Eingliederungsinstrument (Expertise zum Fünften Altenbericht), Bericht als PDF
- Arbeiten ab 50 in Deutschland. Eine Landkarte der Erwerbstätigkeit auf Grundlage des Mikrozensus 1996 bis 2001 (Expertise zum Fünften Altenbericht), Bericht als PDF
