Indikator 1.5 - Erwerbsquote und Arbeitslosigkeit

Hohe Arbeitslosenquoten bedeuten für Kommunen finanzielle Belastungen. Vor diesem Hintergrund sind insbesondere Entwicklung und Dauer der Arbeitslosigkeit  älterer Arbeitnehmer von Interesse. 
Ärmere können sich viele Bildungs-, Gesundheits- oder Kulturangebote oft nicht mehr leisten, was für sie einen Verlust an Lebensqualität darstellt. Wer arm ist, ist meist auch kränker, früher pflegebedürftig und stirbt auch früher. Nach einer Studie des Berlin Institutes haben neugeborene Jungen im wohlhabenden Landkreis Starnberg acht Jahre mehr Lebenszeit als im strukturschwachen Pirmasens in Rheinland-Pfalz.
Kommunen können hier kostengünstige niedrigschwellige Angebote realisieren und hierfür freiwilliges Engagement zu gewinnen.

Auch hier ist eine frühzeitige Quartiersanalyse sozialstruktureller Daten sowie des Bedarfs und der Angebote entscheidend für die Erarbeitung von Zielen und Maßnahmen.
 

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquoten gingen in den letzten Jahren allgemein deutlich zurück, wobei dies oft niedrig bezahlte Tätigkeiten sind, die das Risiko niedriger Renten und Altersarmut erhöhen.

Aber auch hier gibt es auch auf kommunaler Ebene teils deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Quartieren.

Erwerbsquote

Die Kommune erhält konkrete Informationen über die Erwerbssituation auch älterer Menschen. Aufgrund dieser Daten können Strategien entwickelt werden, wie z. B. ältere Arbeitnehmer nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben für ehrenamtliches Engagement motiviert werden können.

 

Definitionen:

Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer sind alle Arbeiter und Angestellten einschließlich der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten (Auszubildende u. a.), die kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig und/oder beitragspflichtig sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zu den gesetzlichen Rentenversicherungen zu entrichten sind.

Erwerbspersonen = Erwerbstätige + (sofort verfügbare) Erwerbslose (nach dem Labour-Force-Konzept der ILO)

Erwerbstätige sind alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die

  • in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer) oder selbstständig sind
  • als mithelfende Familienangehörige ohne Lohn arbeiten
  • lediglich eine geringfügige Tätigkeit (Mini-Job) ausüben
  • als Aushilfe nur vorübergehend beschäftigt sind
  • nach §16 Abs. 3 SGB II einem sog. Ein-Euro-Job nachgehen
  • nicht arbeiten, aber Bindungen zu einem Arbeitgeber haben (z. B. Personen in Mutterschutz)

Erwerbslose („stille Reserve“) sind Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die derzeit keiner bezahlten oder selbstständigen Tätigkeit nachgehen, obwohl sie könnten. Als erwerbslos im Sinne der ILO-Statistik gilt, wer weniger als eine Stunde arbeitet, aber mehr arbeiten will. Diese Definition misst Erwerbslosigkeit unabhängig davon, ob sich die betreffenden Personen bei einer Agentur für Arbeit oder einem kommunalen Träger als Arbeitslose gemeldet haben.

Der Begriff der Erwerbslosen und der der registrierten Arbeitslosen der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind aufgrund der genannten Unterschiede nicht unmittelbar vergleichbar. In der ILO-Arbeitsmarktstatistik sind Erwerbslose enthalten, die die BA nicht als arbeitslos zählt. Außerdem werden nach ILO-Definition registrierte Arbeitslose, die im erlaubten Umfang eine geringfügige Tätigkeit ausüben, nicht als Erwerbslose, sondern als Erwerbstätige eigestuft. Auf der andren Seite gelten in der BA-Statistik auch Personen als arbeitslos, die nach Definition der ILO-Arbeitsmarktstatistik nicht erwerbslos sind. (z. B. Arbeitssuchende über 64 Jahre und Arbeit suchende Schüler/Studenten).

Registrierte Arbeitslose, die nicht aktiv nach Arbeit suchen, gelten nach den ILO-Kriterien als Nichterwerbspersonen. Folglich sind Nichterwerbspersonen Personen, die weder eine auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, noch nach einer solchen suchen (www.destatis.de).

Hinweise zur Berechnung: Für alle Berechnungen, die für die Gruppe der „Erwerbspersonen“ durchgeführt werden, müssen zu den Erwerbstätigen neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch Selbstständige, mithelfende Familienangehörige, Beamte, Richter sowie Berufs- und Zeitsoldaten gezählt werden. Über diese Personengruppe liegen auf kommunaler Ebene jedoch keine Daten vor. Genauso verhält es sich mit den Daten über die nicht bei der BA gemeldeten Erwerbslosen. Daher könnte die Gruppe der Erwerbspersonen vereinfachend aus der Summe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der Arbeitslosen gebildet werden (www.wegweiser-kommune.de).

Erwerbspersonen/Erwerbsbeteiligung

  • Erwerbspersonen (2013): 44 Millionen (Statistisches Bundesamt)
  • Erwerbstätige (2015): 42,83 Millionen (Statistisches Bundesamt; 39,63 Millionen (ILO-Arbeitsmarktstatistik)
  • Erwerbslose (2015): 2,21 Millionen (Statistisches Bundesamt)
  • Nichterwerbspersonen (2014): 1,98 Millionen (statistisches Bundesamt) (Nichterwerbspersonen umfassen auch die nicht sofort verfügbaren arbeitssuchenden Nichterwerbstätigen) [2]

Erwerbstätigenquote (2012):

  • 15 bis unter 65 Jahre: 72,6 %
  • 55 bis unter 60 Jahre: 74,6 %
  • 60 bis unter 65 Jahre: 46,4 %

 bis Die Erwerbstätigenquoten nehmen mit zunehmendem Alter deutlich ab. Allerdings ist ein deutlicher Anstieg über die Zeitspanne von 2002 bis 2012 zu verzeichnen. So lag die Erwerbstätigenquote 2002 bei den 55 bis unter 60-Jährigen bei 59,5 % und 2012 bei 74,6 %. Bei den 60 bis unter 65-Jährigen stieg die Erwerbstätigenquote in dem selben Zeitraum von 22,7 % auf 46,4 %.

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (2012):

  • 55 bis unter 65 Jahre: 4,35 Millionen (vgl. 2002: 1,44 Millionen)
  • 55 bis unter 60 Jahre: 2,91 Millionen (vgl. 2002: 731.000)
  • 60 bis unter 65 Jahre: 1,44 Millionen (vgl. 2002: 1,45 Millionen) [3]

Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Erwerbsfähigkeit

Informationen über die Schul- und Berufsausbildung können wichtige Hinweise auf Interessenlagen usw. der Senioren liefern, die beim Aus-/Umbau von Freizeit- und Bildungsangeboten relevant sind:

bis Der Bildungsstand spielt eine nicht unwesentliche Rolle bei der Dauer der Erwerbsbeteiligung. So sind mit zunehmendem Alter mehr Personen mit Abitur und Fachabitur berufstätig, als dies beispielsweise bei Personen mit Real- und Hauptschulabschluss zutrifft. Personen, die über keinen Schulabschluss verfügen, scheiden noch früher aus dem Arbeitsleben aus.

bis Ein ähnliches Bild wie die Angaben zum Schulabschluss liefert auch die Übersicht über die Erwerbstätigenquoten nach Berufsabschluss. Diejenigen, die über einen Hochschulabschluss oder eine Meisterausbildung verfügen, arbeiten anteilig deutlich länger als diejenigen, die nur eine Lehre absolviert haben.

Mehr zu diesem Thema:

  • Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2014: Arbeitsmarkt: Bericht als PDF [2]
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Arbeitsmarktprognose 2030: Bericht als PDF
  • Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeitsmarkt in Deutschland, Arbeitsmarktberichterstattung - September 2013: Bericht als PDF [3]