Indikator 1.4 - Familienstand und Haushaltsgrößen

Familienstand

Der Familienstand und die Haushaltskonstellation sind zweifellos Faktoren, die das Leben im Alter entscheidend prägen und mit zunehmendem Alter drastischen Veränderungen unterworfen sein können. Die Entwicklung des Familienstands der Senioren liefert gegenwärtig z. B. Informationen, die auf die Haushaltsgröße schließen lassen. Zukünftig wird dieser Zusammenhang jedoch schwächer werden, da sich die Haushaltsstrukturen durch neue Wohnformen im Alter, z. B. WGs, und die zunehmenden Anteile alleinstehender Senioren verändern werden.
Insbesondere die alleinlebenden älteren Frauen und Männer sind im Rahmen der Planung von Bedeutung. Neben dem professionellen Hilfe- und Pflegebedarf (Stichwort: Singlehaushalt bis Vereinsamung) ist für die Kommune vor allem das gesellschaftliche Potenzial dieser Bevölkerungsgruppe relevant: Wenn es gelingt, diesen Personenkreis zur aktiven Mitwirkung für ältere Mitbürger sowie für und gemeinsam mit jüngeren Bevölkerungsgruppen zu motivieren, kann die Lebenszufriedenheit und dadurch auch die Gesundheit aller Beteiligten gefördert werden.

bis Die meisten der 60- bis 80-Jährigen leben in einer Partnerschaft, wobei der Anteil mit steigendem Alter abnimmt. Entsprechend nimmt der Anteil der Verwitweten zu, wobei der Anteil der Frauen in den jeweiligen Altersgruppen wesentlich höher ist als der der Männer. Dagegen ist der Anteil der Geschiedenen in der älteren Bevölkerung derzeit noch vergleichsweise gering, weist aber eine steigende Tendenz auf. In der alten Bevölkerung leben die wenigsten in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Männer:

  • 60 bis 69 Jahre: 8 % ledig; 76 % verheiratet; 4 % verwitwet; 12 % geschieden
  • 70 bis 79 Jahre: 6 % ledig; 77 % verheiratet; 11 % verwitwet; 7 % geschieden
  • 80 Jahre und älter: 5 % ledig; 61 % verheiratet; 30 % verwitwet; 4 % geschieden

Frauen:

  • 60 bis 69 Jahre: 5 % ledig; 67 % verheiratet; 15 % verwitwet; 13 % geschieden
  • 70 bis 79 Jahre: 5 % ledig; 52 % verheiratet; 35 % verwitwet; 8 % geschieden
  • 80 Jahre und älter: 8 % ledig; 22 % verheiratet; 64 % verwitwet; 6 % geschieden [1]

bis Zum Vergleich die Werte für die gesamtdeutsche Bevölkerung ab 18 Jahren im Jahr 2011: 28,5 % sind ledig, 54,4 % sind verheiratet/leben mit Partner zusammen, 8,4 % sind geschieden und 8,7 % verwitwet. [2]

bis Die prognostizierten Familienstandsstrukturen bis zum Jahr 2030 sehen so aus,  dass die Anteile der Ledigen in allen angegebenen Altersgruppen steigen, bei den Männern sich gar verdoppeln bis verdreifachen. Nur bei den 75-jährigen und älteren Frauen werden die Anteile voraussichtlich abnehmen. Ebenfalls deutlich zunehmen werden die Anteile der Geschiedenen. Dafür ist mit einem Zuwachs der nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu rechnen.

Haushaltsgrößen

Der Indikator Haushaltsgrößen zeigt auf, in welchen Stadtteilen Senioren überwiegend in Ein-, Zwei- oder Mehrpersonenhaushalten wohnen. Für Planungszwecke sind insbesondere die Einpersonenhaushalte näher zu betrachten. So kann z. B. ein hoher Anteil an Einpersonenhaushalten bei über 50-Jährigen Bürgern u. a. ein Indiz dafür sein, dass die Gefahr einer Vereinsamung im alter besteht. Aus den Informationen über Haushaltsgrößen können demnach Hinweise zu Hilfepotenzialen sozialer und instrumenteller Art abgeleitet werden.

bis Dieser Indikator kann aufzeigen, in welchen Stadtteilen welche Angebote benötigt werden, z. B. wo Bedarf an Unterstützungs- und Beratungsangeboten bestehen könnte, mit denen im Fall einer eintretenden Pflegebedürftigkeit durch rechtzeitige Interventionen die Hilfe- und Pflegekosten gering gehalten werden können.

bis Die Gruppe der älteren „Singles“ ist darüber hinaus im positiven Sinne von Bedeutung, besteht hier doch ein großes Potenzial für die Gewinnung bürgerschaftlichen Engagements. Es sollten Ideen entwickelt werden, um diesen Personenkreis aktiv zur gesellschaftlichen Partizipation zu motivieren: Studien zeigen, dass die sozialen Ressourcen dieser wachsenden Gruppe noch nicht erschöpfend genutzt werden.

bis Ein hoher Anteil an Ein- und Zweiparteienhäuser ist darüber hinaus als Kennzeichen für eine hohe Eigentümerquote in einem Stadtteil zu bewerten, was wiederum Merkmal für eine gute Einkommenssituation der dort lebenden Bürger sein kann.

bis Ein hoher Anteil an Mehrparteienhäusern in einem Viertel kann dagegen bei der Einrichtung von Nachbarschaftshilfen/ -netzwerken von Vorteil sein. Hier ist auch an die Schaffung von generationenübergreifenden Initiativen zu denken.

bis In Deutschland steigt seit Jahren - allerdings mit sinkender Tendenz - die Anzahl der Haushalte, was auf die Zunahme der Einpersonen- und Zweipersonenhaushalte zurückzuführen ist. 2010 waren 74 % aller Haushalte Kleinhaushalte mit einer oder zwei Personen, 2013 waren es 75 %. Die Anteile der Haushalte mit vier und mehr Personen nehmen dagegen kontinuierlich ab.

Haushalte insgesamt (2010): 40.301.000:

  • Einpersonenhaushalte: 39,4 %
  • 2-Personenhaushalte: 34,2 %
  • 3-Personenhaushalte: 12,6 %
  • 4-Personenhaushalte: 9,5 %
  • Haushalte mit 5 oder mehr Personen: 3,4 %

Haushalte insgesamt (2013): 39.933.000:

  • Einpersonenhaushalte: 40,5 %
  • 2-Personenhaushalte: 34,4 %
  • 3-Personenhaushalte: 12,5 %
  • 4-Personenhaushalte: 9,2 %
  • Haushalte mit 5 oder mehr Personen: 3,3 % [3]

bis Die Verkleinerung der Haushalte wird auch in Zukunft weiter zunehmen. Die Veränderungen sind in den neuen Bundesländern bereits weit vorangeschritten. Die Tendenz zur Zunahme kleiner Haushalte ist ursächlich bedingt durch die hohe Kinderlosigkeit und Scheidungsrate sowie durch altersstrukturelle Veränderungen. Altersgruppen, die traditionell in kleinen Haushalten leben (z. B. Senioren), nehmen zu, wohingegen Altersgruppen, die eher in größeren Haushalten wohnen (junge Familien), abnehmen.

bis Mit der wachsenden Zahl von Alleinlebenden über alle Altersstufen hinweg werden sich auch die Bedarfe an geeignetem Wohnraum verändern. Vor diesem Hintergrund sollte rechtzeitig interveniert werden und beim Um- bzw. Neubau von Wohnungen entsprechend auf den Ausbau kleinerer Wohneinheiten - auch für das Alter - geachtet werden.

  • 7,8 % der Männer zwischen 65 und unter 75 Jahren leben in Einpersonenhaushalten
  • 17 % der Frauen zwischen 65 und unter 75 Jahren leben in Einpersonenhaushalten
  • 9,1 % der Männer im Alter ab 75 Jahre leben in Einpersonenhaushalten
  • 34,1 % der Frauen im Alter ab 75 Jahre leben in Einpersonenhaushalten [3]

Mehr zu diesem Thema: