Indikator 1.4 B - Familienstand

Der Familienstand und die Haushaltskonstellation sind zweifellos Faktoren, die das Leben im Alter entscheidend prägen und mit zunehmendem Alter drastischen Veränderungen unterworfen sein können. Die Entwicklung des Familienstands der Senioren liefert gegenwärtig z. B. Informationen, die auf die Haushaltsgröße schließen lassen. Zukünftig wird dieser Zusammenhang jedoch schwächer werden, da sich die Haushaltsstrukturen durch neue Wohnformen im Alter, z. B. WGs, und die zunehmenden Anteile alleinstehender Senioren verändern werden.
Insbesondere die alleinlebenden älteren Frauen und Männer sind im Rahmen der Planung von Bedeutung. Neben dem professionellen Hilfe- und Pflegebedarf (Stichwort: Singlehaushalt bis Vereinsamung) ist für die Kommune vor allem das gesellschaftliche Potenzial dieser Bevölkerungsgruppe relevant: Wenn es gelingt, diesen Personenkreis zur aktiven Mitwirkung für ältere Mitbürger sowie für und gemeinsam mit jüngeren Bevölkerungsgruppen zu motivieren, kann die Lebenszufriedenheit und dadurch auch die Gesundheit aller Beteiligten gefördert werden.

bis Die meisten der 60- bis 80-Jährigen leben in einer Partnerschaft, wobei der Anteil mit steigendem Alter abnimmt. Entsprechend nimmt der Anteil der Verwitweten zu, wobei der Anteil der Frauen in den jeweiligen Altersgruppen wesentlich höher ist als der der Männer. Dagegen ist der Anteil der Geschiedenen in der älteren Bevölkerung derzeit noch vergleichsweise gering, weist aber eine steigende Tendenz auf. In der alten Bevölkerung leben die wenigsten in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft (NEL) (vgl. Tabelle 9).

Tabelle 9: Familienstand der über 60-Jährigen nach Geschlecht in der jeweiligen Altersgruppe (2009)

Quelle: Statistisches Bundesamt (2011): Fachserie 1 Reihe 3, Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Haushalte und Familien, Ergebnisse des Mikrozensus; eigene Berechnung

 bis Zum Vergleich die Werte für die gesamtdeutsche Bevölkerung ab 18 Jahren im Jahr 2009: 40,0 % sind ledig, 44,9 % sind verheiratet/leben mit Partner zusammen, 6,4 % sind geschieden und 6,8 % verwitwet. 

bis Tabelle 10 gibt die prognostizierten Familienstandsstrukturen bis zum Jahr 2030 an. Demnach werden die Anteile der Ledigen in allen angegebenen Altersgruppen steigen, bei den Männern sich gar verdoppeln bis verdreifachen. Nur bei den 75-jährigen und älteren Frauen werden die Anteile voraussichtlich abnehmen. Ebenfalls deutlich zunehmen werden die Anteile der Geschiedenen. Dafür ist mit einem Zuwachs der nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu rechnen.

Tabelle 10: Familienstandsstrukturen der 65 Jährigen und Älteren nach Altersgruppen (2002 und 2030)

Quelle: Mai/Roloff (2004): Zukunft von Potenzialen in Paarbeziehungen älterer Menschen. Perspektiven von Frauen und Männern. Expertise im Auftrag der Sachverständigenkommission ›5. Altenbericht der Bundesregierung. BMFSFJ (2005): Fünfter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland; Datenbasis: Mikrozensus 2002

bis In der Gruppe der Ausländer sind ähnliche Tendenzen wie bei den Deutschen auszumachen, wobei es aber deutliche Unterschiede zwischen den Nationen gibt: Der Anteil der Ledigen liegt bei den 65-jährigen und älteren Türken und Griechen auf vergleichbarem Niveau, wohingegen mit 9,4 % der Wert z. B. bei den Italienern deutlich über dem der Deutschen mit 5,7 % liegt (2002). Verglichen mit der deutschen Altenbevölkerung sind Ausländer insgesamt häufiger verheiratet, dies trifft vor allem auf Türken und Griechen zu. Gleichzeitig ist die Scheidungsrate insgesamt höher, was sich auf den hohen Anteil der Ausländer aus Staaten des ehemaligen Jugoslawien zurückführen lässt (vgl. Tabelle 11).

Tabelle 11: Familienstand der 65-Jährigen und Älteren nach Nationalität in % (2002)

Datenbasis: Mikrozensus (Forschungsdatenzentrum), eigene Berechnungen, Quelle: Özcan/Seifert (2004): Zur Lebenslage älterer Migrantinnen und Migranten in Deutschland – Gutachten für den 5. Altenbericht der Bundesregierung im Auftrag des Deutschen Zentrums für Altersfragen

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