Indikator 1.3 - Menschen mit Migrationshintergrund

Menschen mit Migrationshintergrund

In Deutschland lebten 2013 ungefähr 16,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. An der Gesamtbevölkerung machte das einen Anteil von 20,5 % aus. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund besteht aus den seit 1950 Zugewanderten und deren Nachkommen sowie der ausländischen Bevölkerung. [1]

Ausländer

Nach dem Ausländerzentralregister lebten 2013 insgesamt 7,6 Millionen Ausländer in Deutschland, was einem Anteil von 9,5 % an der Gesamtbevölkerung entspricht. Damit ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in den letzten fünf Jahren etwas gestiegen. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich die gesamtdeutschen Werte deutlich von Werten in manchen Großstädten und insbesondere in vielen Stadtteilen unterscheiden, in denen der Ausländeranteil bei über 50 % liegen kann. Daher sollte der Ausländeranteil der Gesamtkommune stets mit den Anteilen in den jeweiligen Stadtteilen verglichen werden. [2]

Altersgruppen:

bis 2013 beträgt der Anteil der Ausländer im Alter von 65 Jahren und älter an der gesamten ausländischen Bevölkerung 10,1 %. Verglichen mit der deutschen ist die ausländische Bevölkerung insgesamt deutlich jünger: So sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 16,8 % der deutschen Population 65 Jahre und älter. [2]

Geschlecht:

bis Die Geschlechterproportion unter den Ausländern entspricht derjenigen in der Gesamtbevölkerung. Die Dominanz der Männer in der Altersgruppe über 65 Jahre (53,3 %) lässt sich u. a. mit der vornehmlich auf Männer konzentrierten Anwerbepolitik von 1955 bis 1973 erklären. Insgesamt hat sich jedoch im Verlauf der Jahre durch Familiennachzug, Heiratsmigration und Geburten die noch Anfang der 1970er Jahre stark männlich dominierte Migrantenpopulation angeglichen; 48 % Frauen und 52 % Männer. [2]

Ausländergruppen:

bis Die meisten der in Deutschland lebenden Ausländer gehören zur Gruppe der ehemaligen sogenannten Gastarbeiter. Türkische Mitbürger stellen dabei mit 1,5 Mio. die größte Gruppe der ausländischen Population – das entspricht einem Viertel (20 %) aller Ausländer – gefolgt von polnischen und italienischen Mitbürgern (8 bzw. 7 %). An vierter Stelle liegen Personen griechischer und rumänischer Herkunft mit jeweils einem Anteil von 4 %, gefolgt von Personen aus Kroatien (3 %) (2013). [2]

Der Anteil an Ausländern wächst:

bis Die Gruppe der älteren Ausländer (60 Jahre und älter) in Deutschland kann als die am stärksten anwachsende Bevölkerungsgruppe unter den Älteren angesehen werden. Im Jahr 2003 Lag die Zahl der über 60-jährigen Ausländer bei 757.000. 2014 lag die Zahl der älteren Ausländer ab 65 Jahren bei 819.850. Hinzu kommen eingebürgerte Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Aussiedler, die zum Teil erst im höheren Alter nach Deutschland eingewandert sind. [1]

Obwohl die ungenauen Statistiken über ältere Menschen mit Migrationshintergrund keine verlässlichen Aussagen über Bevölkerungsbestand und -prognosen erlauben, kann davon ausgegangen werden, dass der Altenanteil in der hiesigen Migrantenpopulation auch künftig stark zunehmen wird.
Viele ältere Gastarbeiter haben in ihrem Berufsleben vor allem körperliche Tätigkeiten und z. T. die Gesundheit belastende Berufe ausgeübt, was häufig dazu führt, dass sie krankheitsbedingt früh aus dem Erwerbsleben ausscheiden und ggf. früher pflegebedürftig werden.
Auch wenn die familiären Hilfsnetzwerke stärker ausgeprägt sind, kann zukünftig nicht mehr automatisch davon ausgegangen werden, dass die Pflege und Betreuung im Bedarfsfall von Familienangehörigen übernommen wird. Gründe dafür sind auch hier die Pluralisierung und Individualisierung der Lebensformen sowie die von Erwerbspersonen geforderte räumliche Mobilität und berufliche Flexibilität.
Vor diesem Hintergrund wird der Handlungsbedarf aufseiten der Kommunen deutlich: Ältere Menschen mit Migrationshintergrund sollten z. B. über das örtliche Seniorenangebot (in ihrer Heimatsprache) informiert und ihre Bedarfe und Interessen erfragt werden. Mit den Trägern ambulanter Pflegedienste, aber auch stationärer Einrichtungen müssen kultursensible Konzepte entwickelt werden, die an die Bedürfnisse unterschiedlicher Migrantengruppen angepasst sind; so sind z. B. die individuellen Bedürfnisse von Muslimen zu berücksichtigen. In diesem Sinne müssen auch die Mitarbeiter weiterqualifiziert werden. Zudem ist an eine Zusammenarbeit mit Kulturvereinen zu denken.

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