Im Zuge der räumlichen Differenzierung Deutschlands spielen neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten und Sterbefälle) auch die innerdeutschen Wanderungen (Zu- und Wegzüge) eine Rolle.
Anhand dieses Indikators können Aussagen zu regionalen Disparitäten in den Bereichen Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt oder generell zur Attraktivität der Stadt, des Stadtteils oder der Region gemacht werden. Differenzierungen nach Altersgruppen verdeutlichen die unterschiedlichen Motive, aus denen Personen ihren Wohnort wechseln. Diese Informationen können z. B. darüber Aufschluss geben, in welchen Stadtteilen von einem Mangel an bestimmten Angeboten (z. B. Angebote für Senioren, Kindertagesstätten und Spielplätze) auszugehen ist. Des Weiteren kann der Wegzug vieler einkommensstarker junger Familien vom einen in ein anderes Viertel ein Signal für das Entstehen (neuer) sozialschwacher bzw. strukturstarker Quartiere sein. Um das „Umkippen“ zu verhindern, sollten Gegenmaßnahmen zur Aufwertung von sozialschwachen Vierteln ergriffen werden.
Es gibt verschiedene Wanderungsarten, die sich hinsichtlich ihrer Motive unterscheiden (vgl. Tabelle 33).
Tabelle 33: Amtliche Wanderungsstatistik nach Altersgruppen und schwerpunktmäßige Motive
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Alter |
Wanderungsmotivgruppe |
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unter 18 Jahre |
Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung |
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18 bis unter 25 Jahre |
Bildungswanderung |
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25 bis unter 30 Jahre |
Berufs-, Arbeitsmarktwanderung |
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30 bis unter 50 Jahre |
Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung |
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50 bis unter 65 Jahre |
Altenwanderung frühe Phase |
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65 Jahre und älter |
Altenwanderung späte Phase, Ruhestandswanderung |
Familienwanderung: Die unter 18-Jährigen und die 30- bis unter 50-Jährigen werden als „Familienwanderer“ bezeichnet. Die Ursache dieser Wanderungen liegt häufig in dem Wunsch bzw. in der Notwendigkeit, Wohnart und -lage an die veränderten Lebensumstände (z. B. Familiengründung) anzupassen. Kennzeichnend sind die Stadt-Umland-Wanderungen mit Verlusten der Städte und Gewinnen des suburbanen Raumes bzw. der Randlagen der Städte.
Bildungs- und Arbeitsmarktwanderung: In der Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen sind das Erzielen von Bildung und Erwerbseinkommen die zentralen Motive für Wanderungsentscheidungen. Für diese Gruppen sind Städte mit Hochschulen und einem größeren Arbeitsplatzangebot die bevorzugten Wanderungsziele.
Altenwanderung: Die über 50-Jährigen weisen insgesamt eine geringe Mobilität auf. Ihre Wanderungsmuster ähneln denen der Familienwanderer, allerdings bevorzugen sie noch mehr den ländlichen Raum. Dies gilt in besonderem Maße für landschaftlich attraktive Regionen.
Im Rahmen der Seniorenplanung ist Folgendes von Interesse: Wenn Zuwanderungstendenzen ausschließlich bei höheren Altersgruppen (von außerhalb) feststellbar sind, kann dies auf ein lebenswertes und altersgerechtes Image der Kommune hindeuten, wie es z. B. Kurstädte auszeichnet. Als Konsequenz muss die Kommune dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Anbieter geeignete Arbeitskräfte anwerben, die auf die Belange älterer Menschen spezialisiert sind. Dadurch können u. a. neue Arbeitsplätze entstehen und möglicherweise in der Folge Familien angelockt werden.
Anhand der Städte Bochum und Hannover sollen zwei Beispiele für Bevölkerungswanderungen vorgestellt werden:
In Bochum war über einige Jahre die Anzahl der Fortziehenden größer als die der von außen Zuziehenden, wobei der jährliche Bevölkerungsverlust aber geringer geworden ist. Verglichen mit 2006 hat es 2010 wieder einen Bevölkerungszuwachs gegeben (vgl. Tabelle 34).
Tabelle 34: Exemplarisch – Bevölkerungswanderung im Jahresvergleich in der Stadt Bochum
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männlich |
weiblich |
gesamt |
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2004 |
Zugezogene |
8.458 |
7.198 |
15.656 |
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Fortgezogene |
14.968 |
12.039 |
27.007 |
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Wanderungssaldo |
-6.510 |
-4.841 |
-11.351 |
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2005 |
Zugezogene |
7.879 |
6.882 |
14.761 |
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Fortgezogene |
9.480 |
7.760 |
17.240 |
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Wanderungssaldo |
-1.601 |
-878 |
-2.479 |
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2006 |
Zugezogene |
8.093 |
7.165 |
15.258 |
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Fortgezogene |
9.095 |
7.989 |
17.084 |
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Wanderungssaldo |
-1.002 |
-824 |
-1.826 |
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2010 |
Zugezogene |
7.944 |
7.424 |
15.368 |
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Fortgezogene |
7.111 |
5.782 |
13.893 |
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Wanderungssaldo |
833 |
1.642 |
1.475 |
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Tendenz |
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Quelle: Stadt Bochum
In Hannover wurde zusätzlich nach Altersgruppen unterschieden: Tabelle 35 zeigt, dass der Anteil der 65-Jährigen und Älteren, die innerhalb der Stadt oder in die Umlandgemeinden umziehen, deutlich unter dem der anderen Altersgruppen liegt. Die meisten Umzüge waren 2004 unter den 18- bis 30-Jährigen festzustellen, die mehrheitlich innerhalb der Stadt umgezogen sind.
Tabelle 35: Bevölkerungsfluktuation der Stadt Hannover sowie Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung nach Altersgruppen in % (2004)
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Umzüge innerhalb der Stadt |
Fortzüge insgesamt |
Fortzüge in die Umlandgemeinden |
Bevölkerung insgesamt |
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0 bis unter 18 Jahre |
17,7 |
13,3 |
18,5 |
15,3 |
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18 bis unter 30 Jahre |
34,0 |
37,3 |
29,1 |
16,8 |
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30 bis unter 45 Jahre |
29,9 |
32,2 |
33,1 |
24,5 |
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45 bis unter 65 Jahre |
13,0 |
11,8 |
12,8 |
24,1 |
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65 Jahre und älter |
5,4 |
5,4 |
6,4 |
19,3 |
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Gesamt |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
100,0 |
Quelle: Wanderungsbefragung Hannover 2005, www.hannover.de/data/download/doku/wanderungsbefragung_2005.pdf (28.03.2007)
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Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR): mehr zum Thema Alten-, Familien- und Bildungswanderung, zum Online-Bericht
