Indikator 1.11 E - Bevölkerungsfluktuation (innerstädtisch/Außenwanderung)

Im Zuge der räumlichen Differenzierung Deutschlands spielen neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten und Sterbefälle) auch die innerdeutschen Wanderungen (Zu- und Wegzüge) eine Rolle.
Anhand dieses Indikators können Aussagen zu regionalen Disparitäten in den Bereichen Wohnungsmarkt, Arbeitsmarkt oder generell zur Attraktivität der Stadt, des Stadtteils oder der Region gemacht werden. Differenzierungen nach Altersgruppen verdeutlichen die unterschiedlichen Motive, aus denen Personen ihren Wohnort wechseln. Diese Informationen können z. B. darüber Aufschluss geben, in welchen Stadtteilen von einem Mangel an bestimmten Angeboten (z. B. Angebote für Senioren, Kindertagesstätten und Spielplätze) auszugehen ist. Des Weiteren kann der Wegzug vieler einkommensstarker junger Familien vom einen in ein anderes Viertel ein Signal für das Entstehen (neuer) sozialschwacher bzw. strukturstarker Quartiere sein. Um das „Umkippen“ zu verhindern, sollten Gegenmaßnahmen zur Aufwertung von sozialschwachen Vierteln ergriffen werden.
Es gibt verschiedene Wanderungsarten, die sich hinsichtlich ihrer Motive unterscheiden (vgl. Tabelle 33).

Tabelle 33: Amtliche Wanderungsstatistik nach Altersgruppen und schwerpunktmäßige Motive

Alter

Wanderungsmotivgruppe

unter 18 Jahre

Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung

18 bis unter 25 Jahre

Bildungswanderung

25 bis unter 30 Jahre

Berufs-, Arbeitsmarktwanderung

30 bis unter 50 Jahre

Familienwanderung, Wohnungsmarktwanderung

50 bis unter 65 Jahre

Altenwanderung frühe Phase

65 Jahre und älter

Altenwanderung späte Phase, Ruhestandswanderung

 

Familienwanderung: Die unter 18-Jährigen und die 30- bis unter 50-Jährigen werden als „Familienwanderer“ bezeichnet. Die Ursache dieser Wanderungen liegt häufig in dem Wunsch bzw. in der Notwendigkeit, Wohnart und -lage an die veränderten Lebensumstände (z. B. Familiengründung) anzupassen. Kennzeichnend sind die Stadt-Umland-Wanderungen mit Verlusten der Städte und Gewinnen des suburbanen Raumes bzw. der Randlagen der Städte.

Bildungs- und Arbeitsmarktwanderung: In der Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen sind das Erzielen von Bildung und Erwerbseinkommen die zentralen Motive für Wanderungsentscheidungen. Für diese Gruppen sind Städte mit Hochschulen und einem größeren Arbeitsplatzangebot die bevorzugten Wanderungsziele.

Altenwanderung: Die über 50-Jährigen weisen insgesamt eine geringe Mobilität auf. Ihre Wanderungsmuster ähneln denen der Familienwanderer, allerdings bevorzugen sie noch mehr den ländlichen Raum. Dies gilt in besonderem Maße für landschaftlich attraktive Regionen.

bis Im Rahmen der Seniorenplanung ist Folgendes von Interesse: Wenn Zuwanderungstendenzen ausschließlich bei höheren Altersgruppen (von außerhalb) feststellbar sind, kann dies auf ein lebenswertes und altersgerechtes Image der Kommune hindeuten, wie es z. B. Kurstädte auszeichnet. Als Konsequenz muss die Kommune dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Anbieter geeignete Arbeitskräfte anwerben, die auf die Belange älterer Menschen spezialisiert sind. Dadurch können u. a. neue Arbeitsplätze entstehen und möglicherweise in der Folge Familien angelockt werden.

bis Anhand der Städte Bochum und Hannover sollen zwei Beispiele für Bevölkerungswanderungen vorgestellt werden:

In Bochum war über einige Jahre die Anzahl der Fortziehenden größer als die der von außen Zuziehenden, wobei der jährliche Bevölkerungsverlust aber geringer geworden ist. Verglichen mit 2006 hat es 2010 wieder einen Bevölkerungszuwachs gegeben (vgl. Tabelle 34).

Tabelle 34: Exemplarisch – Bevölkerungswanderung im Jahresvergleich in der Stadt Bochum

 

 

männlich

weiblich

gesamt

2004

Zugezogene

8.458

7.198

15.656

Fortgezogene

14.968

12.039

27.007

Wanderungssaldo

-6.510

-4.841

-11.351

2005

Zugezogene

7.879

6.882

14.761

Fortgezogene

9.480

7.760

17.240

Wanderungssaldo

-1.601

-878

-2.479

2006

Zugezogene

8.093

7.165

15.258

Fortgezogene

9.095

7.989

17.084

Wanderungssaldo

-1.002

-824

-1.826

2010

Zugezogene

7.944

7.424

15.368

Fortgezogene

7.111

5.782

13.893

Wanderungssaldo

833

1.642

1.475

Tendenz

 


Quelle: Stadt Bochum

In Hannover wurde zusätzlich nach Altersgruppen unterschieden: Tabelle 35 zeigt, dass der Anteil der 65-Jährigen und Älteren, die innerhalb der Stadt oder in die Umlandgemeinden umziehen, deutlich unter dem der anderen Altersgruppen liegt. Die meisten Umzüge waren 2004 unter den 18- bis 30-Jährigen festzustellen, die mehrheitlich innerhalb der Stadt umgezogen sind.

Tabelle 35: Bevölkerungsfluktuation der Stadt Hannover sowie Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung nach Altersgruppen in % (2004)

 

Umzüge innerhalb

der Stadt

Fortzüge

insgesamt

Fortzüge in die Umlandgemeinden

Bevölkerung

insgesamt

0 bis unter 18 Jahre

17,7

13,3

18,5

15,3

18 bis unter 30 Jahre

34,0

37,3

29,1

16,8

30 bis unter 45 Jahre

29,9

32,2

33,1

24,5

45 bis unter 65 Jahre

13,0

11,8

12,8

24,1

65 Jahre und älter

5,4

5,4

6,4

19,3

Gesamt

100,0

100,0

100,0

100,0

Quelle: Wanderungsbefragung Hannover 2005, www.hannover.de/data/download/doku/wanderungsbefragung_2005.pdf (28.03.2007)

Mehr zu diesem Thema:

  • Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR): mehr zum Thema Alten-, Familien- und Bildungswanderung, zum Online-Bericht