Die Ergebnisse dieses Indikators sind im Grunde für alle weiteren Maßnahmen und Planungsprozesse relevant:
Anhand der Einwohnerzahl kann eine Kommune regionalen Gebietstypen bzw. Siedlungsstrukturtypen (z. B. Klein-, Mittel- und Großstadt) zugeordnet werden. Dies erleichtert z. B. den Austausch mit Gemeinden gleicher Größenordnung und/oder vergleichbarer regionaler Struktur. Wenn eine Kommune ihre Bevölkerungszahlen mit denen einer ähnlichen oder benachbarten Kommune vergleichen möchte, sollten die Werte der Statistischen Landesämter verwendet werden, da diese einheitliche Erhebungszeitpunkte haben und nur den Erstwohnsitz der Bürger berücksichtigen.
Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) gibt es bundesweit insgesamt 4.537 Gemeinden, davon dominieren Mittel- und Kleinstädte. In den Mittel- und Großstädten lebte 2011 jeweils knapp jeder dritte, in den Kleinstädten jeder vierte Bewohner Deutschlands; mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Mittel- und Kleinstädten (vgl. Tabelle 1).
Tabelle 1: Anzahl der Gemeinden – bundesweit nach Typen

Quelle: Laufende Raumbeobachtung des BBR (Stand: 2011)
Bevölkerungsbestand differenziert nach Alter und Geschlecht
Ende 2005 war knapp ein Viertel aller Bewohner Deutschlands 60 Jahre und älter (über 20 Mio.), 4,5 % bzw. rund 3,7 Mio. sogar 80 Jahre und älter. Die Tendenz spricht weiter für ein deutliches Ansteigen dieser Altersgruppen. Im Gegensatz dazu nimmt der Anteil der unter 20-Jährigen an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich ab (vgl. Tabelle 2).
Tabelle 2: Altersstruktur (Anteil der Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung)

Quelle: www.destatis.de Statistisches Bundesamt 2011 (Stand: 31.12.2009)
Wie die Entwicklung seit 1995 zeigt, sinkt der Frauenanteil im Alter ab 60 Jahre und ist 2009 ausgeglichen, was darauf zurückzuführen ist, dass sich die durch den zweiten Weltkrieg bedingten Verluste im männlichen Bevölkerungsteil im siebten Jahrzehnt nach Kriegsende nicht mehr auf die Geschlechterproportion auswirken; insgesamt ist der Frauenanteil sogar etwas höher als im Alter (vgl. Tabelle 3).
Tabelle 3: Entwicklung der Altersstrukturen (Anteil nach Altersgruppen und Geschlecht)

Quelle: www.regionalstatistik.de Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2011 (Stand: 31.12.2009)
Anhand der Informationen über die Anzahl und insbesondere die Anteile der älteren Menschen in den Stadtteilen und der Gesamtstadt, differenziert nach Altersstufen und Geschlecht, können viele andere Daten und Informationen, die im Rahmen eines Planungsprozesses ermittelt werden, in Relation gesetzt werden, um daraus für das weitere Handeln in der Kommune Schlüsse ziehen zu können.
Hierzu ein Beispiel: Die Neuansiedelung eines Altenpflegeheims sollte z. B. nicht in einem Neubaugebiet mit jungen Familien erfolgen. Ein sinnvoller Standort ist dagegen ein Stadtteil, der z. B. in den 60er Jahren als Neubaugebiet mit Eigenheimen entstanden ist und nun ein „kippender“ Stadtteil zu werden droht. Das bedeutet, dass hier ein Großteil der Wohnbevölkerung ein Alter erreicht hat, wo das Risiko zunimmt, pflegebedürftig zu werden. Bei der Ausweisung neuer Wohngebiete sollte künftig darauf geachtet werden, keine bestimmte Altersklientel zu werben, sondern für eine gute Altersdurchmischung zu sorgen, die sich langfristig als die bessere Ansiedlungsform herausstellen wird.
Bevölkerungsentwicklung/-prognosen
Aus den Bevölkerungsprognosen lassen sich Tendenzen ableiten, wie stark sich die Folgen des demografischen Wandels auf die Kommune auswirken. Um die Werte einordnen zu können, ist es hilfreich, ihnen Vergleichszahlen aus anderen Kommunen gegenüberzustellen (hierzu: www.wegweiser-kommune.de). Aus den Ergebnissen über die künftige Altersverteilung kann die Kommune ablesen, in welchen Stadtteilen für wie viele Senioren Angebote vorzuhalten sind und wo im Hinblick auf eine konsequent umgesetzte kommunale Seniorenpolitik mittel- bis langfristig ein höherer bzw. niedrigerer Bedarf zu erwarten ist. Auf diese Weise ist es nicht erforderlich, in allen Stadtteilen zugleich zu handeln.
Es ist empfehlenswert – wenn vorhanden – Daten über natürliche Bevölkerungsentwicklungen wie z. B. die Geburten- und Sterberate mit in die Planung einzubeziehen.
Die Bevölkerungsentwicklung ist immer abhängig von Faktoren, die nicht vorhersehbar und damit auch nicht planbar sind. So kann es vorkommen, dass Prognosewerte am Ende zum Teil deutlich von den tatsächlichen Werten abweichen. Nichtsdestoweniger sind Bevölkerungsprognosen für die kommunale Altenplanung unerlässlich.
Laut der 12. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung [1] wird der Anteil der unter 20-Jährigen bis zum Jahr 2060 deutlich zurückgehen: Lag der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung (17,4 Mio.) Ende 2005 noch bei rund 21 %, wird er 2030 16 % (12,7 Mio.) und 2060 nur noch prognostizierte 15,6 % (10,1 Mio.) betragen. Damit ist diese Altersgruppe im Vergleich zum Basisjahr 2005 um rund 42 % kleiner geworden.
Der Bevölkerungsanteil aller 20- bis 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird von 54 % (2005) bis auf 44 % im Jahr 2060 zurückgehen, was einem Rückgang von 36 % entspricht.
Inwieweit die größer werdende Gruppe der älteren Personen und der Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter insgesamt Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben werden, ist aus den reinen demografischen Gegebenheiten nicht abzuleiten.
Im Gegensatz zu den unter 20-Jährigen und zur Erwerbsbevölkerung ist bei den Bevölkerungsanteilen der älteren Bevölkerung mit deutlichen Zunahmen zu rechnen. Die Zahl der 65-Jährigen und Älteren wird in den kommenden Jahrzehnten von zwei Faktoren beeinflusst werden: zum einen von den starken Jahrgängen, die nach 2020 ins Rentenalter hineinwachsen, zum anderen von der steigenden Lebenserwartung, die für ein langsameres Schrumpfen der Bevölkerung in höheren Altersstufen sorgt. Die Modellrechnungen zeigen, dass der Anteil der 65-Jährigen und Älteren von heute 19,3 % auf rund 34 % im Jahre 2060 steigen wird. Der Anteil der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird sich sogar mehr als verdreifachen und zwar von 4,5 % (3,7 Mio. in 2005) auf etwa 8 % im Jahr 2030 bis auf annähernd 15 % (10 Mio.) im Jahr 2050, danach bis 2060 jedoch wieder zurückgehen (vgl. Tabelle 4).
Die Gesamtbevölkerung wird in diesem Zeitraum voraussichtlich von 82,4 Mio. (2005) langsam auf 77,2 Mio. im Jahr 2030 und dann zunehmend schneller auf geschätzte 64,7 Mio. im Jahr 2060 sinken.
Tabelle 4: Entwicklung der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter [2]

Quelle: Statistisches Bundesamt (2009): 12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung – Annahmen und Ergebnisse
In den ländlichen Räumen der neuen Länder werden laut der Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordordnung (BBR 2004) die altersstrukturellen Veränderungen noch stärker ausfallen. Ausgehend vom Bevölkerungsstand 1999 wird die Gruppe der 75-Jähigen und Älteren bis 2050 um 83,6 % und die Gruppe der 60- bis unter 75-Jährigen um 11,5 % zunehmen. Anzahl und Anteile der restlichen Altersgruppen werden dagegen sehr stark zurückgehen (Ausnahme 0- bis 6-Jährige mit Zuwachs von 4,9 %).
Dieses Nebeneinander von wachsenden und schrumpfenden Bevölkerungsgruppen wird sich laut Berechnungen des BBR noch über Jahrzehnte hinweg fortsetzen. Die frühere Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland zeichnet sich in den Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung kaum noch ab.[3]
pf Die Kommune muss sich auf diese Verschiebungen einstellen und angemessene Konzepte entwickeln, wie sie möglicherweise entstehende Bedarfe der älter werdenden Bewohner sowie die sich daraus ergebenden Potenziale in den Stadtteilen nutzt.
Altenquotient
Definition: Der Altenquotient beschreibt, wie viele Rentner auf 100 Erwerbspersonen kommen, d. h. der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird die ältere Bevölkerung im Rentenalter als Gruppe potenzieller Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderer Alterssicherungssysteme gegenübergestellt.
Der Indikator Altenquotient gilt damit als Kennzeichen dafür, wie stark sich demografiebedingte Veränderungen in der kommunalen Bewohnerstruktur niederschlagen. Wenn man beim Renteneintritt von einem bisherigen Durchschnittsalter von ca. 60 Jahren ausgeht und der Gruppe der Personen im Erwerbsalter die 20- bis unter 60-Jährigen zugrunde legt, ergibt sich für das Jahr 2005 ein Altenquotient von 45. 1995 lag der Altenquotient bundesweit noch bei 37. Die langfristige Betrachtung zeigt einen weiteren erheblichen Anstieg des Altenquotienten. Nach den Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes wird dieser bis 2030 auf 75 und bis 2050 weiter auf 85 ansteigen. Eine günstigere Entwicklung des Altenquotienten wäre zu erwarten, wenn man ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren zugrunde legt. Dann würde der Altenquotient bis 2050 lediglich auf 52 ansteigen (vgl. 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung).
Mithilfe des ermittelten Quotienten kann die Kommune ihr sozialpolitisches Handeln entsprechend belegen. Dabei sollten aber Bevölkerungsgruppen wie Kinder, Jugendliche und junge Familien nicht außer Acht gelassen werden.
Neben dem Altenquotienten ist auch der Jugendquotient für die Planung von Bedeutung.
Definition Jugendquotient: Hier wird der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die jüngere Bevölkerung, für deren Aufwachsen, Erziehung und Ausbildung gesorgt werden muss, gegenübergestellt. Im Jahr 2005 liegt der Jugendquotient bei 33 und wird bis 2050 noch auf 29 fallen.
Aus der Summe beider Quotienten ergibt sich der Gesamtquotient, der aufzeigt, in welchem Ausmaß die mittlere Altersgruppe für die jüngere und ältere, nicht im Erwerbsleben stehende Bevölkerung im weitesten Sinne zu sorgen hat.
Bisher war der Altenquotient niedriger als der Jugendquotient. Seit 2006 übersteigt er in der Abgrenzung von 65 Jahren (statt 67 Jahre) den Jugendquotienten und wird künftig die Entwicklung des Gesamtquotienten prägen, wie folgende Abbildung 1 zeigt:
Abbildung 1: Jugend-, Alten- und Gesamtquotient mit den Altersgrenzen 20 und 65 Jahre

Quelle: Statistisches Bundesamt (2006): 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung – Annahmen und
Ergebnisse
Mehr zu diesem Thema:
- Statistisches Bundesamt
- Statistisches Bundesamt (2006): 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Bericht als PDF
- Bundesinnenministerium
- Siebter Familienbericht – Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit, Bericht als PDF
- Bevölkerungsprognose des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Bericht als PDF
- Naegele, Gerhard/Monika Reichert (1999): Zur Lebenslage älter werdender und älterer Singles – ein Literaturüberblick. Zeitschrift für Sozialreform 5/1999. 418–446.
[1] 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung: „Mittlere“ Bevölkerung, Untergrenze – annähernd konstante Geburtenhäufigkeit, Basisannahme zur Lebenserwartung, Wanderungssaldo 100.000 Personen/Jahr (Basis: 31.12.2005).
[2] Vgl. Fußnote 1.
[3] Einen guten Überblick, wie sich die künftige Bevölkerungsdynamik bis 2020 entwickeln wird, vermittelt eine Grafik des BBR: www.bbr.bund.de/cln_005/nn_22558/DE/ForschenBeraten/Raumordnung/
RaumentwicklungDeutschland/Demographie/BevPrognose/BevPrognose.html

