BILDUNG UND KULTUR

Der Schwerpunkt dieses Themenfeldes liegt auf der Bestands- und Bedarfserhebung des kommunalen Bildungs- und Kulturangebotes, d. h. welche Angebote gibt es überhaupt für Ältere und wie werden sie von diesen wahr- und angenommen.
Eine wichtige kommunale Aufgabe ist es, die ortsansässigen Anbieter und Angebote aus den Bereichen Bildung, Kultur, Sport, Freizeit und Geselligkeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren und Initiativen, d. h. vor allem Selbsthilfegruppen und den übrigen Akteuren des sozialbürgerschaftlichen Engagements, zu vernetzen und für die erforderliche Transparenz zu sorgen.
Für die Lebensqualität in der Kommune ist die „Freizeit-Infrastruktur“ von herausragender Bedeutung. Darunter wird das komplette örtliche Freizeitangebot verstanden, welches Möglichkeiten für sinnvolle und anregende Beschäftigungen bietet.
Ein alterstypischer Rückgang der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit z. B. durch Gedächtnisverlust oder psychomotorische Funktionseinschränkungen kann durch die Teilnahme an entsprechenden Angeboten abgemildert und somit die allgemeine Lebensqualität und Unabhängigkeit gesteigert werden.

Die Teilnahme von Senioren an Bildungsangeboten bringt exemplarisch mehrere positive Eigenschaften mit sich:

  • Verbesserung von sozialen Kontakten
  • Strukturierung von Tagesabläufen
  • Steigerung von Selbstsicherheit und Unabhängigkeit
  • Hilfe zur Lösung praktischer und psychologischer Probleme
  • Freisetzung von Ressourcen wie z. B. bürgerschaftlichen Engagement
  • Kompetenzerweiterung durch gezielte Weiterbildungsangebote (z. B. Digitalisierung)
  • Steigerung und Erhalt der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit
  • Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter(n)
  • gesellschaftliche und politische Partizipation und Teilhabe
  • Vorbereitung auf mögliche Krisensituationen und deren Bewältigung (z. B. Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige)

 

Wünsche nach Anregung

Bildung und Kultur stehen in engem Zusammenhang mit biografischen Aspekten, insbesondere Bildungserfahrungen und -gewohnheiten sowie beruflichen Erfahrungen. Bei älteren Frauen besteht zudem häufig ein gewisser „Nachholbedarf“, wenn aufgrund der früheren Situation Aus- und Weiterbildungs- sowie Berufs(tätigkeits)wünsche unverwirklicht geblieben sind.

Gesundheit, materielle Absicherung und vor allem das Bildungsniveau sind Faktoren, die die Bereitschaft, sich zu engagieren bzw. sich fortzubilden, beeinflussen. Aufgrund der zunehmenden Ressourcen kann auch in Zukunft von einer hohen und noch wachsenden Beteiligung Älterer an Bildungs- und Kulturangeboten ausgegangen werden.

Trotz dieses positiven Trends können sich aufgrund finanzieller Belastungen und steigender Altersarmut die Teilnahmemöglichkeiten an Bildungs- und Freizeitangeboten auch verschlechtern. Gründe dafür sind auch auf der Anbieterseite Schließungen oder zumindest Einschränkungen des Angebotes, welche durch die Kürzung von Zuschüssen oder sonstige kommunale Einsparungen bei der Infrastruktur bedingt sind. Tatsache ist, dass sich die verschärfenden sozialen Unterschiede auch auf die Teilnahme an Freizeitangeboten negativ auswirken werden. Die kommunal Verantwortlichen sollten deshalb dafür sorgen, dass für alle Bevölkerungsgruppen bezahlbare Freizeitangebote vorgehalten werden.

Für eine Kommune ist das Thema Bildung und Kultur auch im Wettbewerb um Einwohner von Bedeutung: Das zentrale Anliegen der Kommune ist es, die (Lebens-)Zufriedenheit der ansässigen Bevölkerung zu steigern, mindestens aber zu erhalten, Abwanderungstendenzen zu minimieren und die Attraktivität für potenzielle Zuwanderer zu erhöhen. Dazu dienen auch eine bildungs- und freizeitbezogene Infrastruktur, die zudem einen wichtigen Imagefaktor für die Kommune darstellt.

Traditionelle Angebote wie die klassische Altentagesstätte, karitativ organisierte Seniorenreisen oder einmalig durchgeführte Weihnachtsfeiern entsprechen heutzutage nicht mehr den Vorstellungen Älterer. Als innovativ gelten auch unterschiedliche Formen der Bildungs-, Freizeit- und Kulturarbeit für ältere Menschen, die zunehmend auch auf intergenerationelle Kommunikation und Begegnung abzielen (z. B. Erzählcafés, Wissensbörsen, Bürgerbegegnungsstätten).

Im Themenfeld Bildung und Kultur sollten bei der Betrachtung der Angebotsseite stets auch sozialstrukturelle Merkmale (vgl. Themenfeld 1) berücksichtigt werden wie geschlechtsspezifische Unterschiede, allgemeiner Bildungsabschluss, Berufsabschluss, Stellung im Beruf und Familienstand.
Darüber hinaus ist das direkte Wohnumfeld mit einzubeziehen, welches zu Aktivitäten anregt und positive Sozialkontakte bietet und somit zum Erhalt der geistigen, körperlichen und sozialen Fähigkeiten älterer Menschen beiträgt.